10.09.2012 | Von Die Stiftung

Denn sie wissen was sie tun

Die Serie „Stiftungsfonds: Profile, Personen und Performances“ im Magazin DIE STIFTUNG analysiert seit zweieinhalb Jahren rund 30 Anlageprodukte, die speziell für Stiftungen konzipiert wurden. Relativ oft wurde an dieser Stelle die Wertentwicklung kritisiert, die Stiftungseignung hinterfragt. Wie haben sich aber die Dinosaurier unter den Stiftungsfonds geschlagen? Also jene Fonds, die vor zehn oder mehr Jahren aufgelegt wurden. Auf den ersten Blick mindestens passabel.
von Tobias M. Karow

Zur Gruppe der Stiftungsfonds, die seit mindestens einem Jahrzehnt existieren, zählen nur eine Hand voll Fonds. Hierzu gehören u.a. der Deka Stiftungen Balance, der DWS Stiftungsfonds, der F&C HVB Stiftungsfonds, der Union Liga-Pax-Balance Stiftungsfonds sowie der Merck Finck Stiftungsfonds.

Letzterer weist sogar eine noch längere Historie aus, denn der Fonds wurde im Jahr 1990 lanciert. Mit etwa 30 Mio. EUR Volumen gehört er zu den mittelgroßen Stiftungsfonds, und das Besondere an ihm ist die enorm lange Laufzeit. Mehr als 20 Jahre existieren heute die wenigsten Fonds, das spricht eindeutig dafür, dass hier nicht ein Modethema in einen Fonds gepackt wurde, sondern ein strategisches Interesse für den Stiftungssektor vorhanden ist. Der Merck Finck Stiftungsfonds (WKN: 848 398, ISIN: DE0008483983) wird fast schon als klassischer Mischfonds geführt und darf laut Monatsbericht „aktienorientierte Anlageformen“ mit bis zu 30% beimischen. Ausgewählt werden die Anlageinstrumente nach „Einschätzung der Wirtschafts- und Kapitalmarktlage“.

Aktuell liegt der Aktienanteil im Fonds bei gut 12%, Rentenpapiere werden dagegen mit 61% gewichtet. Abgerundet wird das Portfolio noch mit 16% Zertifikaten und einem Bankguthaben von etwa 11%.

Keine Bundesanleihen? Geht das?
Der Rentenanteil weist dabei eine Besonderheit auf: Momentan ist kein Wertpapier der Bundesrepublik enthalten, stattdessen setzt das Fondsmanagement auf Zinstitel unter anderem aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Portugal und Spanien. Damit wird das Fondsdepot gezielt antizyklisch bestückt, denn eine deutsche Bundesanleihe findet sich heute fast noch in jedem Fondsportfolio.

Auf Ebene der Einzelpositionen wiederum dominieren Papiere von Finanzinstituten und Industrieunternehmen. Das Aktienportfolio ist recht kleinteilig strukturiert, die größte Position ist der französische Ölkonzern Total (mit 1,1% Portfoliogewicht), gefolgt vom Pharmariesen Sanofi und dem italienischen Versorger Eni. Ganz klar: Hier dominieren die Standardwerte, vor allem aus Westeuropa. Auch das mag zum Nachdenken anregen, allerdings scheint der Fonds in den vergangenen 20 Jahren mit seiner Portfoliostrategie gut gefahren zu sein.

Gut durchgekommen
Ein Blick auf den Chart beweist, dass einzig die Phasen 1994/1995, 2001/2002, 2008/2009 sowie der August 2012 sichtbare Blessuren in der Performance des Merck Finck Stiftungsfonds hinterlassen haben. Diese Zeiträume waren aber auch insgesamt höchst schwierig zu bewältigen. Dies zeigt wieder einmal, dass sich gerade Stiftungen durchaus von einer Politik der ruhigen Hand leiten lassen können, insofern die grundsätzliche Portfolioaufteilung stimmig ist. Vor allem waren diese Börsenphasen jeweils von anderen Verwerfungen geprägt, wie beispielsweise stark steigende Renditen anno 1994 oder dem Platzen einer Spekulationsblase anno 2000, sodass den Fondslenkern die Fähigkeit zur Anpassung an verschiedene Umfelder zugesprochen werden muss.

Auch ist anzumerken, dass der Fonds über die vergangenen 20 Jahre mit einer Schwankungsbreite von lediglich 3,65% aufwartete. Stiftungen dürften sich hieran orientieren, wenn sie einen für sie geeigneten Fonds suchen.

Vor allem aber „produzierte“ der Fonds nur fünfmal markante Kursverluste, und diese sind nun einmal der Gradmesser dafür, was Stiftungen zwischenzeitlich aushalten mussten, wenn sie den Fonds im Portfolio gehalten hätten. Der Dinosaurier unter den Stiftungsfonds ist also ein Beispiel dafür, dass Stiftungen sich durchaus vom Quartalsdenken der Börse lösen können, im Sinne ihrer eigenen Zielsystematiken sogar lösen müssen.

