DIE STIFTUNG: Herr Friess, welche Herausforderungen müssen Stiftungsgründer und Stiftungsvorstände meistern?
Tom Friess: Sie tragen die Verantwortung, dass der Stiftungszweck erfüllt wird. Sie müssen die richtigen Förderprojekte finden und sie dauerhaft begleiten. Gleichzeitig müssen sie das Stiftungskapital so verwalten, dass es genügend Erträge für die Erfüllung des Stiftungszwecks abwirft und die Vorgaben erfüllt. Dazu kommen die Verwaltung, Buchhaltung, Steuern und Behördengänge.

DIE STIFTUNG: Wie können Stifter diesen drei grundverschiedenen Bereichen gerecht werden?
Friess: Stifter und Stiftungsvorstände sind in der Regel keine Anlageprofis und kennen sich nicht genügend mit den Tücken von Verwaltung und Stiftungsrecht aus. Oft haben sie auch nicht genügend Zeit, um sich adäquat in diese extrem wichtigen Aufgabenbereiche einzuarbeiten. Sinnvoller wäre es, sich Unterstützung erfahrener Partner zu holen oder ganze Bereiche auszulagern. Da kommen dann zum Beispiel unsere Stiftungsexperten ins Spiel.

DIE STIFTUNG: Welche Unterstützung können kleinere und mittlere Stiftungen von externen Stiftungsexperten wie Ihnen erhalten?
Friess: Ganz wichtig ist eine ganzheitliche Begleitung und Beratung in sämtlichen Fragestellungen. Unsere Kernkompetenz ist die unabhängige Verwaltung von Anlagekapital im Rahmen der Stiftungssatzung, um die Erfüllung des Stiftungszwecks langfristig sicherzustellen. Für Neugründungen erstellen wir Finanz- und Einkommensplanungen und unterstützen bei der Erarbeitung der Satzung und bei Abklärungen und Vorprüfungen durch Behörden. Darüber hinaus bieten wir – in Zusammenarbeit mit dem Stiftungszentrum – eine komplette Stiftungsadministration.

DIE STIFTUNG: Worauf sollten Stiftungen bei der Wahl des richtigen Partners achten?
Friess: Bei der Administration profitieren Stiftungen vom Know-how, der Erfahrung und den IT-Systemen etablierter Spezialisten. Für die Verwaltung des Stiftungskapitals sollten sie einen Partner suchen, der unabhängig ist und keine Eigeninteressen verfolgt, der die Anlagerisiken systematisch im Griff hat und dessen Gebühren transparent und tief sind.

DIE STIFTUNG: Niedrige Kosten kommen der Rendite des Stiftungskapitals zugute. Warum ist auch die Unabhängigkeit so entscheidend?
Friess: Wir als VZ VermögensZentrum haben keine eigenen Produkte und vertreiben auch keine Drittprodukte. Unser spezieller Titelselektionsprozess geschieht rein im Kundeninteresse: Wir schauen uns das gesamte Anlageuniversum an, suchen die objektiv besten Produkte heraus und verhandeln dann die Gebühren auf ein möglichst tiefes Niveau. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Wir setzen alle möglichen Investmentfonds ohne Ausgabeaufschläge ein, geben Retrozessionen vollumfänglich weiter und inkludieren Transaktionsgebühren in unsere All-in-Fee. Damit sind wir extrem transparent und extrem günstig. Das ist genau das, was Stiftungen benötigen und womit sie kalkulieren können.

DIE STIFTUNG: Die Erwirtschaftung von genügend Erträgen ist für Stiftungen essenziell. Wie reagieren Sie darauf, insbesondere in Niedrigzinsphasen wie diesen?
Friess: Wenn es schwierig wird, sollten Stiftungen nicht auf riskante Produktinnovationen ausweichen, für die es keine geregelten Märkte gibt und die ihnen die Bewegungsfreiheit nehmen. Die Instrumente der Wahl werden Aktien und Anleihen bleiben. Es ist zwar schwierig, eine Ausschüttungsrendite von 4 oder 5% zu erreichen, aber 2 bis 3% sollten möglich sein.
Aber ganz ehrlich: Eine Stiftung, die heute eine zu tiefe Aktienquote hat, hat ein Problem. Mit einem vernünftigen Risikomanagement muss eine sinnvolle Aktienquote umzusetzen sein. Bei uns ist das in der Größenordnung von einem Drittel. Wir steuern Aktienquoten aktiv und sichern sie ab. Alternative Investments sind Wandelanleihen oder Total-Return-Ansätze. Wenn die Zinsen eines Tages wieder anziehen, muss man auf kurze Restlaufzeiten achten.

