Im Gespräch mit Claus Walter, Freiburger Vermögensmanagement GmbH, über das Konzept hinter dem neuen FVM-Stiftungsfonds

DIE STIFTUNG: Wie kam es, dass Ihr Haus einen reinen Stiftungsfonds aufgelegt hat?
Claus Walter: Der Fonds ist aus dem Bedarf der von uns betreuten Stiftungen entstanden. Diese haben gesagt, dass ihnen der Aufwand für die Einzelwertevermögensverwaltung zu hoch sowie die damit verbundene Bürokratie zu umfassend seien. Darauf basierend haben wir ein Vehikel kreiert, das diese Probleme der Stiftungen lösen soll.

DIE STIFTUNG: Aber sie sind nicht der einzige Anbieter von Stiftungsfonds, aktuell regnet es Stiftungsfonds regelrecht vom Himmel.
Walter: Das ist richtig, aber das Niedrigzinsumfeld ist auch eine einmalige Konstellation, die Stiftungen praktisch keinerlei Erträge mehr bringt. Erträge lassen sich maßgeblich nur noch mit Aktienanlagen erzielen und dafür bieten wir eine konsequente Strategie. Am Ende der Reise, die sich Niedrigzinsphase nennt, steht zudem eine Mauer, die heißt Zinswende. In meinen Augen ist dieses Szenario so komplex, dass es viele Stiftungen vor enorme Probleme stellen wird. Bei vergangenen Zinswenden konnte ich wenigstens noch einen Puffer, in Form eines Kupons von 3 oder 4% vereinnahmen. Das geht heute leider nicht mehr, ich kann fallende Kurse am Rentenmarkt also nicht einfach aussitzen. Gerade jetzt benötigen Stiftungen daher im Rentenbereich ein konsequentes Laufzeitenmanagement, das wir mit unserem Fonds ebenfalls bieten.

DIE STIFTUNG: Welche Wünsche haben denn Ihre Stiftungsmandanten zum Fonds an Sie herangetragen?
Walter: Vor allem Transparenz stand ganz oft oben auf dem Wunschzettel. Transparenz ist nicht nur schick und modern, sondern notwendig, insbesondere für Stiftungskunden. Wir wollen nachvollziehbar machen, warum wir diese oder jene Entscheidung getroffen haben. Darüber wird eine Stiftung gleichgestellt mit einem normalen Vermögensverwaltungskunden und ist eben nicht nur Anteilseigner an einem Fonds. Diese Augenhöhe brauchen Stiftungen. Im Stiftungsfonds legen wir quartalsweise dar, was im Fonds mit dem eingelegten Geld passiert ist. Aus dem Dialog mit Stiftungen haben wir zudem gelernt, dass sie wissen wollen und müssen, wie sich die Portfolio-Struktur gestaltet und ob das zu ihren jeweiligen den Anlageregularien passt. Stiftungen wollen ja gerade keine Black Box kaufen.

DIE STIFTUNG: Wie sieht nun das Konzept des Fonds aus?
Walter: Ausgangsunkt ist eine 70 zu 30-Allokation, bestehend aus 70% Rentenpapieren und 30% Aktien zum Jahresbeginn. Auch wenn sich diese Quote im Laufe des Jahres ändert, greifen wir bewusst unterjährig nicht ein. Durch diesen Verzicht auf aktive Eingriffe wollen wir kurzfristiges und emotionales Handeln verhindern.

DIE STIFTUNG: Hin und her macht ja bekanntlich Taschen leer.

Walter: Völlig richtig, und das ist für eine Stiftung in meinen Augen auch nicht der richtige Ansatz. Im Übrigen setzen wir am Jahresende die Allokation immer wieder auf die Quote von 70 zu 30 zurück, so dass auf der Aktienseite beispielsweise Gewinne mitgenommen werden, insofern diese aufgelaufen sind. Wir realisieren Kursgewinne also antizyklisch, würden über dieses Vorgehen aber auch genauso antizyklisch den Aktienanteil wieder auf 30% aufstocken, wenn die Märkte eben mal Terrain preisgegeben haben. Dieses Modell haben wir im Jahr 2007 gemeinsam mit einer von uns beratenen Stiftung entwickelt. Als 2008 dann die Aktienmärkte einbrachen, haben wir am Ende des Jahres Aktien unter Bauchschmerzen gekauft. Von heute aus betrachtet war diese Entscheidung jedoch goldrichtig. Die Stiftung sitzt mittlerweile auf einer ordentlichen stillen Reserve.

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