Die Stadt als Unternehmen, als Ort der individuellen Entfaltung, sozialer Kämpfe und ständigen Begegnungen. Ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Bedürfnisse. Bedürfnisse, die uns in der Tiefe verbinden. Städte sind die Pioniere des Wandels. Sie haben eine Schlüsselfunktion und sind zugleich Motor der wirtschaftlichen Entwicklung. Hier entscheidet sich, wie wir morgen leben.
von Oliver N. Hagedorn und Doreen Breiter

 

Was macht eine lebenswerte Stadt aus – und was nicht?
Ob eine Stadt als lebenswert bezeichnet wird, hängt vom jeweiligen Standpunkt ab. Die zentralen Fragen richten sich nach vorhandenem und bezahlbarem Wohnraum, ökologischem Lebensraum, zugänglichen Bildungsangeboten, Sicherheitsgefühl, zuverlässigen Verkehrssystemen, kinder- und altersfreundlicher Architektur und Infrastruktur, sowie attraktiven Berufs-, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten in der City.

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ (Antoine de Saint-Exupéry)
Städte müssen heute wie auch für künftige Generationen attraktiv und lebenswert sein. Vielerorts tragen kreative und gut durchdachte Projekte dazu bei. Ein aktuelles Beispiel ist das Holzmarkt-Projekt in Berlin. Ausgangspunkt waren die Bürgerproteste gegen die ursprünglichen Baupläne für eine der letzten Brachlandschaften am Spreeufer. Es geht um innerstädtische Freiräume, die immer weiter zubetoniert werden und um öffentlichen Raum als Gestaltungsraum für alle. Ermöglicht durch die Investition der Basler Pensionskasse Abendrot, ging der Zuschlag 2012 an die Holzmarkt-Genossenschaft, die in Erbpacht das Grundstück für die kommenden 75 Jahre übernimmt. Auf den 18.000 Quadratmetern zwischen Ostbahnhof und Alexanderplatz entsteht ein lebendiges Kreativquartier aus Künstlerdorf, Gründerzentrum, Hotel, Studentenwohnungen, Freiflächen für „urban gardening”, Einzelhandel, Club und Restaurants. Städtischer Raum für Vielfalt.

Neue Trends bei Vermögensanlagen: Mission-related Investments
Die Eckpfeiler der Anlagepolitik der nachhaltigen Pensionskasse Abendrot sind Gesundheit, Umwelt und Gerechtigkeit. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Die Investition in das Projekt Holzmarkt ist damit kongruent mit den Zielen der Pensionskasse und ein Beispiel für Mission-related Investments (MRIs), also einer mit dem Stiftungszweck konformen Anlage. Das Mission Investing erfolgt aus dem Kapitalstock der Stiftung zu einer marktüblichen Rendite.
In den USA ist diese Form der Anlage schon seit Jahrzehnten etabliert. Und auch hierzulande möchten immer mehr Stifter und Philanthropen nicht nur die Erträge aus dem Stiftungskapital, sondern auch das Stiftungskapital selbst wirkungsvoll einsetzen. Anstatt mit ihrem Finanzvermögen beispielsweise eine Staatsanleihe zu kaufen, investieren sie lieber in Anlagen, die eine konkret messbare Wirkung erzielen. JP Morgan schätzt gar, dass bis zum Jahr 2020 rund 1.000 Mrd. USD in dieser Weise investiert werden.

Wirkung verdreifachen
In Deutschland werden aus 100 Mrd. EUR Stiftungskapital kaum 3 Mrd. EUR an Erträgen erwirtschaftet. Angesichts des vorherrschenden Zinsumfelds mit fallender Tendenz. Man stelle sich vor, deutsche Stiftungen würden nur 10% ihres Stiftungskapitals dem Mission Investing zuführen, ihre Wirkung würde sich mehr als verdreifachen. Auf Sicherheit und Substanzerhalt müsste dabei nicht verzichtet werden, denn für die meisten Philanthropen darf man annehmen, dass sie die Risiken regionaler und mit ihrem Stiftungszweck konformer Investments besser bewerten können als die von Finanzinstrumenten.
„Es war noch nie so leicht wie heute, die Welt zu verändern“, sagen die Initiatoren des Holzmarkts. In diesem Sinne haben es Philanthropen, Stifter und Stadtbewohner im kreativen Zusammenspiel mit Politik und Unternehmen selbst in der Hand, die Mission Stadt neu zu denken und zu gestalten.

 

 

Oliver_N._HagedornWEB.jpgOliver N. Hagedorn ist Gründer und Vorstand der avesco Financial Services AG in Berlin. Das unabhängige Finanzdienstleistungsinstitut wird seit 2003 regelmäßig von führenden Gremien für seine Vermögensverwaltung ausgezeichnet.

 

 

 

Doreen BreiterDoreen Breiter ist Leiterin des Bereichs Marketing bei avesco.

 

Zuerst erschienen im Magazin avesco Transparent Nr. 22

Lesetipp: Bitte lesen Sie zum Themenkreis ‚Mission Investing‘ auch die Rubrik Mission Investing heute in jeder Ausgabe von DIE STIFTUNG, die derzeit von der GBI AG sowie der Moses Mendelssohn-Stiftung unterstützt wird.

 

Aktuelle Beiträge

ESG-Ratings kommt bei der Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen, Aktien und Fonds eine Schlüsselrolle zu.
Sponsored Post
Echtes ESG statt Greenwashing: Nachhaltigkeit in der Praxis Vorwürfe von Greenwashing erschüttern das Vertrauen von Investoren in nachhaltige Produkte. Die aktuelle Situation und Ansätze zu echter Nachhaltigkeit waren… weiterlesen
Alles Wichtige für Entscheider aus dem Stiftungswesen - Kompetent und unabhängig - Jeden Monat neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN
Alles Wichtige für Entscheider aus dem Stiftungswesen - Kompetent und unabhängig - Jeden Monat neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN