07.08.2012 | Von Die Stiftung

BlackRock Sovereign Risk Index – Juli 2012

Der BlackRock Sovereign Risk Index (BSRI) bietet Investoren einen Rahmen, um die Kreditrisiken von Staaten zu bewerten. Auf der Basis eines Pools aus Finanzdaten, Umfragen und politischen Analysen wird im BSRI das Kreditrisiko von derzeit 48 Staaten beurteilt.

Der BlackRock Sovereign Risk Index (BSRI) bietet Investoren einen Rahmen, um die Kreditrisiken von Staaten zu bewerten. Auf der Basis eines Pools aus Finanzdaten, Umfragen und politischen Analysen wird im BSRI das Kreditrisiko von derzeit 48 Staaten beurteilt. Aktuell sind Malaysia und Südafrika die größten Gewinner und Indonesien, China, Mexiko und Österreich die Verlierer im Ranking. Indien und Spanien erlitten die stärksten Verschlechterungen im BSRI-Profil, ohne jedoch einen Rang einzubüßen.

Die Gewinner des Quartals
Malaysia ist um drei Ränge auf Rang 16 vorgerückt. Dies ist die größte Bewegung im BSRI nach oben in diesem Quartal. Der asiatische Tigerstaat konnte den Schwung über den Jahreswechsel mitnehmen, als das Bruttoinlandsprodukt überraschend stark anstieg. Zwar entwickelten sich die Quelle: panthermedia/maksym yemelyanovNettoexporte nur mäßig, aber Malaysia profitierte vom starken Privatkonsum und dem Anstieg der Investitionen. Eine niedrigere kurzfristige Verschuldung und eine komfortablere Lage seine Schulden zu bedienen, verbesserten zudem Malaysias finanzpolitischen Spielraum.

Ebenfalls um drei Ränge aufgestiegen ist Südafrika. Rang 32 verdankt das Land stärker gestiegenen Wachstumsprognosen und dem erfolgreichen Abbau externer Schulden. Auch Frankreich kletterte nach oben: um zwei Ränge auf Rang 25. Eine stärker wahrgenommene Regierungsstabilität nach der Wahl des Präsidenten Franḉois Hollande und eine strengere Haushaltsdisziplin sorgten für die Aufwertung.

Große Probleme in Indien und Spanien
Die Schuldenprofile von Indien und Spanien haben sich dagegen aufgrund der erhöhten Staatsverschuldung und schwächer ausgefallenen Wirtschaftsprognosen markant verschlechtert. Dennoch behielten die Länder behielten ihre Ränge 39 und 40 im BSRI-Rankings. Indien wird mit nachlassendem Wachstum, klaffenden Haushaltsdefiziten und Kapitalflucht konfrontiert: Besonders die Hauptkategorie „Fiskalischer Spielraum“ litt unter gestiegenen Staatsschulden, eingeschränktem Zugang zu den Kapitalmärkten und niedrigen Wachstumsprognosen. Damit setzt Indien seine stetige Verschlechterung seit dem vierten Quartal 2011 fort.

Auch Spaniens Profil hat Schlagseite bekommen. Gestiegene Schulden und niedrige Wachstumsprognosen beeinträchtigten die Wertung bei der Hauptkategorie „Fiskalischer Spielraum“. Stark gefallen ist auch die Hauptkategorie „Gesundheit des Finanzsektors“ nach der Bekanntgabe, dass zahlreiche spanische Banken weitere Kapitalspritzen im Kampf gegen faule Immobilienkredite benötigen. Wie die europäischen Staaten mit ihrer Zustimmung zu einer Rekapitalisierung der spanischen Banken erkannten, ist Spaniens schwacher Bankensektor die Achillesferse der Eurozone.

Indonesien verliert die meisten Ränge
Mit einem Abstieg um gleich fünf Ränge auf Rang 33, ist Indonesien der größte Verlierer in diesem Quartal. Der Abstieg ist mehreren Faktoren geschuldet: Gestiegene kurzfristige Schulden, eine wahrgenommene Verschlechterung des Investitionsklimas und ein gesunkenes Verhältnis von Eigenkapital zu Vermögenswerten sind die Hauptgründe. Indonesiens Exportwirtschaft brummt, aber um das hartnäckige Leistungsbilanzdefizit auszugleichen, sind Kapitalzuflüsse erforderlich. Obergrenzen für ausländische Investitionen und Rohstoffexporte könnten dies jedoch erschweren.

Weitere Absteiger waren Österreich (minus zwei Ränge auf Rang 18) und China, das ebenfalls zwei Ränge verlor und nun auf Rang 20 notiert. Obwohl sich Mexikos Gesamtschuldenstand leicht verbesserte, verlor das Land im BSRI-Ranking dennoch zwei Ränge. Rang 35 ist vor allem durch die Bewegungen anderer Länder zustande gekommen.

Was ist der BlackRock Sovereign Risk Index?
Der BSRI verwendet mehr als 30 quantitative Kennzahlen und ergänzt sie um qualitative Erkenntnisse dritter Parteien. Der Index analysiert die Daten entlang von vier Hauptkategorien, die alle in die Berechnung der BSRI-Punktezahl und des BSRI-Ranges eines Landes einfließen: Fiskalischer Spielraum (40%), Zahlungsbereitschaft (30%), externe Finanzierung (20%) und Gesundheit des Finanzsektors (10%).

Fiskalischer Spielraum beinhaltet Kennzahlen wie das Verhältnis des Schuldenstands zum BIP, die Fälligkeitsstruktur der Schulden, Steuereinnahmen und Abhängigkeitsquotienten. Zahlungsbereitschaft misst die wahrgenommene Effektivität und Stabilität einer Regierung sowie Faktoren wie Korruption. In der Externen Finanzierung geht es um die Belastung durch Schulden in ausländischen Währungen und den gegenwärtigen Kontostand. Gesundheit des Finanzsektors schätzt die Stärke des Bankensystems.

Hinweise: Die Zahlen, die Eingang in den BSRI finden, werden unregelmäßig aktualisiert. Das bedeutet, dass manche Änderungen in den Bewertungen nur auf das Timing der Veröffentlichung dieser Zahlen zurückzuführen sind. Kleine Änderungen in den Bewertungen können große Änderungen in den Einstufungen nach sich ziehen, da im Index viele Werte zusammengefasst sind. Schließlich ist der BSRI nicht dazu gedacht, die Kreditwürdigkeit von Staaten vorherzusagen.

Ewen Cameron Watt ist Chef-Stratege beim BlackRock Investment Institute.

Artikel teilen