Die erfolgreiche Verwaltung von Stiftungsvermögen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Insbesondere für Stiftungsvorstände, die als Organe Vermögen verwalten, gelten überdies besondere Sorgfalts- und Treuepflichten. Zum einen müssen Stiftungen ihren Stiftungszweck erfüllen und ausreichend liquide Mittel erwirtschaften. Zum anderen ist das Kapital langfristig und nachhaltig zu erhalten.
Von Christian Kraft

Die Eurokrise, hohe Staatsverschuldungen, drohende Staatsbankrotte – gerade die aktuelle Lage der Finanz- und Realwirtschaft stellt Stiftungsvorstände vor besondere Herausforderungen. Anlagerichtlinien sind hier eine wichtige und wertvolle Hilfe. Die Stiftung legt darin die wesentlichen Eckpunkte der Vermögensverwaltung fest und kann damit auch den Willen des Stifters im Hinblick auf die Vermögensbewirtschaftung einbinden.

Generell dienen Anlagerichtlinien dazu

  • die Grundsätze der Vermögensanlage festzulegen,
  • Entscheidungsträgern ein Leitfaden für künftige Entscheidungen zu sein,
  • einen ordnungsgemäßen Ermessensgebrauch des Stiftungsvorstands zu dokumentieren,
  • Haftungsunsicherheiten durch vorausschauende Strategien zu reduzieren.

Obwohl noch nicht alle Stiftungen sich in diesem Punkt festgelegt haben, wird doch deutlich, dass es durchaus Sinn machen kann hierauf etwas Zeit zu verwenden.

Bei der Ausformulierung der Anlagerichtlinien* sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:

  1. Präambel
  2. Anlagestrategie
  3. Anlageziele
  4. Zugelassene Anlageklassen, Anlagerahmen, Anlageprodukte und Restriktionen
  5. Anlässe für An- und Verkäufe
  6. Zuständigkeiten und Verfahren
  7. Controlling und Berichtswesen
  8. Anlagebeirat (falls benötigt)
  9. Prüfung
  10. Auswahl von Vermögensverwaltern und anderen Dienstleistern

* Quelle: H. Falk, Stiftungsratgeber Band 6, Vermögensanlage, Bundesverband Deutscher Stiftungen

Quelle: panthermedia/Alexander LimbachAus rechtlicher Sicht grenzen sie den Ermessensspielraum des Vorstands bei der Vermögensanlage durchaus ein, bieten allerdings auch entscheidende Vorteile: So muss beispielsweise bei der Stiftungsaufsicht nach genehmigten und festgelegten Anlagerichtlinien, nicht bei jeder neuen Geldanlage erneut die Zustimmung der Aufsicht eingeholt werden. Werden die einmal beschlossenen Anlagerichtlinien nicht beachtet, so kann der dafür verantwortliche Vorstand zwar für Vermögensverluste haftbar gemacht werden, auf der anderen Seite stellen sie eine Versicherung für den Vorstand dar, wenn er beweisen kann, dass er gemäß den Anlagerichtlinien gehandelt und alle Sorgfaltspflichten beachtet hat.

Da sich im Bereich der Geldanlagen regelmäßig neue Bereiche erschließen, die auch für Stiftungen interessant sein können, sollte der Stiftungsvorstand sie von Zeit zu Zeit, etwa alle drei bis fünf Jahre, gründlich prüfen um sie gegebenenfalls. anzupassen.


Fazit
EiZum Vergrößern Klickenne Stiftung, die ihre Entscheidungsträger mit einer gut durchdachten Handlungshilfe ausstattet, unterstützt diese darin, ihre Arbeit im Sinne des Stifterwillens und Stiftungszwecks zu erfüllen. Sie entlastet den Vorstand, indem sie Richtlinien für Anlageentscheidungen klar formuliert und die Vermögensverwaltung somit eindeutig nachvollziehbar ist, was ein Vorteil gegenüber Aufsichtsgremien wie dem Beirat, dem Kuratorium oder auch der Stiftungsaufsicht sein kann.

 

 

 

 

Christian Kraft ist zertifizierter Stiftungsspezialist der S-Finanzgruppe und seit über 5 Jahren im Generationen- und Stiftungsmanagement bei der Stadtsparkasse München tätig.

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