Eine Stiftungsgründung schmeichelt dem Stifter und hat sicher mehr Prestige als ein Verein. Um Menschen einzubinden und eine größere Wirkung zu erreichen, können jedoch andere Rechtsformen besser geeignet sein. Dies dachte sich auch die Kreuzberger Kinderstiftung und gründete zusätzlich eine gleichnamige gemeinnützige Aktiengesellschaft.

Jede der 50 Aktien soll einen neuen Eigentümer finden
Für die Kreuzberger Kinderstiftung gAG sind derzeit 50 Aktien à 1.000 EUR Nennwert ausgegeben. Noch ist die Stiftung Inhaberin sämtlicher Aktien. „Ziel ist aber, für jede einzelne Aktie einen für die Aktivitäten der gAG begeisterten Eigentümer zu finden“, erklärt Ackermann, der gegenwärtig gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Stiftung und Vorstand der gAG ist. „Den künftigen Aktionären der Kreuzberger Kinderstiftung gAG soll es dabei nicht um eine finanzielle Rendite ihrer einmaligen Investition gehen, sondern um die aktive Mitwirkung beim Erreichen der Satzungsziele. Die Satzung ist wie die Verfassung der gAG zu verstehen und kann nur durch entsprechenden Mehrheitsbeschluss geändert werden. Die Aktien sind nicht frei verkäuflich, Erwerb oder Veräußerung können nur mit Zustimmung des Aufsichtsrats erfolgen.“

Zentrales Organ der Kreuzberger Kinderstiftung gAG ist die Hauptversammlung der Aktionäre. Diese wählt den Aufsichtsrat, der ehrenamtlich für die gAG tätig ist. Alle drei Mitglieder dieses Gremiums sind der Stiftung und ihrer Arbeit verbunden und bringen umfangreiche Expertise ein. Sie kontrollieren und beraten den dreiköpfigen Vorstand. Damit üben sie mehr Macht und Kontrolle aus als jedes Kuratorium einer Stiftung. Und dies gesetzlich geregelt und nicht „nach Gusto“. Dieser Kontrolle unterliegt letztlich auch der Stifter, der dies genau so auch wünscht.

Einen Börsengang wird es nicht geben
Durch diese Gewaltenteilung werden bei der gAG anders als bei der Stiftung mehr Menschen verantwortlich eingebunden und gleichzeitig wird die unternehmerische Arbeit erhöht. Hinreichende externe Überwachung ist nicht nur durch das Finanzamt gewährleistet, sondern auch durch die Hauptversammlung, der gegenüber beide Gremien verantwortlich sind.

Das vorhandene Vermögen der Kreuzberger Kinderstiftung gAG wurde durch den Stifter so großzügig bemessen, dass Spenden ungeschmälert den gemeinnützigen Zwecken zugutekommen. Die gAG stellt somit die operative Struktur durch Mitarbeiter und Ort, auf der basierend dann zusätzliche Gelder für die gemeinnützige Arbeit direkt in die Projekte und die Förderung fließen.

Die Kreuzberger Kinderstiftung gAG ist im Handelsregister eingetragen, einen Börsengang beziehungsweise ein Initial Public Offering (IPO) wie bei börsennotierten Unternehmen wird es nicht geben. Dennoch verfolgt der Vorstand den Plan, Menschen anzusprechen, die eine Aktie erwerben und sich beteiligen möchten.

„Aufbau einer Gemeinschaft von Überzeugungstätern“
„In einem ersten Schritt werden die bisherigen Unterstützer und Weggefährten der Stiftung adressiert und eingeladen“, erzählt Geschäftsleiter Alexander Thamm. „Parallel dazu werden die Verantwortlichen der Stiftung nach Personen und Einrichtungen recherchieren, die inhaltlich an den gleichen Zielen arbeiten und die Wirkungsweise der Projekte vergrößern.“ Über Medienarbeit soll auch eine breitere Öffentlichkeit von dem Vorhaben erfahren.

Wer Interesse hat, kann sich direkt beim Stifter, einem Mitglied des Aufsichtsrates oder bei der Stiftung melden. Denn generell kann jeder Aktionär der Kreuzberger Kinderstiftung gAG werden, ob nun eine ehemalige Stipendiatin aus dem zwei Querstraßen entfernten Wohnblock oder ein Förderer aus Baden-Württemberg. Steuerlich absetzbar ist die Zuwendung der 1.000 EUR allerdings nicht, da der Aktionär mit der Aktie einen Gegenwert erhält.

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