25.04.2019 | Von Martina Benz

„Mehr private Akteure für die Entwicklungszusammenarbeit“

Bei einer neuartigen Zusammenarbeit zwischen dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) – „Team up“ – kam das Finanzierungsinstrument „private Träger“ zum Einsatz. DIE STIFTUNG hat beim BMZ nachgefragt, was es damit genau auf sich hat.

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Wer an staatliche Fördergelder ran will, muss wissen, welche Förderinstrumente ihm zur Verfügung stehen. Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

Wann und weshalb wurde das Finanzierungsinstrument „private Träger“ entwickelt?
Bernhard Felmberg: Diese Förderungen gibt es seit Mitte der 1960er. Entwickelt wurde diese, um Projekte deutscher Nichtregierungsorganisationen in den jeweiligen Entwicklungsländern zu fördern. Konkreter gesagt: Das Ministerium will  gemeinnützige Vereine, Stiftungen oder GmbHs unterstützen, die ihre Projekte mit lokalen Partnerorganisationen in Entwicklungsländern umsetzen. Dadurch soll eine positive Veränderungen von innen angestoßen, also die  lokale Bevölkerung mit in die Planung und Umsetzung der Maßnahmen einbezogen werden. Das Ziel ist es, die wirtschaftliche, soziale oder ökologische Situation armer Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern nachhaltig zu verbessern und ihre Menschenrechte zu stärken.

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Bernhard Felmberg leitet als Ministerialdirigent die
Zentralabteilung Zivilgesellschaft, Kirchen im Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Foto: BMZ

Was sind die groben Förderbedingungen?
Felmberg: Die privaten Träger müssen juristische Personen des privaten Rechts mit Sitz in Deutschland sein, die gemeinnützig sind. Projekte werden nur gefördert, wenn sie mit erfahrenen und gemeinnützigen lokalen Partnerorganisationen, genannt lokale Träger, in den Entwicklungsländern durchgeführt werden, mit denen die privaten Träger bereits erste Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit haben. Das BMZ fördert grundsätzlich bis zu 75 Prozent der Projektkosten, den Rest müssen die privaten Träger selbst einbringen. Alle Förderungen erfolgen auf Basis von Förderrichtlinien, die online abrufbar sind.

Sind langfristig noch weitere Fördermöglichkeiten für Stiftungen vorgesehen?
Felmberg: Um die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 zu erreichen, muss die Zivilgesellschaft noch stärker zum Einsatz kommen, weshalb wir momentan innovative Förderungen wie die Ostafrikainitiative oder ein neues Förderfenster für Afrika im Rahmen des Marshallplans mit Afrika.  Wir wollen so mehr private Akteure – Vereine, Stiftungen oder Philanthropen – für die Entwicklungspolitik gewinnen.

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Zu allgemeinen Anfragen zur Förderung von Stiftungen über den Fördertitel private Träger des BMZ berät die Mitmachzentrale der Engagement Global. Die Förderung von anerkannten Trägern wird über die Engagement Global (bengo) abgewickelt, die zu den Projektanträgen in Bezug auf die Förderrichtlinien berät und schließlich die Förderzusage erteilt. Erstantragsteller im Förderprogramm können einjährige Projekte bis zu 50.000 Euro einreichen und sich über den EZ-Kleinprojektefonds bewerben, der von der W.P.-Schmitz-Stiftung (für Westdeutschland) und der Stiftung Nord-Süd-Brücken (für Ostdeutschland) abgewickelt wird.

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In der Titelgeschichte der Ausgabe 2-2019 von DIE STIFTUNG finden Sie genauere Informationen zu „Team up“ und den daran beteiligten Stiftungen.

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