10.12.2019 | Von Die Stiftung

„Ansehnliche Ausschüttungsreserve gebildet“

Im Fondsinterview 6/2010 gibt Jörg Müller, Advice&Opinion Asset Management, Einblicke in die Strategie des College Fonds A. Von Stefan Preuß

Foto: Petra Bork/pixelio.de

Herr Müller, derzeit liegt der College Fonds A deutlich im Plus YTD. Was waren die Ertragstreiber?

Jörg Müller: Die College Fonds Strategie beruht auf drei Standbeinen. Möglichst gering schwankende hochliquide, dauerhaft ertragsstarke Qualitätsaktien mit soliden Bilanzen und hoher Dividende. Dazu kommt eine Mischung aus soliden Anleihen ebensolcher Unternehmen plus deutsche Staatsanleihen. Das dritte Standbein ist die Beimischung von Gold zur Diversifikation. Alle drei Säulen haben zu den Erträgen beigetragen.

Die Aktienquote beträgt derzeit etwa 50 Prozent. Riskant angesichts sich abzeichnender sinkender Unternehmensgewinne?

Jörg Müller verfügt über mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in der Investmentbranche. Foto: Advice & Opinion Asset Management

Müller: Der College Fonds ist ein Mischfonds, angelehnt an die Anlagekonzepte der großen Fonds der Universitäten Harvard und Yale in den Vereinigten Staaten. Deren Stiftungsfonds beinhalten auch höhere Aktienanteile, was deren Performance deutlich befördert hat. Höhere Aktienquoten empfehlen wir im Zuge der akuten Nullzinspolitik und der Finanzrepression auch für deutsche Stiftungen. Den starken Ausverkauf im Winter 2019 haben die Low-Vola-Aktien im Fonds gut gemeistert. Sie sind deutlich weniger gefallen, als die Aktienindizes. In guten Zeiten steigen Low-Vola-Aktien mit dem Markt und in schlechten Zeiten fallen diese deutlich weniger als der Markt. Der College Fonds verlor in 2018 sehr unterdurchschnittlich. In 2019 konnte er mit zehn Prozent Kursanstieg deutlich zulegen.

Sie sprechen von Low Volatility-Aktien. Wie funktioniert der Ansatz?

Müller: Nach immer noch vorherrschender Meinung vieler Investmentexperten versprechen höhere Risiken entsprechend höhere Renditen. Dem widerspricht aktuelles Research internationaler Investmenthäuser zum Thema Low Volatility: Denn systematisch wird man mit höherem Risiko vermutlich keinen höheren Ertrag erzielen können. So belegen Studien, dass es möglich ist mit einem Aktienportfolio – bestehend aus schwankungsarmen Aktien – mindestens die Marktrendite zu erzielen und das bei deutlich geringerer Volatilität. Faktisch wurde in den Studien sogar eine Überschussrendite nachgewiesen. Damit kann der Anleger sich mehr Aktien leisten, weil das College Fonds Aktienpaket weniger schwankt als ein Indexpaket. Die für den Fonds ausgewählten Unternehmen müssen zudem solide Überschüsse generieren, so dass die Dividenden auch sicher sind. Somit erzielt der Anleger auf einen höheren Aktienanteil höhere Dividendeneinnahmen.

Sie haben Gold als ETF im Portfolio. Absicherung, Edelmetallstrategie oder war das ein opportunistisches Investment?

Müller: Die Beimischung von Gold dient insbesondere zur Diversifikation und als Schutz vor stark ansteigender Verschuldung und Krisensituationen. Die aktuelle Quote beträgt sechs Prozent vom Fondsvolumen. Mit 18 Prozent Performance in diesem Jahr hat Gold auch einen schönen Beitrag geleistet.

Was planen Sie mittelfristig auszuschütten, haben sie bereits eine Ausschüttungsreserve bilden können, um den Stiftungen Planungssicherheit verschaffen zu können?

Müller: Die letzte Ausschüttung betrug 1,40 Euro bzw. 2,65 Prozent per annum und wird auch für 2019 so erwartet. Trotz auslaufender hoher Kupons bei Anleihen wird für die kommenden Jahre eine Ausschüttung bei 2 Prozent p.a. angestrebt. Der Fonds hat mittlerweile eine ansehnliche Ausschüttungsreserve durch realisierte Kursgewinne erwirtschaftet. Aus steuerlichen Gründen ist es vorerst nicht ratsam, diese auszuschütten.

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