DIE STIFTUNG: Erfolgreiche Unternehmer sind dafür bekannt, dass sie Marktlücken entdeckt haben. Inwiefern haben Sie auch im Non-Profit-Sektor eine Marktlücke gesehen, die Sie mit der Dekeyser&Friends Foundation schließen wollten?
Bobby Dekeyser: Es ging nie darum Marktlücken zu schließen, sondern darum meine Erfahrungen mit Dedon weiterzugeben. Die Möglichkeit zu haben, als „Rahmenbauer“ anderen eine Möglichkeit zu geben, ihre individuellen Talente zu leben.

DIE STIFTUNG: Inwiefern ähnelte das Stiften einer weiteren Existenzgründung?
Dekeyser:
Die Errichtung der Dekeyser&Friends Foundation war wesentlich mehr als das. Es ist meine Plattform, um meiner Lebensaufgabe zu folgen und jungen Menschen Mut zu machen.

DIE STIFTUNG: Welche Erfahrungen waren dabei neu für Sie?
Dekeyser:
Überraschend war die Einstellung der Jugendlichen. Sie wollen die Welt sozial und ökonomisch verändern und nicht wie wir früher, nur reich und berühmt werden.

DIE STIFTUNG: Warum haben Sie die Stiftung in Genf errichtet, Hamburg dagegen als Sitz der stiftungseigenen D&F Academy ausgewählt?
Dekeyser:
Die Stiftung habe ich in Genf errichtet, da ich damals mit meiner Familie dort gelebt habe und dachte, dort für lange Zeit zu Hause zu sein. Die Hamburger D&F Academy ist eine eigenständige Institution, die ich mit initiiert habe und mit meiner Stiftung mit großer Freude unterstütze. Die Überlegung war, dass das weltoffene Hamburg ein guter Platz für junge Menschen aus der ganzen Welt ist.

DIE STIFTUNG: Darüber hinaus gibt es ja auch ein gesellschaftliches Problem an einer Ihrer Produktionsstätten, dem Sie sich annehmen

Dekeyser: Die Dekeyser&Friends Stiftung initiiert und unterstützt verschiedene Projekte, wie zum Beispiel das Dorf Compostela auf den Philippinen. Ganz in der Nähe der Dedon Produktion leben Menschen von und auf dem Müll. Um dagegen etwas zu tun, haben wir dort mit Partnern ein Umsiedlungsprojekt ins Leben gerufen und ein neues Dorf aufgebaut, das vor allem den Kindern eine neue Zukunft bietet.

DIE STIFTUNG: Und was veranlasste Sie dazu, eine Akademie zu gründen, deren Curriculum theoretisch grenzenlos ist?
Dekeyser:
Mit der Stiftung geht es mir ja hauptsächlich darum, junge Menschen zu ermutigen, ihnen Chancen und die Möglichkeit zu geben, an sich zu glauben. Deshalb habe ich auch die Academy von Anfang an unterstützt. Mittlerweile hat sich daraus eine tolle praktische Schule für junge soziale Unternehmer entwickelt, bei der ich Stolz bin mitzuwirken und zu sehen wie sie sich weiterentwickelt.

DIE STIFTUNG: Wie kann man dort Teilnehmer werden und wie gewinnen Sie die Mentoren?
Dekeyser:
Um an dem einjährigen Bildungsprogramm der D&F Academy teilnehmen zu können, muss man zwischen 18 und 28 Jahre alt sein und englisch sprechen. Bewerben kann sich jeder, die Auswahl erfolgt nach Motivation und Potenzial, eine tolle Idee im eigenen Heimatland in die Realität umzusetzen. Allerdings ist die Auswahl sehr kompetitiv, da wir sehr viele Bewerber haben. Experten und Mentoren können sich jederzeit bei uns anmelden oder werden je nach Programminhalt für bestimmte Themen eingeladen.

DIE STIFTUNG: Was konnten die zehnwöchigen Trainings und die anschließenden Hausaufgaben bislang bewirken?
Dekeyser:
Die D&F Academy hilft jungen talentierten Menschen über ein Jahr hinweg dabei, ihre eigenen Unternehmungen zu starten. In einem ersten Teil in Hamburg lernen die Teilnehmer in der Gruppe, wie man von einer Idee zur erfolgreichen Umsetzung kommt. Danach startet jeder seine eigene Initiative in seinem Heimatland und wird dabei durch ein Online-Programm sowie Mentoren unterstützt. Am Ende des Jahres bekommt jeder Teilnehmer zwar ein Zertifikat – viel wichtiger ist jedoch, dass er gelernt hat, wie man sich selber unternimmt und dabei einen positiven Beitrag in seiner Gesellschaft leistet. Konkret bewirken wir damit den Start von Unternehmungen auf der ganzen Welt, die jeweils ein soziales Problem im Fokus haben. Jedes Jahr arbeiten unsere Fellows mit tausenden Menschen und schaffen gleichzeitig Volunteer- und Arbeitsplätze.

DIE STIFTUNG: Wie nachhaltig ist die Arbeit der Akademie, wenn die Hauptaufgabe in der Umsetzung eines einzelnen Projektes besteht?
Dekeyser:
Die Teilnehmer werden während der gesamten Start-up Phase intensiv betreut und bleiben auch im Anschluss über unsere Online-Plattform verbunden und im Austausch. 90% der Teilnehmer führen ihre Initiativen auch nach Beendigung des Jahresprogrammes weiter und werden zudem zu Mentoren für die folgenden Fellows.

DIE STIFTUNG: Wie passt all dies zu einem ehemaligen Profi-Torwart und Gründer eines Möbelherstellers?
Dekeyser:
Das Leben ist ein Strauß Blumen, vielfältig und bunt. Im Leben ist man alles was man sein möchte.

DIE STIFTUNG: Dann sind wir gespannt, welche Rollen Sie noch spielen werden. Herr Dekeyser, vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Gregor Jungheim.

Die Stiftung
Die 2009 gegründete Dekeyser&Friends Foundation hat nach eigener Darstellung das Ziel „junge Menschen zu inspirieren, ihre eigenen Träume zu verfolgen und die Welt zu verändern“. Neben der D&F Academy unterstützt die Organisation auch den Bau einer Wohnsiedlung (Compostela) auf den Philippinen für Familien, die gegenwärtig noch auf Müllhalden leben. Das dritte und jüngste Projekt der Stiftung ist die Video-Lernplattform „Jumpsmart.tv“, welche die Unterrichtsinhalte der Akademie einer größeren Zahl junger Menschen zugänglich machen soll.

www.dekeyserandfriends.org

Der gebürtige Belgier Robert „Bobby“ Dekeyser war von 1984 bis 1992 professioneller Fußballtorwart und gründete nach seinem Karriereende das Möbelunternehmen Dedon. 2009 errichtete er die Dekeyser&Friends Foundation. Der Stifter und Unternehmer lebt heute in Hamburg.

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