Mit der Mathematik auf Prozentejagd
Ein anderer schon lange etablierter Stiftungsfonds ist der im April 2003 aufgelegte Deka Stiftungen Balance (WKN: 589 686, ISIN: DE0005896864). Mit Hilfe eines mathematischen Modells werden für den Fonds in der Regel Anleihen aus den USA, der Eurozone und Großbritannien sowie europäische Aktien selektiert. Die Anlageinstrumente werden je nach ihren individuellen Aussichten entsprechend gewichtet. Sagt das Modell also, Aktien müssten höher gewichtet werden, dann wird dies im Fonds entsprechend umgesetzt.

Aktuell sind die Prognosen für die Aktienmärkte „rückläufig“, wie es im Fondsportrait heißt, entsprechend wurde der Aktienanteil jüngst zurückgefahren. Damit beträgt dieser gegenwärtig gut 22%, das ist für einen Stiftungsfonds eine immer noch konstruktive Haltung. Bei den Anleihen dominieren Titel aus der Bundesrepublik sowie aus Großbritannien und Frankreich.

Die Allokation ist damit stark Standardtitel-getrieben, sowohl im Aktien- als auch im Rentenbereich. Der Deka Stiftungen Balance ist damit aber recht erfolgreich, worauf auch das Fondsvolumen hindeutet. Gut 1 Mrd. EUR haben Anleger dem Fondsmanagement mittlerweile anvertraut. Er ist damit der größte aller am Markt befindlichen Stiftungsfonds.

Gut durch die Börsenbaisse gekommen
Der Fonds ist für Stiftungen geeignet, schafft er es doch, große Rücksetzer weitestgehend zu vermeiden. Selbst 2008, als jede Aktienquote tiefe Einschnitte für Anlageportfolios bedeutete, konnte der Deka Stiftungen Balance sich einigermaßen gegen die scharfe Korrektur wehren. Was dem Portfolio jedoch zusetzt, sind Börsenphasen wie zwischen Ende 2010 und dem ersten Quartal 2012, also Märkte, die keine klare Tendenz ausprägen.

Dies scheint auch nicht das Metier des seit Juli 2001 existierenden F&C HVB Stiftungsfonds (WKN: 694013, ISIN: LU0132935627) zu sein. Stiftungen müssen bei diesem Fonds etwas höhere Schwankungen in Kauf nehmen – zumindest in Phasen, in denen die Börsen eine Grippe haben.

An dem Fonds lässt sich sehr schön nachzeichnen, wie ein Mischfonds je nach Börsenphase „funktioniert“. Steigen die Börsen, läuft er gemächlich mit, kann aber mit dem Aktienmarkt nicht gänzlich mithalten. Das kommt dem Fonds dann zugute, wenn es an der Börse knallt: Während des 2008er Crashs verlor der Fonds lediglich 8,2%, das ist selbst für eine Stiftung verschmerzbar. Der F&C HVB Stiftungsfonds kann also Kursabschläge begrenzen. In einer darauf folgenden Erholung ist er dazu schnell in der Lage, die Verluste rasch wieder aufzuholen.

Aktienquote ausgeschöpft

Aktuell liegt der Aktienanteil bei 36,8% (und damit sogar über der vorgegebenen Quote von 35%), jener der Anleihen bei 60,8%. Diese relativ hohe Gewichtung, vor allem im Vergleich zu anderen Stiftungsfonds, erklärt auch, dass der Fonds aktuell nicht richtig „vorankommt“, denn die Aktienmärkte tun sich auch schwer, sich gegen die allgemeine Malaise aus Schuldenkrise und Rezessionsängsten zu stemmen. Legt die Börse den Schalter in Richtung Hausse um, dann wäre dies für die Performance des Fonds sehr zuträglich. Noch dazu, wo es durchaus gute Gründe gibt, in der aktuellen Situation die Aktienquote substanziell zu erhöhen.

Der F&C HVB Stiftungsfonds vertraut im Bereich der Renten nach wie vor stark auf Bundesanleihen und berücksichtigt hier alle Laufzeiten zwischen 2014 und 2020. Mit gut 356 Mio. EUR Volumen ist der Fonds der zweitgrößte der in Deutschland lancierten Stiftungsfonds und kann durch seine lange Historie jene Geschichte erzählen, die Stiftungen hören wollen: „In guten Zeiten dabei, in schlechten besser als der Index. Und dazu noch regelmäßig Ausschüttungen bekommen.“ Die Ausschüttungshöhe wird dabei 13 Monate vor der tatsächlichen Ausschüttung ermittelt, womit Stiftungen ein hohes Maß an Planungssicherheit haben.

Als Ziel gibt das Fondsmanagement um Chris Childs an, dass die Ausschüttung 1% oberhalb 12-Monats-Zinssatz (EURIBOR) liegen soll. Das ist aktuell nicht viel, aber Stiftungen haben die Chance, an einer Aktienhausse angemessen zu partizipieren, und Unternehmen schütten ja auch Dividenden aus, die in Zeiten wie diesen einen nicht zu unterschätzenden Anteil an den Erträgen ausmachen können.

