DIE STIFTUNG: In der Satzung Ihrer Stiftung heißt es „Das Stiftungsvermögen ist bevorzugt in Aktien anzulegen“. Was hat Sie bewogen, so eine eindeutige und präzise Formulierung zu wählen?
Edmund Kuhlmann: Ich habe in etwa 40 Jahren, gewissermaßen als Hobby. neben meinem Beruf als Leitender Angestellter in einem internationalen Unternehmen der Konsumgüterindustrie, Erfahrungen an der Börse gesammelt, dabei alle Crashs überstanden und mit dem so erworbenen Vermögen vor 13 Jahren mit meiner Frau die mildtätige E.W.-Kuhlmann-Stiftung gegründet.


DIE STIFTUNG: Hatten Sie von Beginn der Stiftung an Aktien im Portfolio?

Kuhlmann: Ich musste sowohl die vermögensverwaltende Bank und – mit viel eigener Expertise- die Stiftungsaufsicht überzeugen, die oben genannte Formulierung mit Wirkung vom 1. Januar 2011 neu in die Satzung aufzunehmen. Ich konnte aber alle überzeugen nach dem Grundsatz: „the proof of the pudding is in the eating“ oder aus dem Neuen Testament „An den Früchten sollt ihr sie erkennen“. Schließlich hatte ich als Beweis der Richtigkeit meines Handelns das Vermögen vorzuzeigen.

DIE STIFTUNG: Wie soll ich das konkret verstehen?
Kuhlmann: Die Stiftung ist von einer kleinen zu einer mittleren gewachsen, vor allem und trotz der vielen Krisen seit 1997 durch mein Engagement an der Aktienbörse, einschließlich des Einsatzes von Derivaten. Abgesehen von theoretischen Kenntnissen als Diplom-Volkswirt haben mich Vorbilder wie André Kostolany und besonders Warren Buffet inspiriert.

DIE STIFTUNG: Stimmen Sie also mit der Auffassung von Dr. Bruns überein (bezieht sich auf das Interview mit Dr. Christoph Bruns in DIE STIFTUNG Ausgabe 3/2012 – Anm. d. Redaktion)?
Kuhlmann: Herr Bruns hat Recht, dass allein die Beteiligung am Produktivvermögen das Überleben und zugleich Wachsen der Stiftung ermöglicht. Die Tatsache, dass bei allen festverzinslichen Wertpapieren der Zeitpunkt der Tilgung zur Qual der Wahl und natürlich zu Kosten führt, da die Kapitalrückzahlung wieder neu anzulegen ist, müsste einen der Ewigkeit verpflichteten Investor zu dem Gedanken führen, sich nicht in ein Korsett zwingen zu lassen. Das gilt aber auch für die Festlegung von variabel gestalteten Fördertätigkeiten.

DIE STIFTUNG Kann der Stifter oder der verantwortliche Vorstand fachliche Hilfe bekommen?
Kuhlmann: Wenn man sich konkret überlegen würde, was würde ich tun, um meinem Enkel in vielleicht sechzig Jahren ein Vermögen zu hinterlassen, dann würde man nicht eloquenten Börsen-Modedesignern folgen. Als studierter Philosoph könnte ich Immanuel Kant zitieren mit „wage es, selbst zu denken“ und Spinosa mit seinem Lebensspruch „sei vorsichtig“.

DIE STIFTUNG: Herr Kuhlmann, haben Sie Dank für Ihre Aussagen. Wir wünschen Ihnen weiterhin ein „glückliches Händchen“.

Edmund Kuhlmann ist Diplom-Volkswirt und hat ein Philosophiestudium mit dem Magister Artium abgeschlossen. Zweimal leitete er einen – von vornherein befristeten – Investmentfonds. Herr Kuhlmann ist auf die Anwendung von Put-Optionen spezialisiert. 1997 gründete er zusammen mit seiner Frau die E.W.-Kuhlmann-Stiftung, die Studenten, Existenzgründer, aber auch Sterbende finanziell unterstützt.

 

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