19.06.2012 | Von Die Stiftung

Lieber mehr Risiko als nichts Konkretes

Stifter und Stiftungsorgane lassen sich oft von professionellen Vermögensberatern und -verwaltern unterstützen. Die Vielfalt des Marktes, insbesondere die Anzahl möglicher Partner sowie die unübersehbare Menge der Anlageprodukte, macht dabei ein stringentes Auswahlverfahren unabdingbar. Hier sind die stiftungseigenen Anlagerichtlinien der erste Baustein des Anlageerfolges.

Von Christian Opelt und Jörn Sniehotta

Quelle: panthermedia/Marc DietrichEine alte Weisheit besagt: „Wenn man nicht weiß, wohin man will, dann sind alle Wege recht!“ Kein Vermögensberater wird es Stiftungsorganen recht machen können, die für die Vermögensanlage weder Ziele gesetzt noch einen Handlungsrahmen definiert haben. Die eher ungenauen gesetzlichen Vorgaben an die Anlagestrategie werden leider nur in geringem Maße durch die Rechtsprechung und Verwaltungsanweisungen konkretisiert.

Der in der Satzung manifestierte Wille des Stifters ist für die Definition der Anlagestrategie maßgeblich. Jedoch sollten die Bestimmungen zur Vermögensanlage – ähnlich wie in den Ausführungen zur Umsetzung des Stiftungszwecks – nur grundsätzlicher Art sein. Das dauerhafte Existenzverlangen der Stiftung würden zu konkrete und nur schwer abänderbare Satzungsvorgaben konterkarieren. Die Weiterentwicklungen in den Kapitalmärkten sollten auch in der Zukunft Berücksichtigung finden können. In der Satzung könnte demnach stehen:

Die Anlage des Stiftungsvermögens und der anfallenden Erträge legt der Vorstand fest. Die zulässigen Arten, Quoten und Restriktionen der Vermögensanlage bestimmt der Stiftungsrat in der Anlagerichtlinie (Anlage 1) der Stiftung.

Der Stiftungszweck muss bei der Anlageentscheidung nicht grundsätzlich berücksichtigt werden, es sei denn, die Anlage steht dazu im deutlichen Widerspruch. Dies zeigt sich z.B. bei Stiftungen mit Umweltschutzzwecken oder bei kirchlichen Stiftungen.

Was sollte in den Richtlinien festgelegt werden?
Grundsätzlich stehen Stiftungen alle denkbaren Anlageformen offen. Das Stiftungsvermögen kann in Immobilien, Aktien, Renten und Derivaten sowie sonstige alternative Anlageformen investiert werden. Von den vorstehenden Anlageklassen sind die Anlageinstrumente wie Fondsgestaltungen (offene und geschlossene Fonds) und Einzelwerte zu unterscheiden. Investmentfonds sind z.B. keine eigene Anlageklasse.

Anlagerichtlinien bestimmen, welcher Teil des zu verwaltenden Vermögens in welchen Anlageklassen angelegt werden soll. Hierbei ist es nicht ratsam, einen Mindestprozentsatz des Stiftungsvermögens in einer Anlageklasse anzulegen. Stattdessen sollte die Quote der risikostärkeren Anlageklassen (wie Aktien, Alternative Investments) einen Höchstwert nicht überschreiten. Konkrete Weisungen müssen enthalten sein, wenn bestimmte Anlagen überhaupt nicht erworben werden sollen.

Daneben sind in den Anlagerichtlinien Ausführungen zu Währungen, dem Sitz des Emittenten und der möglichen Anlageinstrumente festzuhalten. Währungen und Länder sollten in Risikoklassen gebündelt werden. Gute Hinweise hierzu geben die „Kundenangaben für Wertpapiergeschäfte“ der Vermögensberater.

Letztlich sind elementare Angaben zu Risikoparametern in die Anlagerichtlinien aufzunehmen. Hierzu zählen Aussagen zum Mindestrating beziehungsweise Durchschnittsrating von Anleihen. Zudem sollten die auf einen bestimmten Aussteller (Schuldner) oder Verwalter (Investmentanteile) entfallenden Anlagen eine Maximalhöhe nicht überschreiten.

Wie bestimmen sich Quoten und Risikomischung?
Das Stiftungsvermögen muss nach den Grundsätzen der sicheren und einträglichen Vermögensanlage investiert werden. Was indessen eine „sichere und einträgliche“ Vermögensanlage ist, kann nicht generell, sondern muss in engem Bezug zur jeweiligen Marktsituation bestimmt werden. Eine angemessene Risikomischung und Risikostreuung wird in jedem Falle Pflicht sein.

Angesichts der relativ unkonkreten stiftungsrechtlichen Vorgaben bietet ein Rückgriff auf die Anlageverordnung (AnlV) für Versicherungsunternehmen eine gute Möglichkeit, erprobte Vorgaben auch für Stiftungen zu erschließen.

Die AnlV definiert alle zulässigen Anlageformen bzw. Anlageklassen, die Qualität der Vermögensgegenstände, die notwendigen Vorschriften zur Streuung und Mischung sowie die quantitative Beschränkung der Streuungs- und Mischungsverhältnisanteile.

Gemäß der Anlageverordnung ist die Grenze der Risikokapitalquote auf maximal 35% des Vermögens festgelegt. Übertragen auf Stiftungen bedeutet dies, dass Investitionen in risikobehafteten Anlageklassen, wie z.B. Aktien, Alternative Investments (inklusive Rohstoffe) und Derivate, auf 35% des Vermögens beschränkt sein sollten.

Zum Nicht-Risikokapital zählen dann u.a. „normale“ Anleihen und Immobilien, jedoch ist die Anlage in Immobilien(anteilen) auf 25% des Vermögens beschränkt. Es gibt eine allgemeine quantitative Beschränkung für die Anlagearten (z.B. börsennotierte Anleihen), die keine spezielle Mischungsquote haben. Hier gilt eine Quote von grundsätzlich bis zu 50% des Anlagebestandes.

Eine mögliche Allokation könnte dann aus 45% Anleihen, 25% Immobilien(fonds), 10% Festgeldern und 20% Aktien bzw. Alternativen Investments bestehen.

Fazit
Die Einführung von Anlagerichtlinien und Kontrollstrukturen reduziert das Haftungsrisiko der Verantwortlichen erheblich. Die Richtlinien sollten hierbei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Konkretisierung und gleichzeitiger Flexibilität der Entscheidungsspielräume aufweisen.

Christian Opelt ist Bankdirektor beim Bankhaus Donner & Reuschel in München.

Jörn Sniehotta ist Abteilungsdirektor beim Bankhaus Donner & Reuschel in Hamburg.

Beide Autoren sind im Stiftungsmanagement tätig und beraten seit vielen Jahren kirchliche sowie soziale Einrichtungen – neben Finanzthemen auch in Fragen der Organauswahl, der Mittelbeschaffung sowie der Einbindung in Netzwerke.

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