Europäische Aktien, europäische Renten
Der drittgrößte Stiftungsfonds kommt aus dem Hause DWS. Der DWS Stiftungsfonds (WKN: 531 840, ISIN: DE0005318406) verwaltet ein Volumen von rund 300 Mio. EUR. Bei der Emission im April 2002 hieß der Fonds noch DVG Stiftungsfonds und setzte „langfristigen Kapitalerhalt und begrenztes Risiko“ in den Vordergrund. Der Anlageschwerpunkt liegt auf europäischen Rentenpapieren, zudem kann eine Aktienquote von bis zu 30% aufgebaut werden. Auch hier vertraut das Fondsmanagement auf Titel aus Europa. Der Rentenanteil ist breit gestreut, es dominieren Papiere aus Deutschland, Spanien und Italien. Als Beimischung werden auch Anleihen aus Litauen, Kroatien und Schweden berücksichtigt.

Von der Wertentwicklung her hinkt er etwas hinter anderen vergleichbaren Fonds hinterher, dennoch muss dem Fonds im Falle einer Hausse eine ordentliche Performancefähigkeit attestiert werden: Zwischen Auflage im April 2002 und Ende 2007 konnte er eine ansprechende Wertentwicklung zeigen. Die Abschläge im Zuge der Finanzkrise halbierten dann diese Zuwächse, bis heute konnten diese aber wieder vollends ausgeglichen werden.

Gerechnet auf die Periode seit Auflage nimmt sich die Volatilität mit knapp 3% äußerst bescheiden aus. Der maximale Abschlag lag bei gut 15%, das dürfte vermutlich etwas über der Toleranzgrenze einer normalen Stiftung liegen. Damit könnte der Fonds für einige Stiftungen als Basisvehikel, mit dem die komplette Vermögensverwaltung umgesetzt wird, ausfallen. Für aktiver agierende Stiftungen jedoch kann der DWS Stiftungsfonds eine geeignete Lösung darstellen.

Ein Fonds, zwei Leben
Ein ähnliches Performancebild zeichnet der im Mai 2000 aufgelegte Union Liga-Pax-Balance Stiftungsfonds (WKN: 531 421, ISIN: DE0005314215). Auch dieser Fonds konnte in der Hausse zwischen 2003 und 2007 schöne Ergebnisse liefern, fiel dann aber zurück, als es zwischen Ende 2007 und März 2009 an den Märkten zur Sache ging. Auch das Jahr 2011 war sehr schwierig für den Fonds, jedoch konnte er dies hinter sich lassen durch einen merklichen Anstieg im laufenden Jahr 2012.

Die Anlageresultate sind also durchaus zufriedenstellend, wenngleich Stiftungen auch hier eine gewisse Rückschlagstoleranz mitbringen müssen. Denn auch dieser Fonds verlor im Jahr 2008 immerhin etwa 15%. Allerdings hat der Fonds auch schon zwei Leben hinter sich. Denn aufgelegt wurde er inmitten der Dotcom-Blase, und die seitdem aufgelaufenen Verluste konnte der Fonds bis heute noch nicht wieder egalisieren.

Der Fonds investiert insgesamt in europäische Anleihen und internationale Aktien. Aktuell sind Anleihen mit 74,5% im Depot enthalten, Aktien mit einem Gewicht von 20% berücksichtigt. Hier wiederum werden vor allem Titel aus den USA wertgeschätzt, gefolgt von deutschen, britischen und französischen Dividendenpapieren.

Bezogen auf die Stiftungseignung gehört er zu den Fonds, die „ihren“ Weg erst finden mussten und vor allem in den letzten Jahren gezeigt haben, dass sie stiftungsgeeignet sind. Platz nach oben, die Schwankungsbreite noch stärker einzuschränken und die Performance weiter zu verstetigen, hat der Fonds aber auf jeden Fall.

Fazit
Die ältesten der Stiftungsfonds haben schon eine Menge durchgemacht. Aufgelegt inmitten einer Krise, mussten sie mit der Finanzkrise den nächsten Crash verkraften. Angesichts dessen muss ihnen attestiert werden, sich zumeist gut gehalten und bisweilen sogar positiv überrascht zu haben. Denn nicht viele Fonds können von sich behaupten, ihre Verluste aus den Krisen bereits wieder egalisiert zu haben.

Ihre Stiftungseignung ist vorhanden, wenngleich Stiftungen nicht von jedem der Fonds erwarten können, ihre komplette vermögensverwaltende Anforderung an einen Stiftungsfonds erfüllen zu können. Aber die Dinosaurier unter den Stiftungsfonds zeichnen einen Querschnitt dessen, was Stiftungen von einem Stiftungsfonds beziehungsweise stiftungsgeeigneten Fonds erwarten dürfen. Und mit weniger sollten sich Stiftungen auch nicht zufrieden geben.

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