Der Begriff Philanthrop fällt immer wieder im Zusammenhang mit Unternehmern, die gewaltige Summen spenden oder in eigene Stiftungen investieren. Muss man also reich sein, um ein Philanthrop zu sein? Oder reicht auch eine vergleichsweise kleine Spende oder Geste?

Microsoftgründer Bill Gates ist wohl der bekannteste Philanthrop. Doch er ist nicht der einzige, der den Weg der Philanthropie eingeschlagen hat. „Unter den größten Philanthropen der Welt dominieren Unternehmer aus der IT- und Finanzindustrie“, schreibt welt.de und nennt die Top acht, darunter Bill Gates und seine Frau Melinda, Warren Buffett oder auch den weniger bekannten Immobilien- und Versicherungsunternehmer Eli Broad. Aber was ist das überhaupt, ein Philanthrop? Und muss ein Mensch vermögend sein, um Philanthrop zu sein?

Ein Philanthrop ist ein Menschenfreund, …

Das Wort Philanthropie stammt aus dem Altgriechischen von den Wörtern philos – freundlich, Freund – und anthropos – Mensch – ab. Somit ist ein Philanthrop ein Menschenfreund. Oder anders gesagt, ein Mensch, der freiwillig und gerne Gutes für andere tut.

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Warum manche Menschen eher als andere bereit sind, ihr privates Vermögen in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen, erklärt Psychologieprofessor Stephan Dickert im Interview.

Wie aber bringt sich ein Philanthrop, ein „Menschenfreund“, ein? Bei den größten Philanthropen der Welt steht vor allem das Geben von Geldern im Vordergrund – seit es in Form von Spenden oder durch das Gründen einer Stiftung. „Microsoft-Mitbegründer Bill Gates und seine Frau Melinda haben bislang bereits 27 Milliarden Dollar für den Aufbau ihrer eigenen Stiftung und andere philanthropische Zwecke gespendet“, schrieb welt.de 2015. Bei Börsenguru Buffett seien es bis zu diesem Zeitpunkt 20 Milliarden gewesen.

… der sich vielfältig engagiert

Die Einsatzbereiche können unterschiedlichster Art sein. Bei Ehepaar Gates stehen Gesundheitsvorsorge, Armutsbekämpfung und Bildung im Vordergrund, bei SAP-Mitgründer Hasso Plattner ist es die Förderung von Wissenschaft und Forschung, der IT-Unternehmer Azim Premji fördert mit seiner Stiftung Schulbildung in Indien.

In Deutschland sind gemeinnützige Ziele durch das Gemeinnützigkeitsrecht definiert. Ob diese rechtlich festgelegten Zwecke sich immer mit „guten“ Handlungen decken, bleibt wohl eine philosophische Frage. Sicher ist: Eine philanthropischer Akt muss nicht mit einer Geldspende verbunden sein. Auch ein Mensch, der sich durch Taten für andere Menschen einbringt, ist ein Philanthrop.

Flexibel, familiär oder hingebungsvoll?

Die Plattform neues-stiften.de hat in einer Studie drei Typen von Philanthropen ausgemacht: Der flexible Philanthrop, der sich „durch Bekannte und Freunde von unterstützungswürdigen Projekten überzeugen“ lässt und/oder „auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagiert“, der familienorientierte Philanthrop, der „stark in das Familienunternehmen und/oder das Engagement der Familie“ eingebunden ist, und der hingebungsvolle Philanthrop, der die Philanthropie zu Beruf bzw. Berufung gemacht hat. Geführt worden waren Interviews mit 23 jungen vermögenden Erben mit einem zu erwartenden Erbe von mindestens einer Million Euro und einem Geburtsjahr nach 1961.

Das Gegenteil von Philanthrop?

Der Gegenbegriff zu Philanthrop ist der Misanthrop, also ein Menschenfeind. Ein Begriff, der vor allem durch Molières gleichnamigen Komödie aus dem Jahr 1666 bekannt sein dürfte, in welcher der Protagonist Alceste proklamiert: „Wer jedermanns Freund sein will, ist der meine nicht.“

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Über eine spezifische Form der Philanthropie, den sogenannten „Philanthrokapitalismus“, hat DIE STIFTUNG im Interview mit Prof. Frank Adloff von der Universität Hamburg gesprochen.

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