27.09.2013 | Von Die Stiftung

„Impact Investing als eigene Kategorie“

DIE STIFTUNG: Impact Investing bzw. neue Formen des wirkungsorientierten Investierens sind in aller Munde. Warum ist derlei für Stiftungen von besonderer Relevanz?
Oliver Oehri:
In einer Welt, in der staatliche Förderprogramme und private Spenden an ihre Grenzen stoßen, um die sozialen und ökologischen Probleme unserer Welt zu lösen, erschließt wirkungsorientiertes Investieren eine neue Finanzierungsquelle, um einen Beitrag zur Minimierung sozialer und ökologischer Probleme zu leisten. Immer öfter wird heute die Frage nach der Erwirtschaftung der Kapitalerträge und damit nach der Kapitalwirkung gestellt. Die Gründe sind sehr vielseitig – Widerspruchsfreiheit zwischen institutionellem Selbstverständnis und Anlagepolitik erzielen, Geldmittel zweckbezogen mehrfach einsetzen, verborgene Reputationsrisiken vermeiden oder Kapitalerträge stabilisieren. Unter dem englischen Sammelbegriff Mission Investing werden so die Bemühungen seitens der Stiftungen verstanden, ihre Vermögensveranlagung mit der Mittelverwendung in Einklang zu bringen. Unterschieden wird dabei zwischen Impact Investing sowie Responsible Investing. Dabei sei erwähnt dass für Responsible Investing häufig die Begriffe „Socially Responsible Investments (SRI)“ oder „nachhaltige Geldanlagen“ als Synonyme verwendet werden.

DIE STIFTUNG: Mit Ihrer neuen Publikation versuchen Sie, Licht ins Dunkel zu bringen. Wie kam es dazu?
Oehri:
Das Center for Social and Sustainable Products (CSSP) versteht sich als Navigator und Initiator für zahlreiche Nachhaltigkeitsprojekte, mit dem Ziel das öffentliche und private Rollenverständnis der Philanthropie und nachhaltigen Geldanlage zu fördern und zu einer gesteigerten Markttransparenz beizutragen. So ist die CSSP seit vielen Jahren in der Ausbildung und Beratung für unterschiedlichste Akteure tätig. Insbesondere für gemeinnützige Stiftungen haben wir ein deutsches Orientierungswerk vermisst, dass die Themen Philanthropie, Venture Philanthropie, Impact Investing sowie Responsible Investing umfasst. Dank der Unterstützung zahlreicher Gönner konnten wir nun dieses Werk verfassen und kostenlos über die eigens dafür geschaffene Website www.myimpact.li ab 15. Oktober allen interessierten Lesern zur Verfügung stellen.

DIE STIFTUNG: Was sind die neuen Trends beim Impact Investing?
Oehri:
Impact Investing sind Investitionen, die eine messbare positive Kapitalwirkung anstreben. Hierbei steht die Erzielung einer positiven Wirkung im Vordergrund, während die Erzielung eines finanziellen Überschusses oft als zweitrangig erachtet wird. So vielfältig die sozialen und ökologischen Herausforderungen sind, so differenziert sind auch die heut sichtbaren Ansätze von Impact Investing. So können Impact Investments sowohl in Emerging als auch in entwickelten Märkten stattfinden. Die Wirkungsziele, die dabei verfolgt werden können, sind vielfältig, sei es zum Beispiel der erschwingliche Wohnbau, Finanzierung von sozial-motivierten Unternehmen, Förderung nachhaltiger Agrar- und Forstwirtschaft oder Mikrofinanz. Darüber hinaus zeigt sich, dass neben gewinnorientierten Konzepten bereits auch sozial-erfolgsabhängige Investitionskonzepte existieren – beispielsweise das Konzept des Social Impact Bond.

DIE STIFTUNG: Inwiefern können Stiftungen heute bereits Impact Investing betreiben?
Oehri:
Impact Investing kann heute bereits vielfältig betrieben werden. In der Publikation „Moderne Formen der Philanthropie“ versuchen wir am Ende jeden Kapitels – so auch im Kapitel Impact Investing auf weiterführende Informationsplattformen, Datenbanken und spezialisierte Organisationen zu verweisen sowie im Kapitel „Initiativen und Ressourcen“ näher vorzustellen. In der Online Version des Buches ist es daher mühelos möglich das Wissen schnell und einfach zu vertiefen, wie Impact Investing betrieben werden kann.

DIE STIFTUNG: Kann Impact Investing ein Ausweg aus dem vielzitierten Anlagedilemma von Stiftungen bedeuten?
Oehri:
Impact Investing in Kombination mit Responsible Investing hat das Potenzial einen großen Teil des oft traditionell veranlagten Investmentvermögens einer Stiftung für sich zu gewinnen. Diese zwei Anlagekonzepte erlauben der Stiftung einerseits eine gesunde Mischung aus Liquidität, Sicherheit und marktadäquater Rendite als auch andererseits eine gezielte positive Wirkung anzustreben. Es sei aber auch darauf hingewiesen, dass bei beiden Ansätzen Herausforderungen zu bewältigen sind. So zeigen sich bei Impact Investing Konzepten, neben bekannten Risiken aus dem Private Equity Bereich wie zum Beispiel Liquiditäts-, Exit- oder dem Emerging Market Risiko, auch oft beträchtliche Herausforderungen in der Messung der sozialen und ökologischen Wirkung der einzelnen Investitionen.

DIE STIFTUNG: Warum tut sich die Finanzbranche so schwer, geeignete Produkte zu kreieren? Ist hier das Financial Engineering an seinen Grenzen angelangt?
Oehri:
Ich denke auch hier ist zu unterscheiden zwischen Produkten im Bereich von Impact Investing versus Responsible Investing. Beide Anlagekonzepte haben klare Zielsetzungen und eine Berechtigung im Anlageuniversum von Stiftungen. So sehen wir eine Fülle von Produkten im Umfeld von Responsible Investing – allein auf der yourSRI.com Datenbank zeigen sich weltweit über 1.500 Investitionsmöglichkeiten. Impact Investing manifestiert sich erst in den letzten Jahren zu einer eigenen Kategorie und wurde lange mit dem wohl bekanntesten Vertreter „Mikrofinanz“ unter dem Dach von Responsible Investing als so genanntes Themeninvestment subsumiert. Da Impact Investing sich in der Regel auf die Finanzierung von Projekten oder nicht börsennotierten Unternehmen fokussiert, ist der damit verbundene Aufwand erheblich höher einzustufen. Die Nachfrage zeigt aber bereits heute, dass wir sicherlich in nähere Zukunft mehr Produkte erwarten dürfen.

Oliver Oehri ist Gründungspartner des Center for Social and Sustainable Products (CSSP) sowie von yourSRI.com – eine der weltweit führenden Datenbanken rund um das Thema Impact & Responsible Investing. Herr Oehri ist Buchautor, Referent sowie Gastdozent an mehreren europäischen Universitäten.

Lesetipp:

Die Publikation „Formen der modernen Philanthropie. Neue Perspektiven für Stiftungen“ können Sie ab 15. Oktober kostenlos unter www.myimpact.li abrufen.

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