25.09.2014 | Von Die Stiftung

Private Equity als Anlageinstrument für Stiftungen

Stiftungen stellen die drittgrößte Investorengruppe auf dem Private Equity-Markt, nach privaten und staatlichen Pensionsfonds. Bei der Überlegung, ob Private Equity eine geeignete Anlageform ist, sollten Stiftungen eine Reihe von Faktoren berücksichtigen.

Stiftungen stellen die drittgrößte Investorengruppe auf dem Private Equity-Markt, nach privaten und staatlichen Pensionsfonds. Nach Angaben des Datendienstes Preqin investieren sie tendenziell einen größeren Prozentsatz ihres Vermögens in Private Equity als andere Investoren in derselben Anlageklasse. Das gilt insbesondere für die Vereinigten Staaten, wo der Private Equity-Markt traditionell am breitesten gefächert und am tiefsten verankert ist, lässt sich aber auch in zunehmendem Maße global beobachten. Bei der Überlegung, ob Private Equity eine geeignete Anlageform ist, sollten Stiftungen eine Reihe von Faktoren berücksichtigen.
von Ryan Little

 

Die Beteiligung in Private Equity bedeutet für den stillen Teilhaber – im Gegensatz zum aktiven Teilhaber (GP), der den Fonds verwaltet –, dass die investierten Gelder über eine Zeitspanne von i.d.R. sieben Jahren nicht mehr abgerufen werden können. Auch Cashflow und Rückzahlungszeiträume sind nur schwer vorhersehbar. Allgemein heißt das, dass es vorab einer äußerst gründlichen Due Diligence-Prüfung vonseiten der Stiftung bedarf, um sicherzugehen, dass sich das Risiko-Rendite-Profil und die Investitionsvoraussetzungen mit den Bedürfnissen der Stiftung decken. Dazu kommt, dass steuerliche Aspekte eine komplexe Angelegenheit in der Private Equity-Welt sind – das gilt auch für steuerbefreite Körperschaften wie Stiftungen. Ein kompetenter Steuerberater, der mit Anlagestrategien von Stiftungen vertraut ist, ist deshalb ein absolutes Muss.

Gestaltungsmöglichkeiten eines Investments
Mit Blick auf das Gesamtportfolio lässt sich anmerken, dass Private Equity im ertragsstärkeren, wachstumsorientierten Segment angesiedelt ist – im Gegensatz zum Diversifikationssegment und dem inflationsgeschützten Segment. Je nach Marktkonditionen beläuft sich die zu erwartende Rendite bei Private Equity-Beteiligungen auf 12% bis 16%. In Prozentzahlen ausgedrückt investieren die 741 von Preqin untersuchten Stiftungen 12,2% ihres Vermögens in Private Equity – der Investorendurchschnitt liegt bei 10,8%. Verglichen mit den meisten anderen Anlageklassen für Stiftungsinvestitionen besteht das größte Risiko in den Investitionen, die der GP nach Schließung des Fonds tätigt. Stiftungen möchten zunehmend sicherstellen, dass ihre Investitionen einem Wertekodex folgen, der an erster Stelle vorsieht, dass niemandem Schaden zugefügt wird. Das bedeutet den Ausschluss von Investitionen z.B. in die Tabakindustrie, in klimaschädliche Industrien, Rohstoffe oder Rüstung. Stiftungen, die einem solchen Kodex folgen, müssen sich vorab schriftlich zusichern lassen, dass die gewählten Private Equity-Anlagen diese Grundsätze einhalten. Man kann aber auch weiter gehen und mit Private Equity direkt eine gemeinnützige Organisation unterstützen. Dieser Ansatz heißt Mission Related Investing und ist nicht nur im Private Equity-Bereich möglich; er kann auch über Anleihen, Garantiescheine oder Mezzanine-Strukturen umgesetzt werden.

Fazit
Private Equity ist eine gute Investmentklasse für europäische Stiftungen und besonders effektiv, wenn es darum geht, höhere Jahresrenditen zu erzielen. Man sollte allerdings angesichts der langen Laufzeiten mit einer langfristigen Perspektive und mit ausreichendem Verständnis für die Branchen und Firmen, in die der Private Equity-Fonds investiert, an die Sache herangehen. Stiftungen, die Private Equity-Investitionen tätigen möchten, sind gut beraten, sich mithilfe der Jahresberichte von gleichgesinnten, ähnlich großen Stiftungen darüber zu informieren, wie diese die Anlageklasse in ihr Gesamtportfolio integriert haben, oder auch direkt bei ihren Kollegen nachzufragen, welche Erfahrungen sie mit Private Equity gemacht haben.

 

Ryan LittleRyan Little hat verschiedene umwelttechnische und soziale Unternehmen in Nordamerika gegründet. Derzeit arbeitet er im Bereich soziale Investitionen und soziales Unternehmertum für die BMW Stiftung Herbert Quandt.

 

 

 

 

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