22.08.2012 | Von Die Stiftung

Michael Otto: Aktien erstklassiger Unternehmen sind quasi ein Schlaraffenland

Aktien haben in den Portfolios vieler Anleger immer noch einen geringen Stellenwert. Aber warum? Ein Blick auf die Aktienkursentwicklung seit Ende der neunziger Jahre verdeutlicht dies: Der S&P 500 Index fiel zweimal um mehr als 50% nach zuvor erreichtem Höchststand. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei fast allen anderen weltweit wichtigen Aktienindizes. Das ständige Auf und Ab hat die Anleger mürbe gemacht und verunsichert. Zwei Jahrhundertcrashs innerhalb einer Dekade haben alle überrascht. Insbesondere institutionelle Anleger halten wenige Aktien. Es ist die Ironie des Schicksals, dass Aktien heute fast ein Schattendasein fristen, obwohl sie ertragreicher und sicherer sind als fast alle anderen Anlagenklassen – zumindest dann, wenn man Sicherheit als realen Werterhalt definiert und nicht der Geldillusion unterliegt.

Sachwert, laufender Ertrag, liquide
Was spricht für Aktien? Erstens verbinden Aktien als Unternehmensanteile den Substanz- bzw. Sachwertcharakter und bieten somit Inflationsschutz. Dies ist gerade in Zeiten „unverzinster Inflation“ wichtig. Zweitens ist es eine Anlage mit laufendem Ertrag und bietet damit Dividendenrendite. Und drittens sind Aktien eine Anlage mit hoher Liquidität – das bedeutet gute Handelbarkeit. Im Gegensatz zu anderen Anlageklassen wie Immobilien hat man als Anleger keinen Ärger mit Mietern oder Hausverwaltern und verliert auch nicht zehn Prozent an Erwerbsnebenkosten, wenn man die Tür vom Notar hinter sich geschlossen hat.

Erstklassige Unternehmen bereiten viel Freude
Jedoch sollten nicht alle Aktien in einen Topf geworfen werden, wie es bei einer reinen Indexbetrachtung zwangsläufig der Fall ist. Instabile Geschäftsmodelle – wie sie viele Banken, Fluggesellschaften, Stahlhersteller oder „Boom- and Bust“-Branchen (z.B. Solarindustrie) aufweisen – mögen als temporäre Spekulationsobjekte in Betracht kommen. Sie sind aber zu instabil, um als strategisches Fundament eines Vermögens dienen zu können. Erstklassige Unternehmen mit stabilen und wachsenden Cashflows, attraktiven Dividendenrenditen und soliden Bilanzen haben ihren Aktionären seit Ende 1999 viel Freude bereitet. Der englische Konsumgüterriese Reckitt Benckiser ist mit einem Kursgewinn von 508%, bzw. 16% p.a. ein solches Beispiel (inkl. Dividende rund 18%). Qualität zählt – das wusste schon Investmentlegende
Ein sicherer Weg, sich vor Inflation zu schützen
Globale Unternehmen – mit starker Marktstellung, hoher Preissetzungsmacht, stabilen Margen und solider Bilanzstruktur – sind im derzeitigen inflationären Marktumfeld mit dem immer noch fragilen Bankensystem ein sehr sicherer Weg, sich vor steigender Inflation zu schützen und von niedrigen Zinsen zu profitieren. Aktien solcher Unternehmen gewinnen in diesem Marktumfeld gleich doppelt: Zum einen von höheren Bewertungen und zum anderen durch steigende Unternehmensumsätze und -erträge. Es ist zu erwarten, dass die Kurs-Gewinn-Verhältnisse steigen, so wie bei Mietmultiplikatoren von Top-Immobilien in den vergangenen Jahren. Unternehmensumsätze würden einen Inflationsschub erhalten sowie die Gewinne unter der Annahme konstant hoher Margen. Erstklassigen Unternehmen sollte es so möglich sein, ihre Erlöse im andauernden inflationären Umfeld zu verteidigen. Dies gilt insbesondere für Hersteller von Konsumprodukten des täglichen Bedarfs, da die Preissensitivität der Verbraucher im Vergleich zu größeren Anschaffungen vergleichsweise gering ist.

Schlaraffenland?!
Die Dividendenrendite ist heute höher als in den letzten 20 Jahren. Aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus reicht sie allein aus, um Aktieninvestments attraktiv zu machen. Sie übersteigt die Rendite sicherer Staatsanleihen signifikant und belohnt so den Investor für das (nominale) Risiko. Selbst ohne Aussicht auf Kursgewinne sind Aktien daher schon einen Kauf wert. Aktien erstklassiger Unternehmen sind quasi ein Schlaraffenland – attraktive Rendite, verlässliche Gewinne und Schutz vor Inflation – und gehören definitiv in ein gut diversifiziertes Portfolio.

Michael Otto, Direktor der Vermögensverwaltung, verstärkt seit 2011 das Team der Vermögensverwaltung und Neukundengewinnung bei der Flossbach von Storch AG in Köln. Seit 2007 war Michael Otto Mitglied der Geschäftsleitung im Bereich Private Banking bei der Berenberg Bank, bei der er im Jahr 2000 die Abteilung Strategieentwicklung und -beratung aufbaute und leitete. Seinen beruflichen Werdegang begann Herr Otto in unterschiedlichen Positionen bei der Deutschen Bank in Hamburg. Mittlerweile kann er auf eine über 15-jährige Berufserfahrung im Private Banking blicken.

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