Mit der Gründung einer gemeinnützigen Stiftung will der Münchner Kardinal Reinhard Marx Menschen helfen, die von sexuellem Missbrauch im Bereich der katholischen Kirche betroffen sind.

„Sexueller Missbrauch im Verantwortungsbereich der Kirche ist ein Verbrechen. Es zerstört das Leben vieler Menschen und bedeutet schwere Belastungen der unmittelbar Betroffenen, aber auch für deren Familien und Freunde. Das System Kirche als Ganzes ist hier schuldig geworden. Missbrauch hat systemische Ursachen und Folgen.” Mit diesen Worten hat Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, laut Pressemitteilung die Umstände der Gründung der neuen Stiftung Spes et Salus („Hoffnung und Heil“) umrissen. Sie solle das Engagement der Kirche in der Prävention sowie in der Aufarbeitung und Anerkennung des Leids ergänzen. „Umso mehr ist es mir ein Anliegen, sowohl im Amt des Erzbischofs von München und Freising als auch als Privatperson alles mir Mögliche zu tun, um Missbrauch zu bekämpfen und aufzuarbeiten.“

Privatvermögen in Stiftung

Aus diesen Gründen habe er sich dazu entschlossen, „den allergrößten Teil meines Privatvermögens” an die Stiftung zu geben. Zeit seines Lebens habe er versucht, so der Kardinal, „verantwortlich mit den finanziellen Mitteln umzugehen, die mir persönlich als Bezüge für meine Tätigkeiten als Institutsdirektor, Professor und Bischof zugewiesen worden sind“. Im Laufe der Jahre seien so 500.000 Euro zusammengekommen, „die – so ist meine Überzeugung – nicht für mich, sondern für Heil und Heilung von Menschen eingesetzt werden sollen“.

Kardinal Marx betonte, er wolle die genannten Mittel „im Sinne der Menschen einsetzen, die mich in den letzten Jahren immer wieder sehr beeindruckt haben: Die Begegnungen und Gespräche mit von Missbrauch Betroffenen, Berichte und Untersuchungen über deren Lebenswege und Schicksale, haben mir verdeutlicht, wie viel Kraft aufgewandt werden muss und wie viele Anstrengungen nötig sind, um sich den Ursachen und Folgen von Missbrauch entschieden zu stellen und diese zu bearbeiten“. Dabei sei ihm klar: „Geld kann keine Wunden heilen. Aber es kann dazu beitragen, dass Bedingungen geschaffen werden, die Heilungs- und Wandlungsprozesse ermöglichen.“

Die Stiftung Spes et Salus wird unter dem Dach der St. Korbinian-Stiftung des Erzbistums verwaltet werden. Vorsitzender des Stiftungsbeirats, dem auch ein Betroffener angehört, wird der frühere Generalvikar der Erzdiözese, Prälat Peter Beer. Zweck der Stiftung ist es laut Satzung, „dazu beizutragen, dass die von Missbrauch Betroffenen auf dem Weg ihrer Selbstermächtigung und selbstbestimmten persönlichen Entwicklung gestärkt, gefördert und unterstützt“ werden. Betroffene sollen „nicht nur Adressaten und Teilnehmer der Aktivitäten, Angebote und Maßnahmen“ sein, sondern „gleichberechtigt aktiv Beteiligte an Diskurs, Konzeption, Gestaltung und Evaluation dessen sein, was mittels der Stiftung geleistet werden kann und soll“. Die Stiftung soll insbesondere mit dem Zentrum für Kinderschutz CCP an der Päpstlichen Universität Gregoriana und der Stiftung Begegnungszentrum der Erzdiözese München und Freising in Rom kooperieren. Die Satzung von Spes et Salus sieht vor, dass Zustiftungen möglich sind, „deren Zweck im Einklang mit dem Stiftungszweck steht“.

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