10.09.2012 | Von Die Stiftung

Alternative Investments gehören in jedes Depot

DIE STIFTUNG im Interview mit den beiden Devisenmanagementexperten Marion Kreft und Daniel Kerszt von FX Alpha Investments GmbH über Währungen als Anlage für Stiftungen.

DIE STIFTUNG im Interview mit den beiden Devisenmanagementexperten Marion Kreft und Daniel Kerszt von FX Alpha Investments GmbH über Währungen als Anlage für Stiftungen.

DIE STIFTUNG: Warum gehören Alternative Investments in jedes Stiftungsdepot? Oder gehören Sie das nicht?
Marion Kreft
: Unserer Einschätzung nach werden wir auch noch in den nächsten Jahren mit einem sehr niedrigen Zinsumfeld leben müssen. Damit kann, durch eine ausschließliche Anlage in die früher oft als risikolos angesehenen Staatsanleihen, keine befriedigende Rendite mehr erreicht werden. Über einen Mehrjahreszeitraum betrachtet konnte selbst durch eine Anlage in Aktien oft keine höhere Verzinsung erzielt werden trotz des hohen Risikopotenzials.
Um eine ansprechende Gesamtverzinsung für das Depot zu erreichen, müssen daher für einen Teil des Depots höhere Risiken eingegangen werden. Je breiter dieses Risiko diversifiziert werden kann, umso größer ist die Chance auch die Rendite für das gesamte Depot zu erhöhen. Deshalb gehören aus unserer Sicht alternative Investments in jedes Depot. Wie für alle anderen Assetklassen auch, ist jedoch Experten Know-How für die Anlage in Alternative Investments unerlässlich.

DIE STIFTUNG: Was macht Währungen zu einem Alternativen Investment?
Daniel Kerszt
: Wir betrachten das Engagement in Währungen nicht als alternatives Investment sondern eher als eigenständige Assetklasse. Die meisten Stiftungen werden mit dem Thema Währungen erstmals durch ein außereuropäisches Investment in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere oder Immobilien konfrontiert. Insofern ist für eine Vielzahl der Investoren in Deutschland eine Investition in Fremdwährungen eher ein Nebenaspekt als eine eigenständige Assetklasse.
In angelsächsischen Ländern wird der Devisenhandel (also ohne ein zusätzliches, direktes Fremdwährungsinvestment) längst als eigene Assetklasse verstanden, die zudem noch den Vorteil bietet, zu den klassischen Assetklassen eine geringe Korrelation aufzuweisen.

Quelle: panthermedia/Erwin WodickaDIE STIFTUNG: Inwiefern setzen Stiftungen Währungen falsch im Portfolio ein?
Kerszt
: Oftmals werden Währungen nur in Verbindung mit einem Fremdwährungsinvestment betrachtet. Meist entscheiden sich Investoren dann für eine von zwei Absicherungsalternativen: Die Währung wird entweder überhaupt nicht oder zu 100 % abgesichert. Die Chancen die Währungen bieten werden jedoch bei keiner dieser beiden Vorgehensweisen wahrgenommen. Die ursprünglich 100% Absicherung des Investments greift nur bei gleichbleibender Marktbewertung des ausländischen Investments, meist ist dies jedoch eine rein hypothetische Annahme. Als Lösung bieten sich hier z.B. variable Absicherungsquoten an, sie setzen jedoch eine fundierte Meinung zur Devisenentwicklung voraus.
Auch die Cashflows, die aus Devisengeschäften entstehen, werden oftmals unterschätzt; am Beispiel einer Immobilienabsicherung lässt sich dies kurz anschaulich erklären: Eine Immobilie in Polen wird erworben und das Währungsrisiko der Investition soll eliminiert werden. In der Praxis werden solche Absicherungen auf einer jährlich rollierenden Basis abgeschlossen. Nehmen wir an ein Jahr später ist der Kurs des polnischen Zlotys gestiegen, d.h. eine anschließende Absicherung muss nun zu einem höheren Basiskurs abgeschlossen werden. Die Absicherung des Gesamtinvestments ist zwar gegeben, allerdings sind die entstandenen Verluste des Devisengeschäftes bei Fälligkeit auszugleichen. Dieser Cashflow muss also bezahlt werden, ohne dass die Basisinvestition liquidiert wird.
Unabhängig von reinen Absicherungen für Fremdwährungsinvestments sollten aber eher die Ertragschancen im Devisenmarkt genutzt werden; dies ist am einfachsten durch eine Bereitstellung von Risikokapital in einem Managed Account oder innerhalb eines bereits bestehenden Fonds.

