27.08.2012 | Von Die Stiftung

Nachhaltigkeit kann Katastrophen im Depot verhindern

Im Gespräch mit der Redaktion erklärt Doris Märzluft, Fondsmanagerin der Wilhelm von Finck Deutsche Family Office AG die Eckpfeiler einer nachhaltigen Vermögensanlage für Stiftungen. Nachhaltigkeit kann helfen, die großen Katastrophen im Depot zu vermeiden – wenn man sich intensiv mit den Zielen und Kriterien beschäftigt.

Im Gespräch mit der Redaktion erklärt Doris Märzluft, Fondsmanagerin der Wilhelm von Finck Deutsche Family Office AG die Eckpfeiler einer nachhaltigen Vermögensanlage für Stiftungen. Nachhaltigkeit kann helfen, die großen Katastrophen im Depot zu vermeiden – wenn man sich intensiv mit den Zielen und Kriterien beschäftigt.

Quelle: panthermedia/Djordje RadivojevicDIE STIFTUNG: Wie legen Stiftungen ihr Vermögen wirklich nachhaltig an?
Doris Märzluft:
Zunächst einmal ist es ein erfreulicher Trend, dass immer mehr Stiftungen den Trend zur Nachhaltigkeit unterstützen. Viele betreten damit Neuland. Immer noch verbinden viele Stiftungen mit Nachhaltigkeit vor allem Investments in Umweltthemen, aber damit ist es eben nicht getan. Wer Erträge für den Stiftungszweck langfristig sicherstellen will und dabei nachhaltig agiert, handelt richtig, muss aber einen langen Atem haben. Stiftungen sollten sich überlegen, welche Nachhaltigkeits-Ziele aus einem großen Spektrum ihnen besonders wichtig sind, und wie sich das gegebenenfalls umsetzen lässt. Vor allem sollten Stiftungen genauer prüfen, welche Nachhaltigkeitsfonds sie kaufen und ob diese die von der Stiftung gewünschten Form der Nachhaltigkeit angemessen berücksichtigen.

DIE STIFTUNG: Also braucht jede Stiftung ihr eigenes Anlageuniversum?
Märzluft:
Ja, das würde ich sagen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Stiftungen bei der Entwicklung eines auf sie zugeschnittenen Anlageuniversums zu unterstützen. In der Praxis werfen wir zuerst einen Blick in die Satzung oder in die Anlagerichtlinien, ob diese etwas hinsichtlich nachhaltiger Geldanlage vorsehen. Manche Stiftungen haben sogar ein Leitbild, das es dann mit den Anlagen abzugleichen gilt. Gerne erarbeiten wir gemeinsam mit der Stiftung die maßgeschneiderten Anlagerichtlinien. Ein anschließender Abgleich des Stiftungsportfolios zeigt welche Anlagen mit den neuen Nachhaltigkeitskriterien übereinstimmen oder eben nicht. Komplett deckungsgleich sind Vorgabe und Umsetzung allerdings nur höchst selten.

DIE STIFTUNG: Ist Nachhaltigkeit so etwas wie ein Modethema?
Märzluft:
Politik und Medien haben hier schon eine gewisse Sensibilität geschaffen und einen Denkprozess bei vielen Stiftungen angestoßen. Insofern ist es mehr als ein Modethema. Wer sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreibt, muss sich aber auch Zeit für die Umsetzung nehmen. Das geht nicht auf Knopfdruck, sondern erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen und den passenden Nachhaltigkeitskriterien. Zur eigentlichen Umsetzung braucht es einfach Zeit.

DIE STIFTUNG: Wie können sich denn Stiftungen ihrerseits über nachhaltige Investments informieren?
Märzluft:
Die Kombination aus Vorab-Recherche im Internet und einem persönlichen Gespräch mit Experten ist im ersten Schritt die beste Vorgehensweise. Nachhaltig orientierte Stiftungen sollten sich erfahrene Vermögensverwalter aussuchen und proaktiv nach nachhaltigen Anlagekonzepten fragen, nach den Partnern solcher Ansätze und welche Schritte es in der Umsetzung geben wird. Die Wilhelm von Finck Deutsche Family Office AG beispielsweise beschäftigt sich schon seit 13 Jahren mit dem Thema und steht hier gerne als Berater zur Verfügung.

DIE STIFTUNG: Wie kommen Sie nun heute auf eine interessante Aktie, die nachhaltige Kriterien erfüllt?
Quelle: panthermedia/Vaclav VolrabMärzluft: Die Basis unseres Anlageuniversums liefert uns monatlich unsere Nachhaltigkeitsratingagentur oekom research AG. Dort sind Aktien und Anleihen enthalten, die unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Unser eigener Investmentprozess lokalisiert die geeignete Asset Allokation und wir suchen aus diesem uns zur Verfügung stehenden Anlageuniversum dann z.B. die geeignet Einzelaktie.

DIE STIFTUNG: Viele Öko- und Umweltaktienfonds haben das offenbar nicht beherzigt, oder wie interpretieren Sie deren teilweise maue Performancezahlen?
Märzluft:
Manche Fonds hatten schon ein grünes Mäntelchen umgebunden, und drunter war letztlich ein überwiegend normaler Fonds. Griechenland-Anleihen waren in unserem Nachhaltigkeits-Universum noch nie erlaubt, weil das Land im Korruptionsindex sehr schlecht abschneidet. Griechenland lebt außerdem seit Jahren über seine Verhältnisse und nicht erst in den letzten zwei Jahren. Auch BP, deren Bohrplattform-Desaster den Kurs in die Tiefe riss, ist ein gutes Beispiel für einen guten Nachhaltigkeitsfilter. Legen Stiftungen also wirklich nachhaltig an, kann das vor Kursrückschlagen schützen.

DIE STIFTUNG: Aber hierfür gibt es keine Garantie.
Märzluft:
Das nicht, aber Nachhaltigkeit hilft unter Umständen dabei, bestimmte Katastrophen im Depot von vornherein zu vermeiden. Und das wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

DIE STIFTUNG: Und Kapitalerhalt ist der erste Schritt zum nachhaltigen Erhalt einer Stiftung und ihres Vermögens. Haben Sie herzlichen Dank für Ihre offenen Worte.

Das Interview führten Jennifer Muhr und Tobias Karow

Doris Märzluft ist studierte Betriebswirtin. 1991 kam sie zur Valor Vermögensberatungs-gesellschaft mbH, der Rechtsvorgängerin der Wilhelm von Finck AG und war ab diesem Zeitpunkt im Geschäftsbereich Wertpapiere tätig. Seit Oktober 2008 verantwortet Frau Märzluft als Abteilungsleiterin Asset Management „Anleihen“ die Makroanalyse, das Anleihenmanagement und die Betreuung von Stiftungen. 2009 erwarb Frau Märzluft den Titel Stiftungsmanager (DSA). Sie ist hauptverantwortliche Managerin des WvF Rendite und Nachhaltigkeit (WKN: DWS0XF) und des WvF Performance und Sicherheit (WKN: A1JSUZ).

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