DIE STIFTUNG: Keiner kann mit Sicherheit sagen, wie sich die Zinsen entwickeln und was in Sonderfällen wie einem Grexit oder Brexit geschieht. Wie sollen sich Anleger aufstellen?
Friess: Welches Szenario wir auch durchdenken, zwei Punkte sind immer matchentscheidend: Eine breite Streuung (Diversifikation), um Verluste in Grenzen zu halten, und das aktive Bewirtschaften von Depots, um bei Veränderungen umgehend reagieren zu können.

DIE STIFTUNG: Angelegtes Kapital ist ziemlichen Unwägbarkeiten ausgesetzt. Gleichzeitig hat für Stiftungen der Kapitalerhalt oberste Priorität. Wie kontrollieren Sie Risiken?
Friess: Unserer Bewirtschaftung ist ein systematisches Risikomanagement hinterlegt, das Mathematiker unseres Unternehmens speziell für uns entwickelt haben. Es geht über die eigene Beurteilung der Lage hinaus, das heißt: Stop-Loss-Management, die Messung von Volatilitäten und ein Algorithmus, der anzeigt, wann der Trend gedreht hat und wann man kaufen oder verkaufen sollte – und zwar unabhängig vom Bauchgefühl unserer Anlage-Spezialisten. Regelbasierte Ansätze sorgen dafür, dass große Verluste automatisch und nachweislich sehr erfolgreich eingedämmt werden. Diese Modelle bieten wir übrigens auch unserem Privatkunden an.

DIE STIFTUNG: Da bringen Sie jahrzehntelange Erfahrung mit. Was macht VZ für Stiftungen so besonders?
Friess: Unser klassisches Klientel sind Privatpersonen, die kurz vor dem Ruhestand zu uns kommen oder bereits im Ruhestand sind. Diese stehen im Prinzip vor genau den gleichen Herausforderungen wie Stiftungen: Sie wollen ihr Einkommen sicherstellen, ihr Vermögen erhalten und Risiken und Verluste um jeden Preis vermeiden. Vor einiger Zeit hatten die ersten unserer Kunden das Bedürfnis, ihren Nachlass in eine Stiftung einzubringen. Wir begannen mit dem Aufbau unseres Stiftungsbereichs und stellten fest: Die Managementvorgänge sind genauso wie bei den Ruhestandsfinanzierungen – und da verstehen wir unser Handwerk!

DIE STIFTUNG: Was umfasst Ihr Dienstleistungspaket für Stiftungen?
Friess: Wir begleiten die gesamte Wertschöpfungskette: Von der Herleitung der passenden Satzung bis zur Gründung, von günstiger Administration bis hin zu erfolgreichem Stiftungs-Asset-Management und ein entsprechendes Reporting.

DIE STIFTUNG: Herr Friess, vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben.

Das Interview führte Stefan Preuß.

 

Tom Friess_VZTom Friess ist Vorsitzender der Geschäftsleitung und Geschäftsführer der VZ VermögensZentrum GmbH mit Sitz in München. Als unabhängiger Finanzdienstleister und Vermögensverwalter bietet das VZ individuelle Lösungen für Ruhestand, Geldanlage und Stiftungsmanagement.

Hinweis: Das ausführliche Portrait zum Unternehmen mit allen Informationen zur Stiftungsexpertise, den Kontaktdaten und den Ansprechpartnern für Stiftungen finden Sie im Dienstleister-Spiegel.

 

Die Themenwoche „Unabhängige Vermögensverwalter & Stiftungen“ soll Stiftungen online-basiert einmal mehr mit dem Themenkomplex der unabhängigen Vermögensverwaltung in Berührung bringen. Die Themenwoche ist als Ergänzung zum ATLAS Vermögensverwalter aus dem Vorjahr gedacht, als 20 Vermögensverwalter mit Stiftungsexpertise ausgewählt und portraitiert wurden. Medial begleitet wird die Themenwoche „Unabhängige Vermögensverwalter & Stiftungen“ über das Magazin (in Form einer Vorankündigung sowie eines Teaser-Interviews mit dem VUV), den Newsletter STIFTOGRAMM sowie den Social-Media-Kanal von DIE STIFTUNG.

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