In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Stiftung entweder eine unbekannte Größe oder eine Black Box – Ausnahmen bestätigen die Regel. Selbst in Forscherkreisen ist man sich ‑ buchstäblich mangels besseren Wissens ‑ nicht immer einig. Im Stiftungswesen treffen die Transparenz-Verfechter auf die Wächter eines “rechtlich geschützten .. Informationsdefizits” (Walz 2004).

von Prof. Dr. Berit Sandberg

In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Stiftung entweder eine unbekannte Größe oder eine Black Box – Ausnahmen bestätigen die Regel. Selbst in Forscherkreisen ist man sich ‑ buchstäblich mangels besseren Wissens ‑ nicht immer einig. Im Stiftungswesen treffen die Transparenz-Verfechter auf die Wächter eines “rechtlich geschützten .. Informationsdefizits” (Walz 2004). Die einen nehmen an, dass im Stiftungssektor kein manifestes Transparenz-Problem existiert, die anderen misstrauen der Kombination aus Stifterfreiheit und rudimentären Governance-Mechanismen.

Selbst wenn man sie weitgehend von der normativ geprägten Diskussion um Legitimation entkoppelt, verlieren manche Fragen nicht an Relevanz. Zu diesen Fragen gehört auch die nach der angemessenen Vergütung von Führungskräften oder schlicht formuliert: Wer verdient in welcher Position in welcher Art von Stiftung wie viel? Oder auch: Ist das Ehrenamt noch die reinrassige unbezahlte Tätigkeit oder darf es etwas mehr (Geld) sein?

Das Steuerrecht lässt einen Ermessensspielraum zu, den man nur mit Hilfe von aktuellen Vergleichsdaten korrekt ausfüllen kann. Solche Daten existieren aber nicht. Vor allem im Ehrenamt droht Stiftungen nachweislich ein Führungskräftemangel. Nur wenn sie sich als attraktive Arbeitgeberinnen positionieren, wird es den Stiftungen gelingen, geeignete Personen zu rekrutieren und langfristig an sich zu binden. Diejenigen, die in Stiftungen über Organbezüge entscheiden, brauchen also ebenso eine Orientierung wie die (potenziellen) Organmitglieder selbst.

Welche Vergütung ist zivilgesellschaftlich akzeptabel, stiftungs- und steuerrechtlich angemessen und zugleich für qualifizierte haupt- und ehrenamtliche Führungskräfte attraktiv? Diese wichtige anwendungsorientierte Forschungsfrage steht im Mittelpunkt eines Projekts, das unter der Leitung von Prof. Dr. Berit Sandberg und in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Holger Lütters an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin durchgeführt wird. Das Vorhaben knüpft an die bisher einzige empirische Studie zur Vergütung haupt- und ehrenamtlicher Führungskräfte in deutschen Stiftungen an (Sandberg/Mecking 2008) und versucht, die nach wie vor unbefriedigende Datenlage zu verbessern.

5.500 rechtsfähige Stiftungen wurden Anfang April zu einer Online-Umfrage eingeladen, bei der Angaben zur Vergütung haupt- und ehrenamtlicher Vorstände, Geschäftsführer und Stiftungsräte erhoben werden. Die Ergebnisse der Studie werden im Herbst veröffentlicht.

Ohne die Förderung der Fritz Thyssen Stiftung und die Kooperation mit dem Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft, das den Zugang zu qualifizierten Adressdaten von Stiftungen ermöglicht hat, hätte dieses Projekt nicht realisiert werden können.

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