19.10.2011 | Von Die Stiftung

„Das System ist fragil“

DIE STIFTUNG im Gespräch mit Bernd Hashemian, Fondsberater des Stiftungsfonds Westfalen, über die aktuelle Allokation und den Umgang mit Risiko

DIE STIFTUNG: Herr Hashemian, wie sieht Ihre aktuelle Allokation aus?

Bernd Hashemian: Zunächst halten wir zu 69% Renten im Portfolio, und hier schwerpunktmäßig Unternehmensanleihen. Daneben sind wir zu 19% in Immobilienfonds inves-tiert. Dabei handelt es sich überwiegend um institutionelle Tranchen wie den KanAm Spezial Grundinvest. Im Aktienbereich, der mit 9% gewichtet ist, setzen wir vor allem auf dividendenstarke Value-Titel wie Bayer, E.ON, RWE oder die Münchner Rück. Die restlichen 3% halten wir als Kasseposition.

DIE STIFTUNG: Was würden Sie im Fonds verändern, wenn eines Tages die Rentenblase platzt?
Hashemian: Für mich existiert die Blase bei den ganz sicheren Staatsanleihen, zum Beispiel amerikanischen und deutschen Staatsanleihen. Wenn die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe von derzeit 2,5 auf vielleicht 4% steigt, was noch kein rasanter Renditeanstieg wäre, dann entspräche dies Börsenkursverlusten von etwa 15%. Diese Volatilität will niemand im Depot haben, wir auch nicht. Aus dieser Überlegung heraus resultiert der hohe Anteil an Unternehmensanleihen.

DIE STIFTUNG: Wie würde sich Ihr Fonds im Falle eines Crashs à la 2008 verhalten?
Hashemian: Sicherlich könnten wir uns dem Abwärtsdruck nicht entziehen. In solchen Phasen schneiden eigentlich nur bes-te Staatsanleihen gut ab. Was uns jedoch hilft, ist der gute Draht zu unse-ren Inves-toren, denen wir solche Ano-malien erklären. Schnelle Mittelabflüsse müssten wir folglich nicht befürchten, wir könnten demnach antizyklisch kaufen. Unsere Investoren wissen, dass wir ein vermögensverwaltender Fonds sind, mit den ent-sprechenden Freiheiten. Diese werden wir auch brauchen, an-gesichts des künftig herausfordernden Umfelds.

DIE STIFTUNG: Wie sehen Sie denn die Stabilität des Finanzsystems?
Hashemian: Wenn ich mir anschaue, was derzeit in Spanien passiert, dann wird schnell deutlich, wie fragil das System ist. Aber wenn Sie sich allen Ängsten hingeben, dann können Sie nicht investieren. Noch will ich mich auch nicht der all-gemeinen Panik vor der Inflation anschließen. Was ich jedoch sehe, ist dass Dinge wie Spareinlagen bei den Banken nur vermeintlich sicher sind, und diese vermeintliche Sicherheit auch nur „schlecht“ bezahlt wird. Im Krisenfall ist der Anleger hier besonders schlimm dran.

DIE STIFTUNG: Herr Hashemian, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Tobias M. Karow

 

Bernd Hashemian ist Vorstand der in Münster ansässigen Kroos Vermögensverwaltungund Berater des Stiftungsfonds Westfalen.

Artikel teilen