Quelle: panthermedia/Kurt KleemannDIE STIFTUNG: Aktien und Stiftungen – warum passt das in Ihren Augen zusammen?
Reiner Sachs
: Investments in Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen. Diese sind, ebenso wie Stiftungen selbst, auf Dauer angelegt, also nicht in ihrer Laufzeit beschränkt. Aktieninvestoren statten Unternehmen mit Eigenkapital aus. Dafür braucht die Wirtschaft langfristige verlässliche Partner. Das passt sehr gut zum Profil von Stiftungen.

DIE STIFTUNG: Warum haben die Deutschen im Allgemeinen und auch viele Stiftungen im Speziellen so große Vorbehalte gegenüber einer Anlage in Aktien?
Sachs
: Viele Anleger – und das schließt leider viele Entscheidungsträger in Stiftungsgremien ein – sehen in Aktien nur das börsennotierte Wertpapier und nicht den Wert der dahinter stehenden unternehmerischen Beteiligung. Dadurch ist der Blick übermäßig auf Bewertungsschwankungen an den Börsen mit ihren regelmäßig wiederkehrenden Übertreibungen gerichtet. Übertreibungen gibt es natürlich in beide Richtungen, die nach unten sind es aber, die Angst auslösen. Demgegenüber vermittelt das Anleiheinvestment ein trügerisches Gefühl von Sicherheit, weil das Vermögen nominal erhalten bleibt.

DIE STIFTUNG: Was ist in Ihren Augen aktuell das stärkste Argument pro Aktie?
Sachs
: Früher gewährte die Bundesanleihe Rendite ohne Risiko. Heute ist es umgekehrt, Sie kaufen Risiko ohne Rendite, weil Sie schon heute beim Kauf der Anleihe definitiv wissen, dass Sie in zehn Jahren ärmer sein werden. Dagegen helfen nur Investments in Sachwerte. Dazu gehört unternehmerische Beteiligung, also Aktien. Darüber hinaus gehören Aktien zu den Sachwerten, die – anders als beispielsweise Gold – laufende Erträge generieren. Der Aktionär vereinnahmt also nicht nur Wertveränderungen durch Kursgewinne, sondern auch laufende, teils beträchtliche, Dividenden.

DIE STIFTUNG: Spielt die kalte Enteignung durch den Staat, die jetzt auch institutionell durch den ESM unterfüttert ist, den Aktien langfristig nicht in die Hände?
Sachs
: Absolut. Die Inflation ist ja heute schon höher als die „sichere" Rendite. Wir erwarten, dass sich das in den kommenden Jahren noch dramatisch verschlechtern wird. In dieser Situation bin ich definitiv lieber Eigentümer als Gläubiger. Und genau das ist ja die Stellung des Aktionärs.

Quelle: panthermedia/mt kangDIE STIFTUNG: Was für Aktien werden gesucht sein, wie finden Sie Aktien, die in Ihren Augen Aufwärtspotential haben?
Sachs
: Es ist immer das Gleiche: Sie müssen die Märkte nach Unternehmen mit strukturellen Wettbewerbsvorteilen absuchen, die über die Konjunkturzyklen hinweg nachhaltig Gewinne erwirtschaften. Die Aktien dieser Unternehmen kaufen Sie in Phasen der Unterbewertung mit „Sicherheitsmarge". Sie kaufen also, wie Warren Buffet sagte, „einen Dollar für 60 Cent".Um diese Aktien zu identifizieren setzen wir für den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen einen strukturierten mehrstufigen Auswahlprozess ein. Wenn die Aktien an den Börsen den von uns für fair erachteten Wert erreichen, verkaufen wir sie wieder. Das alles Entscheidende ist, diesen Investmentprozess auch konsequent umzusetzen und sich nicht von Schwankungen und Stimmungen beirren zu lassen. Das schließt natürlich nicht aus, dass wir auch Fehler machen. Wir müssen unsere Investments fortlaufend überwachen und wenn sich die ursprünglich zugrunde gelegten Erwartungen als falsch erweisen, auch wieder konsequent verkaufen.

DIE STIFTUNG: Könnten Sie sich auch Maßnahmen vorstellen, durch die Pensionskassen und Versicherungen gezwungen würden, Aktien zu kaufen? Aktuell müssen diese ja Anleihen kaufen

Sachs
: Ich habe noch deutlich den sell off nach dem Platzen der Dot-Com-Blase in Erinnerung. Damals in Q1 2003 zwang die Aufsicht, die Lebensversicherer ihre Aktienquoten bei Tiefstkursen – der DAX war fast auf 2000 Punkte gefallen – nahezu auf null zu reduzieren. Seitdem tragen Lebensversicherer niedrige Aktienquoten geradezu als „Beleg" ihrer Solidität vor sich her. Das ist eine dramatische Fehlentwicklung, für die die Versicherer und vor allem aber die Versicherten, jetzt in der Niedrigzinsphase den Preis zahlen. Diese Form der Enteignung funktioniert sogar ganz ohne Vermögenssteuer nur durch das regulatorische Umfeld. Langfristige Value Investoren haben damals erkannt, dass es sich um eine Bewertungskrise handelte und voll investiert: Die seltene Gelegenheit, ganz Deutschland zum halben Preis zu kaufen.

DIE STIFTUNG: Eine letzte Frage: Für Stiftungen zählen Ausschüttungen. Gibt es genügend Titel mit erklecklichen Dividendenausschüttungen? Werden Aktien, die stabile oder wachsende Dividenden ausschütten, vom Markt mit einer Prämie versehen werden?
Sachs
: Bislang herrscht kein Mangel an Aktien mit nachhaltigem Geschäftsmodell und attraktiven Dividendenrenditen in einer Bandbreite zwischen drei bis sechs Prozent. Es kann natürlich sein, dass einzelne Investments durch Kursanstiege weniger interessant werden, aber es wird immer Bereiche geben, die „out of favour" sind, die dem Value Investor den Einstieg mit Sicherheitsmarge eröffnen. Beim Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen haben wir aus diesen Gründen unsere Investments in Spanien und Frankreich aufgestockt.

Reiner Sachs gründete 1999 mit Günter Weispfenning die Shareholder Value Management AG. Er ist seit 1999 Mitglied und seit 2005 Vorsitzender von deren Vorstand. Zudem ist er seit 2000 Mitglied des Vorstands der Shareholder Value Beteiligungen AG. Reiner Sachs ist seit 2003 Mitglied des Stiftungsrats und des Anlageausschusses der Share Value Stiftung. Seit 2012 ist er Vorsitzender des Anlageausschusses. Er ist Mitglied des Vorstands der Förderstiftung Liebieghaus.
Herr Sachs ist Volljurist und in Frankfurt am Main als Rechtsanwalt zugelassen.

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