19.10.2011 | Von Die Stiftung

„Der Euro wird überleben“

DIE STIFTUNG im Gespräch mit Ralf Schreyer, Fondsmanager des DWS Stiftungsfonds, über das Wesen von Stiftungsvermögen sowie die künftige Anleihen- und Aktienallokation

DIE STIFTUNG: Herr Schreyer, wie unterscheidet sich in Ihren Augen Stiftungsvermögen von anderem Vermögen?
Ralf Schreyer: Stiftungsvermögen ist sehr stark auf Langfristigkeit und Kapitalerhalt angelegt. Für mich ist das ein gewisser Wider-spruch, denn langfristig vielleicht höher rentierliche, dafür aber risikoreichere Anlagen müssen aufgrund des Diktats des Kapitalerhalts meist gemieden werden. Stiftungsvermögen werden deshalb ähnlich einem Total-Return-Fonds gema-nagt. Auch haben die Stifter Inte-resse an einer stabilen Ausschüttung, um den Stiftungszweck zu erfüllen. Wir schütteten in den vergangenen Jahren konstant etwa 4% des Fondsvermögens aus. Dies wollen wir auch in den kommenden Jahren beibehalten.

DIE STIFTUNG: Mit welchen Papieren?
Schreyer: Die Ausschüttungsquote ist langfristig am stabilsten, wenn der Anteil der Anleihen bei 70 bis 80% und jener der Aktien bei 20 bis 30% liegt. Um die Korrelationen niedrig zu halten, kaufen wir auch Anleihen aus Schwellenländern und von Unternehmen. Ebenfalls setzen wir auf Währungen. Leider wird derzeit das Universum an Staatsanleihen, die für uns investier-bar sind, eher kleiner. Im Fonds soll kein Papier enthalten sein, bei dem ein hohes Risiko eines Zahlungsausfalls besteht, siehe Griechenland. In meinen Augen haben griechische Anleihen aus diesem Grund in einem Stiftungsfonds ei-gent-lich nichts mehr zu suchen. Unsere Restposition werden wir demzufolge auch bis Ende des Jahres abgestoßen haben. Auch Irland meiden wir, ebenso Portugal, hier sehen wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 40% Umschuldungsmaßnahmen auf die Gläubiger zukommen. Für Spanien dagegen, oder aber Italien und Belgien erwar-ten wir derlei nicht. Ebenso in der Türkei und Polen, wo wir derzeit eher übergewich-tet sind und auch künftig noch stärker investieren werden.

DIE SIFTUNG: Wie beurteilen Sie denn überhaupt die Griechenland-Hilfen?
Schreyer: Das ähnelt dem Länderfinanzausgleich in Deutschland. Insofern ist es doch geheuchelt, wenn wir jetzt die Hilfen für Athen anprangern. Wenn wir den Prozess des Strukturwandels auf dem Peloponnes wie in einigen Regionen in Deutschland begleiten würden, dann könnte ein Umsteuern in Griechenland gelingen. Leider gibt es einen solchen Rahmen in der EU nicht. Um es aber noch einmal auf den Punkt zu bringen: Der Euro wird überleben, in welcher Form auch immer.

DIE STIFTUNG: Jetzt haben wir viel über Anleihen gesprochen, wie sieht es aber bei den Aktien Ihrer Meinung nach aus?
Schreyer: Generell erwarten wir ein schwaches Weltwirtschaftswachstum, aber immerhin ein Wachstum. Damit scheinen Aktien wieder stärker auf dem Radar aufzutauchen, nachdem in den zurückliegenden 20 Jahren kaum etwas mit ihnen zu verdienen war. Das dürfte sich so nicht wiederholen, es besteht hier durchaus in den kommenden zehn Jahren Nachholbedarf. Spätestens 2011 dürfte sich die Aktienquote im DWS Stiftungsfonds auf 20% erhöhen, wobei wir pro-duzierende Unternehmen gegenüber beispiels-weise Finanzaktien favorisieren. Natürlich spielt auch die Dividende eine Rolle. So tauschen wir teilweise einfach die Anleihe gegen die Aktie, weil die Anleihe weniger Rendite abwirft als die Aktie des gleichen Unternehmens an Dividendenrendite. Hierbei kommt es durchaus auch auf ein glückliches Händchen an.

DIE STIFTUNG: Herr Schreyer, haben Sie vielen Dank für Ihre Erörterungen.

Das Gespräch führte Tobias M. Karow.

 
Ralf Schreyer trat 1991 als Marktspezialist für Japan bei der DWS ein und ist heute als Fondsmanager tätig. Der Diplom-Volkswirt bekleidet dort die Position des Head of Portfolio Management Core Fixed Income in Frankfurt.

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