Sunita, alleinerziehende Witwe von drei Kindern, verlor beim Erdbeben in Nepal vom 25. April 2015 ihren Bruder und nahm seine beiden Kinder in ihrer Familie auf. Mit SOS-Kinderdorf und lokalen Kooperativen erschafft sich die Familie nun ein neues Leben mit einem sicheren Dach über dem Kopf.

Sunita, alleinerziehende Witwe von drei Kindern, verlor beim Erdbeben in Nepal vom 25. April 2015 ihren Bruder und nahm seine beiden Kinder in ihrer Familie auf. Mit SOS-Kinderdorf und lokalen Kooperativen erschafft sich die Familie nun ein neues Leben mit einem sicheren Dach über dem Kopf.
Von Erika Dittli

 

Sunita Karki hat sich heute extra zu einer Versammlung in ihrer Gemeinde aufgemacht, um dort über ihre Situation zu sprechen. Sie ist seit fünf Jahren Witwe und muss für den Unterhalt ihrer drei Kinder sorgen. Ihr Bruder kam im verheerenden Erdbeben ums Leben, und so hat sie seine zwei Kinder bei sich aufgenommen. Damit nicht genug, hat das Erdbeben Sunita nicht nur die Familie sondern auch die Existenzgrundlage genommen, da auch ihre Ziegen ums Leben kamen.

Ein gutes Jahr nach der Katastrophe ist die Situation für viele Menschen in der nepalesischen Gorkha-Region nach wie vor kritisch. Familien warten noch immer auf die Bewilligung und Unterstützung der Regierung, damit sie ihre Häuser wieder errichten können. Aber auch Hilfswerke sind für den Wiederaufbau auf den nepalesischen Staat angewiesen. Um unabhängig von staatlichen Zusagen Hilfe zur mittelfristigen Existenzsicherung leisten zu können, startete SOS-Kinderdorf gemeinsam mit der Bevölkerung ein Rehabilitationsprogramm.


Ein Erdbeben der Stärke 7.8 erschütterte am 25. April 2015 kurz vor Mittag Nepal. Das Erdbeben kostete 8.773 Menschenleben, 22.304 Menschen wurden verletzt und 762.090 Häuser wurden ganz oder teilweise zerstört. Die Naturkatastrophe sowie politische Unruhen und Streiks im Nachgang zur Verfassungsabstimmung im September 2015 haben die ohnehin angespannte Situation in diesem armen Land zusätzlich verschärft.
Das Ziel von SOS-Kinderdorf ist eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Kinder und ihrer Eltern.


Auf der Versammlung ist schnell klar, dass Sunita unterstützt werden muss. Ziel ist es nun, ihr Einkommen durch eine Diversifikation der Einnahmen abzusichern und so die Verlustrisiken zu minimieren. Als erfahrene Nutztierhalterin erhält sie daher eine Büffelkuh. Am Kauf des Büffels muss sie sich nominal beteiligen. Die Büffelkuh wird zudem gegen Tod oder Krankheiten versichert – eine Innovation in der Gemeinde. Falls dem 1.000 CHF teuren Tier etwas passiert, kommt die Versicherung für einen Ersatz auf. Die jährliche Versicherungsprämie kann sich Sunita durch den Verkauf der Milch leisten. Hierfür wird die Milch-Kooperative der Gemeinde genutzt. Ihr stehen für Lagerung und Weiterverkauf der Milch mehr Möglichkeiten zur Verfügung als Einzelpersonen. SOS-Kinderdorf unterstützt damit gezielt die vorhandenen Strukturen auf Gemeindeebene, um die Fähigkeiten zur Selbsthilfe weiterzuentwickeln.

Erdbeben

Die terrassierten Felder sind zu einem grossen Teil schon wieder hergerichtet. Doch viele Hänge und Zugänge müssen noch stabilisiert werden. Foto: Erika Dittli

Von der Soforthilfe zur Rehabilitierungsphase
Die Zusammenarbeit mit Kooperativen ist Teil der Rehabilitierungsphase von SOS-Kinderdorf, welche auf die Soforthilfe folgt. Diese Idee soll nun neben der Milchwirtschaft auch auf den Ackerbau übertragen werden. Gemeinsam mit den Ackerbauern prüft SOS-Kinderdorf die Diversifikation im Anbau, um die Risiken von Ernteausfällen zu minimieren. Zudem steigert, neben traditionellen Nahrungsmitteln wie Kartoffeln und Reis, der Anbau von begehrten und teuren Konsumgütern – sogenannten „Cash-Crops“ wie Ingwer, Kardamom oder Kaffee – das Einkommen der Gemeindemitglieder. Da die Kooperative sich einen gemeinsamen Absatzmarkt erschliesst, entfällt für die einzelnen Bauern der zeitraubende Weg zum nächsten Markt. Auch die Preise werden von der Kooperative bestimmt, wodurch alle den gleichen Ertrag für ihre Produkte erhalten.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für Entscheider aus dem Stiftungswesen - Kompetent und unabhängig - Jeden Monat neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN
Alles Wichtige für Entscheider aus dem Stiftungswesen - Kompetent und unabhängig - Jeden Monat neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN