Die Staatsanwaltschaft fordert eine mehrjährige Gefängnisstrafe für den ehemaligen geschäftsführenden Vorstand der Stuttgarter Stiftung Nestwerk. Er soll in vier Jahren insgesamt 1,8 Millionen Euro veruntreut haben.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hat im Dezember 2012 Anklage gegen drei Verantwortliche der insolventen Nestwerk Stiftung erhoben (die-stiftung.de berichtete). Im Zentrum steht hierbei der ehemalige geschäftsführende Vorstand Lothar Dietl, er soll von 2007 bis zur Insolvenz im Oktober 2010 insgesamt 1,8 Millionen Euro veruntreut zu haben.

Nun fordert der Staatsanwalt vor dem Landesgericht Stuttgart fünf Jahre und vier Monate Gefängnis, teilten vergangene Woche die „Stuttgarter Nachrichten“ mit. Untreue, Urkundenfälschung, Insolvenzverschleppung und vorsätzlicher Bankrott werden Lothar Dietl vorgeworfen. Die Stuttgarter Nachrichten schreiben dazu: „Der 70-Jährige habe die Stiftung als eine Art ‚Selbstbedienungsladen‘ angesehen, so der Staatsanwalt.“

Das Urteil wird am 31. Januar von der 6. Strafkammer des Landgerichts verkündet. „Das wird das unrühmliche Ende einer Unternehmung sein, die 1994 angetreten war, um den Ärmsten der Armen, um Obdachlosen und sozial Benachteiligten in Stuttgart ein Dach über dem Kopf zu bieten“, bedauern die Stuttgarter Nachrichten. Die Stiftung baute und verwaltete Wohnungen, finanziert über Fördergelder – durch die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart erhielt die Stiftung bei Banken einen Vertrauensvorschuss. Und nutzte dies schamlos aus: Mietverträge wurden fingiert, Rechnungen gefälscht, ein Schaden in der Höhe von 20 Millionen Euro entstand.

„Die Stiftung hätte wohl nie regelkonform funktionieren können“, so Günter Necker, Vorsitzender Richter der 6. Wirtschaftsstrafkammer, gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Es sei nie genügend Eigenkapital für die Bauvorhaben vorhanden gewesen, das Konzept konnte nicht aufgehen. Doch vor Gericht geht es nicht darum, sondern um die Taten des ehemaligen Vorstands: Dietl hat am ersten Prozesstag gestanden, mehr als eine halbe Million Euro veruntreut zu haben. Dafür soll er rund 100 Verrechnungs- und Barschecks selbst ausgefüllt, unterschrieben und zur Auszahlung angewiesen haben – und damit unter anderem die Tagespflege seiner Mutter und die Hochzeit seines Sohnes finanziert haben.

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