Der BlackRock Sovereign Risk Index (BSRI) bietet Investoren einen Rahmen, um die Kreditrisiken von Staaten zu beurteilen. Auf der Basis eines Pools aus Finanzdaten, Umfragen und politischen Analysen wird im BSRI vierteljährlich das Kreditrisiko von aktuell 48 Staaten beurteilt. Aktuell ist Deutschland der größte Gewinner und Südkorea, Belgien und Kroatien sind die Verlierer im Ranking.

von Ewen Cameron Watt

Im Vergleich zum vergangenen Quartal bewertet der BSRI nun vier weitere Länder, die Gesamtzahl steigt damit auf 48. Singapur und Taiwan starteten gleich in den Top 10 dank ihren Schulden in Pfund Sterling. Mit Blick auf die sich entfaltende Eurokrise wurden auch die Slowakei und Slowenien aufgenommen, die sich aber im unteren Bereich bei den meisten anderen Ländern der Eurozone halten.

Singapur und Taiwan gelten als negative Musterbeispiele in Sachen Nettoschuldenstand; sie führen strenge Haushalte und bei ihren Schulden handelt es sich fast ausschließlich um Inlandsschulden. Singapur hat gar keine nennenswerten Auslandsschulden, Taiwan nur sehr wenige. In der Kategorie Zahlungsbereitschaft liegt Singapur aufgrund der wahrgenommenen Regierungsstabilität vor Taiwan. Dank höheren Kapitals seiner Banken schlägt es Taiwan auch in der Kategorie Finanzsektor.

Quelle: panthermedia/Werner HeiberDeutschland legt am meisten zu
Die positivste Entwicklung hat Deutschland zu vermelden: Es ist um vier Plätze auf den achten Platz vorgerückt, gleichzeitig ist das die größte Bewegung im BSRI in diesem Quartal. Damit hat es Dänemark, Australien, Chile und Südkorea überholt. Die deutsche Aufwertung wurde ausgelöst durch Werte in der politischen Analyse wie höhere Einstufungen für Regierungsstabilität und Unterstützung in der Bevölkerung, die eine der externen Quellen ermittelt hat.

Kanzlerin Angela Merkels Umfragewerte sprangen im Januar in die Höhe, worin sich die Unterstützung der Bevölkerung für ihre strenge Handhabung der Euro-Schuldenkrise ausdrückt. Einen Rückschlag musste sie verkraften, als die CDU in Baden-Württemberg die Wahlen verlor. Der nächste Prüfstein werden die Wahlen am 13. Mai in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands, sein.

Doch auch Peru gehört zu den Gewinnern. Es ist in der BSRI-Rangliste im zweiten Quartal in Folge aufgestiegen, um drei Plätze auf den nun 17. Platz. Treiber war eine höhere Punktezahl in der Kategorie Zahlungsbereitschaft, da Präsident Ollanta Humala die Wirtschaftspolitik auf Kurs hielt. Sein pragmatischer Zugang scheint diejenigen Investoren erleichtert zu haben, die über Verstaatlichungen und andere radikale Maßnahmen besorgt waren. Kolumbien ist ebenfalls um drei Stufen auf Rang 29 vorgerückt, da sich der Schuldenstand bei Krediten mit kurzfristiger Laufzeit signifikant verringerte.

Drei Länder verlieren jeweils zwei Ränge
Südkorea, Belgien und Kroatien waren die größten Verlierer, jedes Land ist um zwei Stufen abgestiegen. Südkoreas Abstieg ist vor allem durch die Bewegungen anderer Länder zustande gekommen. Belgiens Probleme bestanden unter anderem in einer Verschlechterung des Schuldenstruktur-Profils und ebenso der Prognose, was die Kosten der Schuldentilgung angeht. Im Fall Kroatien erhöhte sich der Anteil externer Schulden im Verhältnis zum BIP, während der Anteil von Schulden mit kurzfristiger Fälligkeit im Verhältnis zum BIP sich mehr als verdreifachte.

Was ist der BlackRock Sovereign Risk Index und wie errechnet er sich?
Der BSRI verwendet mehr als 30 quantitative Kennzahlen und ergänzt sie um qualitative Erkenntnisse dritter Parteien. Der Index analysiert die Daten entlang von vier Hauptkategorien, die alle in die Berechnung der BSRI-Punktezahl und des BSRI-Ranges eines Landes einfließen: Fiskalischer Spielraum (40%), Zahlungsbereitschaft (30%), externe Finanzierung (20%) und Gesundheit des Finanzsektors (10%).

Dabei beinhaltet der Fiskalische Spielraum Kennzahlen wie das Verhältnis des Schuldenstands zum BIP, die Fälligkeitsstruktur der Schulden, Steuereinnahmen und Abhängigkeitsquotienten. Die Zahlungsbereitschaft misst die wahrgenommene Effektivität und Stabilität einer Regierung sowie Faktoren wie Korruption. In der externen Finanzierung geht es um die Belastung durch Schulden in ausländischen Währungen und den gegenwärtigen Kontostand und die Stärke des Bankensystems wird mit der Gesundheit des Finanzsektors erfasst.

Hinweise: Die Zahlen, die Eingang in den BSRI finden, werden unregelmäßig aktualisiert. Das bedeutet, dass manche Änderungen in den Bewertungen nur auf das Timing der Veröffentlichung dieser Zahlen zurückzuführen sind. Kleine Änderungen in den Bewertungen können große Änderungen in den Einstufungen nach sich ziehen, da im Index viele Werte zusammengefasst sind. Schließlich ist der BSRI nicht dazu gedacht, die Kreditwürdigkeit von Staaten vorherzusagen.

Ewen Cameron Watt ist Chef-Stratege beim BlackRock Investment Institute.

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