06.05.2015 | Von Die Stiftung

„Der Asset-Manager muss Immobilie können“

DIE STIFTUNG: Wie bewerten Sie die börsennotierten Immobiliengesellschaften, deren Aktien sich Stiftungen ja auch ins Depot legen könnten: Sinnvoll oder doppeltes Risiko, weil zum Unternehmensrisiko auch noch die Volatilität der Aktie kommt?
Heimburger: Diese Aktien können zu gegebener Zeit in Stiftungsportfolios passen, aber sie fallen dann unter das Aktienkontingent und nicht in die Immobilienquote.

Meyer: Wir haben in der Phase, als die offenen Immobilienfonds mit den diversen neuen Regulierungen in der Umbruchphase waren, gesehen, dass einige Stiftungen mit Immobilienaktien geliebäugelt haben. Dies haben sie dann aber überwiegend nicht umgesetzt, weil zwar die tägliche Liquidität lockt, aber letztlich überwiegt, dass Stiftungen sich über Immobilieninvestments keine Volatilität ins Portfolio holen wollen. Untersuchungen haben klar gezeigt, dass Immobilienaktien stark mit dem DAX korrelieren, während Wohnimmobilien eine leicht negative Korrelation mit dem DAX aufweisen. Und das ist genau das, was Stiftungen mit Immobilien wollen: Einen stabilen Portfoliobaustein, der kaum mit anderen Assetklassen korreliert.

Fabianke: Stiftungen sind ja grundsätzlich für die Ewigkeit ausgelegt. Da spielt Fungibilität eine eher untergeordnete Rolle. Planbare und regelmäßige Ausschüttungen aber schon. Entscheidend ist auch hier wieder eine Ausgewogenheit im Gesamtportfolio zu erzielen. Wenn die Qualität stimmt, können viele Produktkategorien ihre Berechtigung haben.

Ottemann: Das hängt auch vom Risikobudget des Investors ab. Solche Titel können eine Beimischung sein, sind aber in jedem Fall auf die Aktienquote anzurechnen.

Muno: Das ist auch wieder eine Frage der Mitbestimmung. Wenn ich nur wenige Aktien halte, kann ich auf der Hauptversammlung relativ wenig zur Meinungsbildung beitragen. Das ist bei AIFs besser, wo ich ja auch zur Verwendung des Ertrags gefragt werde.

Kraft: Und bei Immobilieninvestments kommt es nicht wirklich auf eine tägliche Verfügbarkeit an. Wichtiger ist hier der stabile Cashflow mit dem die Investoren, z.B. Stiftungen, planen können.

DIE STIFTUNG: Nochmal zurück zum OLG-Urteil: Wie kann nach dem Urteil eine Anlageberatung zu Immobilieninvestments, die rechtlich sicher ist, für Stiftungen aussehen?
Heimburger: Die Frage nach der Rechtssicherheit bei der Beratung von Stiftungen stellt sich mehr denn je. Nicht ein Produkt steht im Vordergrund, sondern die Frage: Was hat eine Stiftung in ihren Anlagerichtlinien definiert? Mit dem Urteil ist ja nicht ausgeschlossen, dass Stiftungen solche Vehikel nutzen, es muss nur der Rechtsrahmen klar abgesteckt sein.

Kraft: Vieles hat sich in der neuen Zeit nach dem KAGB geändert mit einem intensiven Risikomanagement, Offenlegungspflichten, Transparenz, Reporting usw. Das passt in der neuen voll regulierten Welt natürlich alles viel besser zu den Bedürfnissen einer Stiftung als früher.

Ottemann: Der Publikums-AIF muss genau die gleichen Voraussetzungen erfüllen wie ein offener Spezial-AIF, der für institutionelle Investoren geeignet ist. Beide Vehikel haben das gleiche Reporting, die gleich hohe Transparenz. Und die Anbieter haben heute einen Kundenannahmeprozess, in dem die Kunden entsprechend der Vorkenntnisse beraten werden.

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