Stiftungen haben Bedarf an regelmäßigem Cashflow. Aber die erwarteten Mindestrenditen liegen weit über dem, was sie aktuell nur mit Schuldverschreibungen der vermeintlich „sicheren Häfen“ erzielen können. Solange die Renditen der Industrieländer-Staatsanleihen etwa der USA, Großbritannien oder Deutschland sich auf derart niedrigem Niveau befinden, werden sich einige Stiftungen das Rendite/Risiko Verhältnis von Schwellenländeranleihen genauer ansehen müssen.

Stiftungen haben Bedarf an regelmäßigem Cashflow. Aber die erwarteten Mindestrenditen liegen weit über dem, was sie aktuell nur mit Schuldverschreibungen der vermeintlich „sicheren Häfen“ erzielen können. Solange die Renditen der Industrieländer-Staatsanleihen etwa der USA, Großbritannien oder Deutschland sich auf derart niedrigem Niveau befinden, werden sich einige Stiftungen das Rendite/Risiko Verhältnis von  Schwellenländeranleihen genauer ansehen müssen. Zudem könnte eine weitere Diversifizierung der Stiftungsportfolios mit ausgesuchten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern gelingen. Auch hier lohnt eine genauere Betrachtung des Status quo.
Von Christian Rumpf

Die (Anleihe)-Welt im Wandel
Noch vor einigen Jahren galten Schwellenländer- (oder EM-) Anleihen meist als Schuldtitel staatlicher Emittenten von mitunter eher schlechter Bonität. Aufeinanderfolgende Krisen – vor allem die Asienkrise von 1998 – veranlassten viele Schwellenländer (auch Emerging Markets, kurz EMs), exportorientiertes Wachstum zu fördern und von festen auf variable Wechselkurse umzusteigen. Auf diese Weise konnten sie Devisenreserven bilden und die Anfälligkeit gegenüber kurzfristigen Marktschwankungen eindämmen. Der Erfolg dieser Steuer- und Währungspolitik ist beeindruckend: In zahlreichen Schwellenländern herrschte während der Finanzkrise von 2008/09 keine Rezession.

Die fetten Jahre sind vorbei – erst Recht bei Anleihen von Industrieländern

EM Debt Investment Grade
Die erheblichen Devisenreserven, die viele Schwellenländer aufgebaut haben, führten zur Aufwertung ihrer Währungen. Dadurch stiegen die Renditen. Zudem erhöhte sich die durchschnittliche Qualität der Obligationen von Schwellenländern über die Jahre von unter BB in 2000 zu BBB in 2011 (HSBC Global Research, Dezember 2011) und – die Bonität vieler Industrieländer hingegen hat sich in derselben Zeitspanne verschlechtert. Da sowohl die Vielzahl der unterschiedlichen Wertpapiere innerhalb dieser Asset-Klasse als auch der Investorenkreis gewachsen sind, verbesserte sich im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts die Liquidität der Schwellenmärkte beträchtlich. Heute liegt das Verhältnis von platzierten EM-Obligationen zu Industrieländer-Obligationen bei rund 1:3. Aber auch die Bewertung der Qualität der EM-Obligationen hat sich beständig verbessert. Die allmähliche Verbesserung der Bonität der meisten Schwellenländer in den letzten zehn Jahren löste einen breiten Hochstufungstrend bei den Ratingagenturen aus. Heute verfügt eine erhebliche Zahl von Schwellenländern und -unternehmen über ein Investment-Grade-Rating von Standard & Poor’s, Fitch oder Moody’s – wie zum Beispiel die großen Länder Russland, Brasilien, Mexiko aber auch kleinere Anleihemärkte wie z.B. Thailand, Bulgarien oder Namibia.

Emerging Markets Corporate Debt – auf dem Weg zum „State of the Art“
Die verbesserten Fundamentaldaten vieler EMs und die damit einhergehende gute Bonitätsentwicklung haben einer weiteren „Sub“-Asset-Klasse Auftrieb gegeben. Die Rede ist von EM-Unternehmensobligationen, die von quasi staatlichen und nicht staatlichen Unternehmen in harter Währung Quelel: panthermedia/payphoto(insbesondere US-Dollar, Euro und Yen) sowie lokalen Währungen emittiert werden. Deren Entwicklung wurde auch maßgeblich von der Tatsache getrieben, dass sich Banken vermehrt von der klassischen Unternehmensfinanzierung zurückgezogen haben. So kam 2007 der CEMBI (Corporate Emerging Markets Bond Index) zu den Mitte der 1990er Jahre aufgelegten EM-Indizes für Staatsanleihen hinzu. EM Corporate Bonds stellen heutzutage ein Universum von über 500 Milliarden US-Dollar dar. Das derzeitige jährliche Emissionsvolumen beträgt rund 200 Milliarden US-Dollar für sämtliche Wirtschaftssektoren aller Schwellenländer. Heute beherrschen Emissionen von Brasilien und Russland in den Sparten Energie und Bankwesen den Markt. Insgesamt hat das EM-Corporate-Debt-Universum inzwischen die notwendige Dimension erreicht, damit erfahrene Portfolio Manager ausreichend breit nach Schwellenländern und Branchen diversifizierte und attraktive Portfolios bauen können.

Anleiheprodukte für Stiftungen
Aufgrund der Niedrigzinsen in den Industrieländern sind Stiftungen auf der Suche nach neuen Renditequellen. Ein Blick auf die Anleihen aus Schwellenländern ist empfehlenswert, denn das Risiko-Ertrags-Verhältnis könnte, verglichen mit den Zinsen von einigen der größten Märkte für Staats- und Unternehmensanleihen der Industrieländer, weiterhin attraktiv bleiben.

Christian Rumpf ist Institutional Sales Manager beim unabhängigen Asset Manager Franklin Templeton in Frankfurt. Derzeit verwaltet Franklin Templeton weltweit ein Vermögen von mehr als 727 Mrd. US-Dollar, ca. 150 Mrd. US-Dollar davon für institutionelle Anleger (Stand: 29.02.2012).

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