Stiftungen sind mit den unterschiedlichsten Risiken konfrontiert. Bezogen auf das Stiftungsvermögen hat der Vermögensverwaltungsriese BlackRock einige interessante Betrachtungen angestellt.

Stiftungen sind mit den unterschiedlichsten Risiken konfrontiert. Operativ kann beispielsweise ein unzuverlässiger Projektpartner eine ganze Mehrjahresstrategie ins Wanken bringen, weil externe Fehler internalisiert werden und kommuniziert werden müssen. Bezogen auf das Stiftungsvermögen hat der Vermögensverwaltungsriese BlackRock einige interessante Betrachtungen angestellt.
Von Tobias Karow

 

Bei guten Menschen regiert zumeist der Glaube an das Gute. Das Gute bei Anderen, das Gute im Tun, das Gute an den Märkten. Doch gerade bei letzteren sind die Ergebnisse umso besser, je klarer man sich darauf fokussiert, Risiken zu kennen und damit auch umschiffen zu können. Zunächst stellen die BlackRock-Experten in ihrem aktuellen „Risk Monitor“ fest, dass im aktuell endenden Quartal die Volatilitäten an den Märkten spürbar angezogen haben. Kursabschläge von 10% oder mehr waren in den vergangenen Monaten schon gar nicht mehr gesichtet worden. So als gäbe es andauernde Kursverluste gar nicht mehr. Anleger müssten nun besonders darauf achten, wohin sich die Schwankungsbreiten entwickeln und dabei vor allem die Standardmärkte im Auge behalten. Diese wiederum hängen eng am Wachstum in den USA. Zieht dort die Konjunktur an, kann ein Wechsel in der Geldpolitik nicht mehr ausgeschlossen werden, worauf die Aktien- und Rentenmärkte reagieren dürften und müssten.

Steigende Anleihekurse für Stiftungen problematisch

Anleger, und damit auch Stiftungen, wären auf diese Weise eventuell mit zweierlei konfrontiert: Steigenden Aktienkursen und fallen Rentenkursen. Steigende Aktienkurse sind dann schwierig, wenn ich keine Aktien habe, woraus ein nicht zu unterschätzender Handlungsdruck aufgebaut wird. Dieser wird seinerseits verstärkt durch gegebenenfalls fallende Rentenkurse, resultierend aus steigenden Zinsen. Das wäre für eine Vielzahl von Stiftungen problematisch, denn sie halten hohe Anteile ihres Vermögens in Anleihen und würden massiv unter Wasser geraten, wenn eine markante Abwärtsbewegung bei den Anleihekursen einsetzen würde. Bei der Analyse von BlackRock fällt auf, dass die Botschaft eine einfache ist, und Stiftungen mit dieser auch arbeiten können. Denn die skizzierten Wirkketten sind einfach nachzuvollziehen, nur hat man das manchmal vielleicht in dieser Klarheit nicht so auf dem Radar.

Erste Strafzinsen als Dammbruch?

Erst recht sollten Stiftungen hier aber sensibler sein, wenn nun der Dammbruch bei den Zinsen erfolgt ist und Banken auf Einlagen einen Strafzins verlangen. Die thüringische Skatbank hat damit angefangen, man hört, dass einige Vermögensverwalter von ihren Depotbanken ebenfalls Schreiben bekommen haben, dass negative Einlagenzinsen nun die Regel sind, und eben nicht mehr nur die Ausnahme. Die daraus für Stiftungen resultierenden Unsicherheiten sind noch gar nicht recht zu klassifizieren, aber es ist damit höchste Zeit, sich dafür zumindest zu sensibilisieren. Es kann allerdings auch sein, dass dieser Strafzins der risikoloseste Verlust ist, den man sich „einkaufen“ kann, und das macht das Gebaren der Märkte plötzlich wieder kalkulierbar.

Fazit

Stiftungen sind herausgefordert, Risiken der Märkte zu kennen und für sich einzusortieren. Denn nur wer die Leitplanken kennt, kann ordentlich navigieren und weiß, wo es dann tatsächlich gefährlich wird. Und ob diese Gefahr Strafzins, Volatilität oder Schuldenschnitt heißt, ist dann schon fast wieder egal. Aber eben nur fast.

 

Lesetipp: Die derzeit drückendsten Risiken in der Kapitalanlage hat Blackrock einmal plastisch ausgedröselt. Die komplette Analyse ist ein lesenswertes Stück Analysekunst.

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