19.09.2016 | Von Die Stiftung

Roundtable: Immobilien – die neue Anleihe?

Im Gespräch mit der STIFTUNG gaben die Experten Alexander Eggert (Warburg-HIH Invest Real Estate), Johannes Glasl (EURO Risk Immobilien Service) Thomas Meyer (Wertgrund Immobilien), Klaus Niewöhner-Pape (Industria Wohnen) und Verena von Tresckow-Bronke (Baker Tilly Roelfs) tiefe Einblicke in den Immobilienmarkt und den Einsatz von Alternativen Investmentfonds.

Im Gespräch mit der STIFTUNG gaben die Experten Alexander Eggert (Warburg-HIH Invest Real Estate), Johannes Glasl (EURO Risk Immobilien Service), Thomas Meyer (Wertgrund Immobilien), Klaus Niewöhner-Pape (Industria Wohnen) und Verena von Tresckow-Bronke (Baker Tilly Roelfs) tiefe Einblicke in den Immobilienmarkt und den Einsatz von Alternativen Investmentfonds.

 

„Die Immobilie ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden ausgewogenen Portfolios.“ Alexander Eggert ist Geschäftsführer bei Warburg-HIH Invest Real Estate und verantwortet die Bereiche Produkt-, Unternehmens- und Fondsmanagement. Das Unternehmen bietet als Immobilien-Investmentmanager das gesamte Spektrum an nationalen und internationalen Investments für institutionelle Investoren und verfügt über ein Immobilienvermögen von 5,7 Mrd. EUR.
„Die Immobilie ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden ausgewogenen Portfolios.“
Alexander Eggert ist Geschäftsführer bei Warburg-HIH Invest Real Estate und verantwortet die Bereiche Produkt-, Unternehmens- und Fondsmanagement. Das Unternehmen bietet als Immobilien-Investmentmanager das gesamte Spektrum an nationalen und internationalen Investments für institutionelle Investoren und verfügt über ein Immobilienvermögen von 5,7 Mrd. EUR.

DIE STIFTUNG: Zu Beginn eine ganz einfache Frage: Warum sollten Stiftungen in Immobilien investieren?
Alexander Eggert: Die Immobilie ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden ausgewogenen Portfolios. Es ist ein Realinvestment, das im Gegensatz zu Anleihen ein Stück weit inflationsgesichert ist. Stiftungen können damit den Realerhalt sicherstellen, haben aber auch laufende Ausschüttungen, um den Stiftungszweck zu verfolgen. Welche Anlageopportunität bietet dies sonst noch? Aktien sind im Vergleich dazu sehr volatil. Die typischen Risiken bei Immobilienanlagen, etwa die Illiquidität, werden derzeit mit einer Risikoprämie von 3 bis 4% gegenüber Staatsanleihen mit guter Bonität vergütet. Das ist ein sehr guter Wert und wir erleben daher, dass ein wachsender Teil institutioneller Anleger an Immobilen interessiert ist.

Klaus Niewöhner-Pape: Stiftungen, die einen langfristigen Horizont haben, können wir Renditen bieten, die andere Anlageklassen mit vergleichbar geringen Risiken nicht bieten, solange wir nicht in eine Blase reinlaufen. Eine Anlage macht erst ab einer Haltedauer von  mindestens fünf Jahren Sinn. Für Verbrauchsstiftungen kommen daher Immobilienanlagen  eher weniger infrage.

Verena von Tresckow-Bonke: Die vermietete Immobilie ist eine Sache, die einem Stifter gut vermittelt werden kann. Wenn eine Stiftung langfristig Immobilien hält, kann sie in der Niedrigzinsphase nachhaltig Erträge erzielen und so die Basis schaffen für das Erfüllen von Satzungszwecken. Man kann – je nach Struktur der Stiftung – auch erreichen, dass eine Immobilie Hilfsmittel zur Erfüllung des Satzungszweckes sein kann, man denke z.B. an eine Stiftung, die Altenheime betreibt und die Heime selber baut: man spart hohe Mieten und Pachten. Auf alle Fälle wird die Stiftung versuchen, die Immobilien bei der Vier-Sphären-Abgrenzung – ideeller Bereich, Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb, steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb – außerhalb des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs zu halten.

Thomas Meyer: Stabilität und Sicherheit stehen ganz oben auf der Prioritätenliste von Stiftungen. Vor einem Jahr wollten Stifter mit Immobilien noch 4% Rendite erzielen, jetzt sind es 3,5%, in einigen Monaten werden es wahrscheinlich 3% sein. Stiftungsmanager wollen risikogestreute, stabile Anlagen, weshalb ein Trend Richtung Wohnimmobilien geht. Die Stiftungen, mit denen wir sprechen, denken in zehn bis 20 Jahres-Horizonten bei der Immobilienanlage. Furcht besteht natürlich vor Wertverlust, aber die durch ein Immobilieninvestment mögliche negative Korrelation mit dem Kapitalmarkt steht im Vordergrund.

Johannes Glasl: Auch wir beobachten, dass die geringe Volatilität in der Bewertung des Vermögensgegenstands – die in der Gesamtheit einen Kapitalerhalt ermöglicht – , die überschaubaren und in verschiedenen Konstellationen plan- und absicherbaren Risiken, sowie der stabile Cashflow bei Stiftungen im Vordergrund einer Entscheidung für Immobilien stehen.

DIE STIFTUNG: Und was ist speziell der Vorteil von Alternativen Investmentfonds, kurz AIFs?
Eggert: Die Vorteile sind vielfältig, weil AIFs auch vielfältig sind. Bei allen AIFs profitieren Stiftungen von der Transparenz, die durch die Regulierung gegeben ist. Diese Regulatorik sorgt dafür, dass Manager auf Herz und Nieren geprüft werden und die Produkte eine Vielzahl an Anforderungen erfüllen. Des Weiteren bringen AIFs Vorteile in Risikostreuung und Rechnungslegung mit sich. Während AIFs im Sinne von Poolfonds vielen Anlegern – und damit vor allem kleinen Stiftungen – die Möglichkeit bieten, in ein breit diversifiziertes Portfolio zu investieren, können größere Stiftungen in einem Individualfonds die Vorteile eines AIFs nutzen und all Ihre Investments  unter Nutzung von Portfolioeffekten mit einheitlichem  Reporting bündeln.

Artikel teilen