06.01.2020 | Von Stefan Dworschak

Kapitalanlage: Ausblick auf 2020

Was ist 2020 bei der Kapitalanlage zu beachten? Auf diese Frage geben Analysten in ihren Ausblicken auf das Jahr mitunter unterschiedliche Antworten. DIE STIFTUNG fasst grundlegende Tendenzen zusammen und stellt zentrale Punkte vor.

Ausblick 2020
Der Ausblick der Analysten auf 2020 ist mehrheitlich vorsichtig optimistisch. Foto: Petra Bork/pixelio.de

Das Börsenjahr 2019 begann eher unruhig, verlief dann aber doch besser als von vielen Beobachtern erwartet. Der Dax hatte nach dem Absturz Ende 2018 das Jahr mit 10.477,77 Punkten eröffnet. Am 30. Dezember schloss er mit 13.244,20, der S&P 500 stieg um 29 Prozent an und erreichte gar neue Höchststände. Doch was ist für 2020 zu erwarten? Es scheint, als finde der Konjunkturzyklus kein Ende, analysiert etwa die Deutsche Bank. „Anders als in den Jahren zuvor werden 2020 nicht die Industrieländer, sondern die Schwellenländer das globale Wachstumstempo bestimmen.“

Sachwerte und neue Horizonte

Bei der Frage der Anlagevehikel gibt es eine Botschaft, die nicht zuletzt Stiftungen betrifft. „Aktien werden immer unverzichtbarer“, lautet die Einschätzung der Deka-Volkswirte. Sie sind eine der Stimmen im Chor der zahlreichen Appelle an langfristige Anleger, im Niedrigzinsumfeld auch auf Sachwerte wie Unternehmensanteile zu setzen. Für Ralf Schwind, Vorstand der Merck-Finck-Stiftung, ist hier ein grundlegendes Umdenken gefordert. Stiftungen seien zwar auf Ewigkeit ausgelegt, hätten aber vor allem in Anleihen investiert.

Auch mit einem entsprechenden Portfolio dürfte 2019 nicht mehr so stark werden wie 2020. Die verhalten optimistische Sichtweise Daniel Morris’ von BNP Paribas ist mehrheitsfähig. So rechnet auch die Deka mit etwas absinkenden Renditepotential von Aktien zwischen vier und sechs Prozent per annum – dabei schneiden die bereits angesprochenen Schwellenländer in der Erwartung rund zwei Prozentpunkte stärker ab als Industrieländer. Während Bundesanleihen und der Euro-Geldmarkt bereits vor Inflation Verluste von 0,7 bzw. 0,2 Prozent pro Jahr bringen, liegen Staatsanleihen von Schwellenländern mit 3,5 Prozent im deutlich positiven Bereich. Für Aktien aus Industriestaaten spricht, ebenso wie im Euroraum und Deutschland, aus Deka-Sicht die niedrige Bewertung.

Der Blick in Richtung der Schwellenländer und Asiens bietet eine Chance zur weiteren Diversifizierung in einem Wachstumsmarkt – 2020 soll dort das größte Freihandelsabkommen der Welt, Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), Wirklichkeit werden. 15 Mitgliedstaaten sind vorgesehen, darunter etwa China, Japan, Australien und Indonesien. Der fernere Osten ist zugleich auch für all jene interessant, die die Zentralbankpolitik mit großer Skepsis verfolgen und sich möglichst weit davon fernhalten wollen.

Gretchenfrage Zentralbankpolitik

Die Zentralbankpolitik bleibt das polarisierende Thema. Während die DWS zwar sportliche Bewertungen der Aktienmärkte anmerkt, aber keine Exzesse erkennen kann, „die zu einem Einbruch der Wirtschaft und der Märkte führen würden“, hält sich Bernhard Matthes von der Bank für Kirche und Caritas (BKC) möglichst von der EZB fern. Er finde „in einigen Schwellenländern im Vergleich zur Eurozone ‚freiere‘ Märkte, in denen Notenbanken Zins und Währung nicht manipulieren, sondern die Preisbildung noch stärker Angebot und Nachfrage folgt und Notenbanken teils sogar unabhängiger erscheinen“. Da Zinssenkungen und QE-Programme an Grenzen stoßen würden, würden schwerere, bislang unerprobte geldpolitische Geschütze aufgefahren werden müssen, so Matthes. „Beunruhigend sind in diesem Kontext die aktuellen Überlegungen von Christine Lagarde, die Geldpolitik noch weiter über das Mandate hinaus zu missbrauchen, etwa um ‚Klimaschutz‘ oder ‚Ungleichheit‘ zu adressieren.“

Der Brexit bietet aus Matthes’ Sicht Chancen. Das Vereinigte Königreich könnte mit „künftig deutlich weniger Regulierung und geringerer Besteuerung Standortvorteile aufweisen, die viele Brexit-Nachteile aufwiegen und eine ganz eigene Investitionsdynamik entfalten“. Zuversichtlicher mit Blick auf westliche Länder ist hingegen Jan VanEck, CEO des gleichnamigen Assetmanagers. Sein Motto lautet: investiert bleiben. Er glaubt nicht an eine Änderung der Zinsen, auch nicht in den USA – nicht in einem Wahljahr.

Wahljahr in den USA

Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten wird das neue Börsenjahr wesentlich bestimmen. Grundsätzlich scheint das Ringen ums Weiße Haus für die Analysten Anlass zu sein, Entspannung im Handelsstreit zu erwarten. Statistisch sei in Wahljahren die Wahrscheinlichkeit einer Rezession am geringsten, so die Deka. Zugleich jedoch „könnten heiße Wahlkampf-Diskussionen um Steuern oder die Regulierung von Internet-Konzernen an der Wall Street auf die Stimmung drücken“. Es bleiben also Unsicherheitsfaktoren. Wie stark, davon geben die jüngsten Eskalationen in den Beziehungen mit dem Iran einen Eindruck.

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