DIE STIFTUNG: Was sind die Vorzüge eines Währungsinvestments?
Kreft
: Die Finanzkrise hat deutlich gezeigt wie wichtig Liquidität, Transparenz und vor allem eine taggenaue Bewertung der investierten Finanzprodukte sind. Investments in Devisen bieten genau diese Vorzüge: Devisen sind nahezu rund um die Uhr handelbar, bieten eine Markttiefe wie kein anderes Produkt und sind dadurch jederzeit bewertbar. Zudem sind Investments in Währungen nicht korreliert zu anderen Assetklassen.
Ein reines Währungsinvestment ist möglich als Managed Account oder als Vergabe von Risikokapital in Subfonds. Dadurch ist eine klare Abgrenzung zu den anderen Investments durch strikt getrennte GuV-Rechnung gewährleistet.

DIE STIFTUNG: Gibt es in Ihren Augen absehbare klare Aufwertungs- und Abwertungskandidaten unter den Währungen?
Kerszt
: Im heutigen Marktumfeld ist eine seriöse Aussage über klare Ab-/Aufwertungskandidaten, die einen kurzfristigen Zeitraum übersteigen, nicht wirklich möglich. Derzeit wird der Markt dominiert von politischen Ereignissen, die mit der klassischen fundamentalen wirtschaftlichen Analyse nichts gemein haben.
Ausschlaggebend bei einem erfolgreichen Währungsinvestment ist höchste Flexibilität und schnelles Agieren, die eine durchgehend konstante Beobachtung und Analyse der Märkte voraussetzt.

DIE STIFTUNG: Und natürlich darf eine etwas kecke Frage nicht fehlen: Zahlen wir in einem Jahr noch mit dem Euro?
Quelle: panthermedia/CandyBox ImagesKreft: Auch dies ist eher eine Frage der Einschätzung zu den aktuellen politischen Prozessen. Langfristig wird der Euro in der heutigen Form wohl nicht existieren können. Stark vereinfacht dargestellt, ist eine gesamtschuldnerische Haftung im Euroraum eine zwingende Voraussetzung für eine gemeinschaftliche Währung oder die Rückkehr zu individuell auf- oder abwertbaren Währungen ist unvermeidlich.
Das muss allerdings nicht unbedingt bedeuten, dass wir zu den früheren Währungen zurückkehren; viel wahrscheinlicher ist die Aufspaltung des Euros in einen Währungsblock der „Hartwährungsländer“ (Deutschland, Niederlande, Luxemburg, Österreich) und der „Weichwährungsländer“ (Portugal, Spanien, Italien).
Über die Umsetzung der politisch motivierten Vision eines vereinten Europas eine zuverlässige Prognose zu geben ist derzeit kaum möglich. Entscheidend für Gewinne an den Währungsmärkten bleibt das richtige Timing und ein konsequentes Risikomanagement.

Marion Kreft und Daniel Kerszt verfügen über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Devisenmanagement. Beide arbeiteten bei führenden Finanzinstitutionen in München, Frankfurt und London in ergebnisverantwortlichen Positionen. Aufgrund ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit gründeten sie in 2012 ihre eigene Firma, FX Alpha Investments GmbH, die sowohl verschiedene Investmentstrategien als auch Consulting in Währungsfragen für den professionellen Investor anbietet.

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