Eine Stiftungsgründung schmeichelt dem Stifter und hat sicher mehr Prestige als ein Verein. Um Menschen einzubinden und eine größere Wirkung zu erreichen, können jedoch andere Rechtsformen besser geeignet sein. Dies dachte sich auch die Kreuzberger Kinderstiftung und gründete zusätzlich eine gleichnamige gemeinnützige Aktiengesellschaft.

Eine Stiftungsgründung schmeichelt dem Stifter und hat sicher mehr Prestige als ein Verein. Um Menschen einzubinden und eine größere Wirkung zu erreichen, können jedoch andere Rechtsformen besser geeignet sein. Dies dachte sich auch die Kreuzberger Kinderstiftung und gründete zusätzlich eine gleichnamige gemeinnützige Aktiengesellschaft.
Von Gregor Jungheim

 

Die 2004 gegründete Kreuzberger Kinderstiftung hatte in den vergangenen zehn Jahren eigentlich keinen Grund zu klagen: Die Erträge aus dem Grundstockvermögen der Berliner Organisation von zunächst einer, später dann 3,5 Mio. EUR reichten zum Erhalt des Stiftungshauses sowie zur Bereitstellung der Förderprogramme. Und sie war damit finanziell besser ausgestattet als die meisten anderen deutschen Stiftungen. Größere Zustiftungen blieben zwar aus, aber immer wieder fanden sich Menschen, die mit Spenden die Arbeit unterstützten.

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Die Arbeit der ursprünglichen Kreuzberger Kinderstiftung soll parallel weitergehen. Sie wird auch in Zukunft unter anderem für das Förderprogramm des organisationseigenen Kinder- und Jugendbeirats zuständig sein.

Doch im Laufe der Jahre zeigte sich, dass diese Rechtsform durchaus ihre Tücken hatte: „Ein Großteil des philanthropischen Vermögens für die unmittelbare Umsetzung der Projektideen war nicht abrufbar“, sagt der Stifter und Vorstandsvorsitzende Peter R. Ackermann. „Daneben waren mit der Spendenquittung und zum Beispiel einer Einladung zur jährlichen Stipendienverleihung die Möglichkeiten, Freunde und Förderer an uns zu binden, oft ausgeschöpft. Eine Erfahrung, die auch andere Stiftungen dieser Größe nur zu gut kennen.“ Es blieb jedoch der Wunsch, eine bessere Partizipation am Engagement der Stiftung zu ermöglichen und auch vom persönlichen Einsatz des Stifters operativ und finanziell unabhängiger zu werden.

Nach viel Ausprobieren und intensiver Betrachtung des Marktes gemeinnütziger Organisationsformen entschied sich der Stiftungsvorstand im Jahr 2014 für die Gründung einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft. Diese sollte ebenfalls unter dem Namen „Kreuzberger Kinderstiftung“ die Einbindung Engagierter an der Stiftungsarbeit und letztlich auch eine bessere Kontrolle des Vorstands ermöglichen. Gleichzeitig erhofften sich alle Beteiligten davon eine größere unternehmerische Freiheit und einen effektiveren Einsatz der gemeinnützigen Gelder.

Vorbilder gab es dafür kaum. Denn im gemeinnützigen Umfeld ist eine Aktiengesellschaft eher selten anzutreffen: Phineo, der betterplace-Betreiber gut.org, die Bürgerstiftung Duisburg oder die Joblinge sind einzelne Beispiele. Stiftungen nutzen sie ebenso wie die gemeinnützige GmbH als Rechtsform für Ausgründungen ihrer Projekte, aber nicht als Mittel zur eigenen Neuorganisation.

Dabei gibt es für den Stifter gute Gründe, anstelle der Rechtsform Stiftung die der gemeinnützigen Aktiengesellschaft zu wählen. Hierzu zählen z.B. die klaren Vorgaben, die das Aktiengesetz enthält. Und welches damit gesetzlich für eine Transparenz der Finanzen und eine Kontrolle der Organe sorgt.

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