08.01.2020 | Von Martina Benz

Afrika: Investieren statt spenden?

Beim Afrika-Gipfel in Berlin forderte Angela Merkel im November einen „sich selbst tragenden Aufschwung“ für Afrika. Africa Green Tec treibt dort die Versorgung mit Solarenergie voran – und fördert so das lokale Unternehmertum. Investiert sind nicht zuletzt Stiftungen.

Afrika
Etwa 7.000 Menschen leben im Südosten Malis in Zinzana und seinen Nebenorten. 2018 wurde es durch Africa Green Tec elektrifiziert. Foto: Africa Green Tec AG

Im westafrikanischen Mali haben viele Menschen keinen Strom. Von „Tausenden Dörfern“ spricht Heinz-Werner Binzel, Geschäftsführer von Africa Green Tec Asset, einem „nachhaltigen, sozial engagierten Unternehmen, das mobile Solaranlagen betreibt und verkauft“, wie er es selbst definiert. Bis heute hat es 16 Ortschaften in Mali und im Niger mit Solarstrom versorgt. Die sogenannten Solartainer von Africa Green Tec sind netzferne, mobile Solarcontainer, durch die bis zu 4.000 Menschen mit sauberer Energie versorgt werden können – in Dörfern, die nicht an das Stromnetz angeschlossen sind. Sie werden in Deutschland produziert und getestet, dann nach Afrika geschickt und dort erneut aufgebaut.

Soziales Start-up fördert SDGs

„Infrastruktur ist die Voraussetzung für alle weitere Entwicklung. Durch den Aufbau von Infrastruktur erfüllen wir deshalb viele der SDGs“, so Binzel. Ein sich selbst wirtschaftlich tragendes Unternehmen mit sozialem Nutzen: ein soziales Start-up. Am Anfang stand eine Crowdfunding-Kampagne, die den ersten Solartainer finanzierte. Dann wurde eine Anleihe im Wert von sechs Millionen Euro gekauft. „Ich bin erfreut, dass wir sowohl Stiftungen und Fonds als auch privates Kapital in verschiedener Form dazu bringen konnten, in die Anleihe zu investieren“, erzählt Binzel.

Neben einer großen staatlichen Stiftung sei zum Beispiel die GLS-Treuhand mit einem Nachrangdarlehen investiert. Solche Kapitalgeber hätten eine wesentliche Rolle dabei gespielt, die Anleihe zum Laufen zu bringen. Sie zu finden, sei nicht leicht. Der Grund? „Das höhere unternehmerische Risiko, das Entwicklungsländer mit sich bringen“, so Binzel.

Risikoreduktion für Investoren

Afrika
Heinz-Werner Binzel ist Geschäftsführer von Africa Green Tec Asset. Foto: privat

Risikoreduzierend wirken zwei Faktoren. Zum einen hat Africa Green Tec die Investitionsschutzgarantie des Bundes kontrahiert. Basierend auf einer inzwischen 30 Jahre alten Vereinbarung zwischen Deutschland und Mali, schützt sie Investitionen von deutschen Unternehmen vor politischen Risiken. Eine Art Versicherung, wenn man so will. Außerdem sind die Solartainer, die Assets von Africa Green Tec, mobil und können jederzeit wieder abgebaut werden – ein weiterer wichtiger Faktor für deutsche Investoren. Binzel erklärt, weshalb: „Ursprünglich sollte auch das vor allem politische Risiken reduzieren. Aber genauso wird dadurch das unvermeidliche wirtschaftliche Risiko – wir können im Vorfeld nie ganz sicher sein, ob wir mit unserer Einschätzung der Situation vor Ort richtigliegen – geschmälert.“

Hier sind Stiftungen gefragt

Doch nicht immer liegt es an falschen Einschätzungen, wenn die Lage vor Ort das Unternehmen vor ungeahnte Herausforderungen stellt. „Manchmal finden wir Dinge ganz anders vor, als sie uns von der lokalen Regierung versprochen worden waren“, schildert Binzel das Dilemma. Dann müssten zum Beispiel ganz unerwartet noch Stromzähler oder andere Installationen auf die Agenda gesetzt werden, die zuvor nicht mit eingerechnet wurden. An so einer Stelle können Förderprogramme des BMZ ins Spiel kommen – oder eben auch Stiftungsgelder.

Denn Binzel sieht nicht nur auf der Anleihenebene eine Möglichkeit, mit Stiftungen zusammenzuarbeiten. Das sei sowieso nur für große Organisationen eine Option, da die Mindestzeichnung der Anleihe 100.000 Euro betrüge. „Weil wir ein marktwirtschaftliches Konzept verfolgen, arbeiten wir bislang nicht mit Spenden“, erklärt er.

Das solle sich aber ändern: Entweder durch ein Abkommen mit einer NGO in Mali oder aber durch die Gründung einer eigenen Stiftung möchte AfricaGreen Tec es gemeinnützigen Organisationen ermöglichen, die Elektrifizierung Malis dort mit voranzutreiben, wo es leider oft an anderen Geldquellen mangelt – Straßenbeleuchtung, Schulen, Krankenhäuser, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das würde das Sozialunternehmen dann noch sozialer machen. Und letztendlich vermutlich auch dem wirtschaftlichen Wachstum guttun – von Africa Green Tec sowie den Gemeinden vor Ort.

DIE STIFTUNG hat außerdem mit Frank-Martin Belz von der Technischen Universität München gesprochen, der erforscht, wie sich der Zugang zu Solarenergie auf das Unternehmertum in Afrika auswirkt. Im Interview teilt er erste Einblicke und Ideen, welche Rolle Stiftungen spielen könnten.

Artikel teilen