40 Jahre nach dem Kunstraub von Gotha sind die fünf entwendeten Gemälde mutmaßlich wieder aufgetaucht. Nach monatelanger Verhandlung befinden sie sich in der Obhut der Stiftung Schloss Friedenstein. Das LKA ermittelt gegen den Einlieferer und dessen Anwalt.

Fast genau 40 Jahre nach dem Gothaer Kunstdiebstahl gibt die Stiftung Schloss Friedenstein bekannt, dass die damals gestohlenen Gemälde wieder aufgetaucht sein sollen. In einer Stellungnahme heißt es, die besagten Kunstwerke seien seit Ende September in der Obhut der Stiftung. Demnach laufen derzeit Prüfungen im Berliner Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen Berlin: Innerhalb von drei Monaten sollen wissenschaftliche Fachgutachter feststellen, ob es sich tatsächlich um die verschollenen Gemälde handelt.

„Abenteuerliche Erwerbsgeschichte“

Laut Pressemitteilung hat der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch bereits über ein Jahr lang Verhandlungen geführt. Kreuch ist seit 2006 im Amt und ebenfalls Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Ein Anwalt sei demnach bereits im Juli 2018 im Auftrag anonymer Personen an die Stiftung herangetreten. Diese hätten behauptet, „die Besitzer dieser Gemälde zu sein, und eine abenteuerliche, weder belegbare noch plausible Erwerbsgeschichte“ geliefert. In einem Bericht des Spiegel heißt es, der Jurist habe 5,25 Millionen Euro für die Gemälde verlangt.

In den Verhandlungen bekam die Stiftung Schloss Friedenstein nach eigenen Angaben fachliche Unterstützung der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung. Außerdem stellte letztere Fördermittel in Aussicht, um den zwischenzeitlichen Besitzern eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Dies sei eine gängige Praxis, die bereits bei der Rückführung anderer Kunstwerke Erfolg gezeigt habe. Martin Hoernes, Generalsekretär der Siemens-Stiftung, sagte gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk, in solchen Fällen seien 10 bis 15 Prozent des Marktwerts üblich. Die angebliche Forderung des Anwalts kommentierte er nicht.

Hausdurchsuchungen

Dem Spiegel zufolge ermittelt das Berliner Landeskriminalamt wegen des Verdachts der Erpressung und der Hehlerei. Dieser bestehe sowohl gegen den Anwalt als auch gegen den Einlieferer der Bilder, einen Arzt aus Ostfriesland. Anfang Dezember durchsuchten deshalb Beamte der Berliner Kriminalpolizei bundesweit Büros und Wohnungen der Verdächtigen und dreier Zeugen. Es sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, welches nun ausgewertet werden würde. Noch sei unklar, wie die Bilder in den Besitz des Einlieferers gekommen sind.

Die Stiftung Schloss Friedenstein gibt an, dass die kriminalpolizeilichen Untersuchungen nicht in Zusammenhang mit den Unternehmungen der Stiftung stehen. Die eigenen Anstrengungen zur Rückführung der Gemälde in den letzten anderthalb Jahren seien „unter größter Diskretion“ erfolgt.

Gothaer Kunstdiebstahl

Der im Dezember 1979 im thüringischen Gotha begangene Kunstdiebstahl ist bis dato nicht aufgeklärt. Der Gothaer Kunstdiebstahl gilt als schwerwiegendster in der Geschichte der DDR. Unbekannte stahlen damals fünf Gemälde von Großmeistern aus dem Schlossmuseum: von Frans Hals, Anthonis van Dyck, Jan Brueghel dem Älteren, Jan Lievens und Hans Holbein dem Älteren.

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