Die Stiftung Sucht Schweiz veröffentlichte diese Woche das Schweizer Suchtpanorama 2018. Es gibt einen Überblick über die heutige Situation, die Entwicklungen und skizziert gesellschaftliche Fragen zum Umgang mit Suchtmitteln.

„Viele Konsumierende wollen neue Produkte mit möglichst wenig Risiken ausprobieren, während Anbieter maximale Renditen suchen und staatliche Reglementierung ablehnen“, erklärt die Stiftung in ihrem Communiqué zum Suchtpanorama 2018. Die Politik schaue weg, obwohl die Folgen für die Bevölkerung direkt oder indirekt spürbar sind und zahlreiche Fragen bestehen: Zum Beispiel, inwiefern alternative Tabakprodukte weniger schädlich als Zigaretten sind, wann Hanf legal ist oder wie viel Herr und Frau Schweizer heute trinken. Aber auch: Welche Risiken bergen eigentlich Geldspiele? Wie sieht der Gebrauch opioidbasierter Schmerzmittel aus?

Auf rund 30 Seiten präsentiert das Suchtpanorama jährlich nicht nur Zahlen und Fakten, sondern erklärt auch die Folgen der einzelnen Süchte für die Gesellschaft und die Haltung der Politik. Denn: Der Suchtmittel- wie auch der Online-(Geld-)spielmarkt sind in Bewegung.

Laut Stiftung Sucht Schweiz kein Grund für Optimismus

Viel Grund für Optimismus gibt es bei der Stiftung Sucht Schweiz nicht: „Neue Produkte, die auf den Markt drängen, die Nutzung moderner Technologien, zu wenig rasche und unabhängige Forschung sowie eine Politik, welche die Gesundheit aus den Augen verloren hat, prägen heute das Bild.“ Ein grosses Thema ist dabei das Internet – und zwar aus verschiedensten Gründen. Die Alkohol- und Tabakindustrie preist ihre Produkte in sozialen Netzwerken an, wo die Nutzer Werbebotschaften aufgreifen, weiterleiten und damit als verlängerter Arm der Werbeagentur dienen.

Gleichzeitig waltet das Internet als Marktplatz für legale und illegale Suchtmittel, oft billig und auch über Landesgrenzen hinweg. Und nicht zuletzt kann das Internet selbst zur Sucht werden: Davon betroffen sind vor allem Jugendliche, jeder Vierte nutzt es laut dem Suchtpanorama auf problematische Weise. Zudem seien laufend neue (Online-)Spielformen zu beobachten, welche insbesondere die Grenzen zwischen Videospielen und Geldspielen fliessend machen – offensichtlich mit dem Ziel, neue Kundensegmente zu erreichen.

Zivilgesellschaft profitiert von Glücksspiel

Auch die Leistungsgesellschaft zeigt ihre Schattenseiten: Fast sieben Prozent der Studierenden hat schon mal ein Medikament zur Steigerung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit eingenommen – meist handelt es sich dabei um Mittel, die Kindern bei Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen verschrieben werden.

Auch wenn hohe Kosten für die Suchterkrankungen von der Gesellschaft getragen werden, fliesst auch wieder Geld zurück, etwa durch Steuereinnahmen oder die Spielbankabgabe. Letztere belief sich 2016 auf 323 Millionen Franken. Hiervon gingen 276 Millionen an den Ausgleichsfonds der AHV, während 47 Millionen an die Standortkantone der B-Casinos gingen. Die „Loterie Romande“ verzeichnete mit 398 Millionen Franken Bruttospielertrag ein Rekordjahr. 217 Mio. Franken flossen in gemeinnützige Projekte. Swisslos nahm 599 Mio. ein, wovon 413 Millionen Franken an Projekte und Institutionen in den Bereichen Kultur, Sport, Umwelt oder Soziales gingen. Die sozialen Kosten des problematischen Geldspiels hingegen schätzt die Stiftung Sucht Schweiz auf über eine halbe Milliarde Franken pro Jahr.

Die Stiftung Sucht Schweiz

Die Stiftung Sucht Schweiz ist ein nationales Kompetenzzentrum im Suchtbereich. Sie betreibt Forschung, konzipiert Präventionsprojekte und engagiert sich in der Gesundheitspolitik. Das Ziel der Stiftung ist, Probleme zu verhüten oder zu vermindern, die aus dem Konsum von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen hervorgehen oder durch Glücksspiel und Internetnutzung entstehen. Das Dienstleistungsangebot von Sucht Schweiz wird durch Geldspenden finanziert. Auf www.zahlen-fakten.suchtschweiz.ch stellt die Stiftung suchtspezifische Informationen und wissenschaftliche Daten zur Verfügung.

www.suchtschweiz.ch

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für Entscheider aus dem Stiftungswesen - Kompetent und unabhängig - Jeden Monat neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN
Alles Wichtige für Entscheider aus dem Stiftungswesen - Kompetent und unabhängig - Jeden Monat neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN