Die Coronakrise hat Hoffnungen auf eine Entspannung der Zinssituation beendet und zwingt viele Stiftungen zum Handeln. Die Werner-und-Annely-Schmidt-Stiftung aus Wolfsburg verändert nun grundlegend ihre Anlagestrategie.

Wir diskutieren schon lange über die Folgen der Niedrigzinsphase“, sagt Thomas B. Schmidt, Vorstand der Werner-und-Annely-Schmidt-Stiftung, die sich unter anderem für Menschen mit Multipler Sklerose einsetzt. Nun wollen die Entscheider handeln und die Anlagestrategie der Stiftung auf Aktien ausrichten. „Seit der Coronakrise ist endgültig klar, dass die Politik nicht zulassen wird, die Zinsen ansteigen zu lassen. Deswegen glaube ich, ist jetzt der richtige Moment, das Richtige zu tun.“

„Ich kriege immer mehr Briefe von gestrichenen Ausschüttungen“, beschreibt Schmidt die vergangenen Monate. Auch die Schmidt-Stiftung kommt von einer traditionell hohen Anleihequote. „Da hatten wir am Ende de facto fast keine Erträge mehr.“ Die Erfahrungen mit den bisherigen Anlagelösungen seien in der Niedrigzinsphase nicht zufriedenstellend gewesen – der Grundstock ist die einzige Einnahmequelle.

Klassische Prägung

Zu Anleihen kamen lange Zeit klassische Mischfonds, ein Teil des Kapitals wurde von einer Vermögensverwaltung betreut – „einfach um zu vergleichen, wie gut wir die Fonds ausgewählt haben“, sagt Schmidt. Das Portfolio wird ergänzt um Immobilienfonds. „Die würde ich am liebsten loswerden“, sagt er über die klassische Mischung aus Büros, Einzelhandelsflächen und wenig Wohnanteil.

In der Krise hätten einige Fonds, in denen die Stiftung investiert war, völlig falsch reagiert. Von einem Beratungsgespräch vor wenigen Wochen berichtet er, dass die Analysemethode zwar den Ausstieg aus bestimmten Titeln gut getroffen und damit tatsächlich viel Wertverlust vermieden habe – das verwaltete Kapital zum Gesprächszeitpunkt aber immer noch vor allem in Liquidität stecke. „Sie haben den Wiedereinstieg verpasst“, sagt Schmidt.

Er habe es allerdings nicht geschafft, den Einbruch im März auszunutzen. „Die Tiefs waren in einer so kurzen Zeitspanne, dass wir keine rechtzeitge Abstimmung zwischen den Vorstandsmitgliedern und mit dem Kuratorium hinbekommen haben.“ Jetzt soll das Kapital sukzessive umgeschichtet werden. Bislang habe er sich aus Einzeltiteln herausgehalten. „Aber auch das werde ich ändern. Ich verfüge über die entsprechende Erfahrung, traue mir das zu“, sagt der ehemalige Controller. „Privat bin ich schon seit Jahrzehnten ganz überwiegend in Aktien investiert, weil die langfristig die höchste Rendite versprechen“, sagt Schmidt.

Er hat im Vorfeld auch mit der Stiftungsaufsicht gesprochen. „Dort wurde klar gesagt, dass die Aufsicht keine Vorschriften zur Portfoliogestaltung mache. Wir müssen unsere Entscheidungen gut begründen. Das mache ich, indem ich unsere Diskussionen und Überlegungen in den Gremien dokumentiere.“

Er erwartet, dass angesichts der Lage der Gegenwind gegen hohe Aktienquoten in Stiftungen immer geringer werde. Aus seiner Sicht sind Stiftungen dafür eigentlich prädestiniert. „Für uns als auf die Ewigkeit angelegte Stiftung sind Aktien eigentlich kein Risiko.“

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