Eine Stiftungsgründung schmeichelt dem Stifter und hat sicher mehr Prestige als ein Verein. Um Menschen einzubinden und eine größere Wirkung zu erreichen, können jedoch andere Rechtsformen besser geeignet sein. Dies dachte sich auch die Kreuzberger Kinderstiftung und gründete zusätzlich eine gleichnamige gemeinnützige Aktiengesellschaft.

Wichtiges Kriterium bei der Vergabe ist nur, dass sich die Mitwirkung nicht im Erwerb der Aktie erschöpft, sondern der Aktionär langfristig an den Zielen der gAG mitarbeiten möchte. Wie sich diese Arbeit gestaltet, soll sich im Verlauf der Einbindung der verschiedenen Aktionäre entwickeln. Sollte eine Aktionärin beschließen, sich von ihrer Aktie zu trennen, dann kann sie diese nicht veräußern, sondern muss sie an die Stiftung zurückgeben. Im Todesfall gehen die Aktien auf die Erben über.

„Diese besondere Form des Going Public ist spannend und der Ausgang offen“, meint Ackermann. „Das Engagement für die gAG wird dadurch etwas sehr Persönliches. Es geht nicht nur um die Einbindung gewisser Organisationen oder Strukturen, sondern den Aufbau einer Gemeinschaft von Überzeugungstätern.“

Im weiteren Verlauf dieses Jahres möchte die Kreuzberger Kinderstiftung gAG vor allem ihre operative Projektarbeit ausbauen. Da die Infrastruktur durch den Stifter finanziert ist, können die Mittel Dritter direkt in der Förderung gemeinnütziger Vorhaben eingesetzt werden.

Dies betrifft vor allem das bisherige Stipendienprogramm, mit dem seit 2009 Mittel- und Realschülern ein einjähriger Auslandsaufenthalt finanziert wird. Bisher wurde dieses Programm nur in den neuen Bundesländern und Berlin angeboten. Ab sofort läuft das Stipendium nun bundesweit, verbunden mit der Hoffnung, wesentlich mehr Jugendliche zu erreichen.

Die Arbeit der bisherigen Stiftung geht parallel weiter, sie sorgt für das Stiftungshaus in der Kreuzberger Ratiborstraße, seine lokalen Projekte sowie das Förderprogramm des organisationseigenen Kinder- und Jugendbeirats. „Diese Kontinuität ist für die lokale Verankerung von großer Bedeutung, drückt sich damit doch die Verbundenheit der Stiftung für ihren Gründungskiez Kreuzberg und die Stadt Berlin aus“, so der Geschäftsleiter.

Fazit
Mit der Gründung der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Kreuzberger Kinderstiftung soll ein noch weitgehend ungenutztes Organisationsmodell der Gemeinnützigkeit für die gesellschaftlichen Anliegen der Stiftung genutzt werden. Es setzt dabei auf die Beteiligung engagierter Menschen bei der Umsetzung der Stiftungsziele und der Kontrolle seiner Organe. In den nächsten Jahren möchte die Stiftung den Beweis antreten, dass die gemeinnützige Aktiengesellschaft auch für kleine und mittlere Stiftungen eine Organisationsform sein kann, um mit der Beteiligung vieler Menschen noch wirksamer die Stiftungsziele zu erreichen.

www.kreuzberger-kinderstiftung.de

 

Die_Stiftung_15-4kleinDieser Artikel erscheint am 15. Juli 2015 in der Ausgabe 4/2015 von DIE STIFTUNG. Sie möchten die Ausgabe bestellen? Sie ist ab dem 15. Juli im Shop.

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