09.02.2012 | Von Die Stiftung

„Mister Market rät aktuell zur Vorsicht“

DIE STIFTUNG im Gespräch mit Frank Fischer, Fondsmanager des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, über Value-Investing im Stiftungsvermögen und das Ende der Rentenhausse

DIE STIFTUNG: Herr Fischer, Aktien und Stiftungen, für viele passt das nicht zusammen. Warum passt es aber eben doch?

Frank Fischer: Aktien sind Realwerte, die den realen Kapitalerhalt ermöglichen und als Plus eine Dividende ausschütten. Aus dieser lässt sich der Stiftungszweck hervorragend bedienen. Dies hat Günter Weisspfenning einstmals für sich herausgefunden und die Stiftung ShareValue gegründet, die dann logischerweise strikt in Aktien anlegte.

DIE STIFTUNG: Dies dürfte die verantwortliche Stiftungsaufsicht mit etwas Argwohn begleitet haben.
Fischer: Argwöhnisch nicht, aber doch mit dem Hinweis, Aktien könnten schwanken und würden so vermutlich nicht zum realen Kapitalerhalt taugen. Mittlerweile hat die Stiftung aber kontinuierlich im Vermögen zugelegt, dazu konnte die ausschüttbare Dividendensumme erheblich gesteigert werden. Weil nun einige Stiftungen dies verfolgten, entstand die Idee, über einen Fonds eine Beteiligung an diesem Anlagekonzept zu ermöglichen. Das war die Geburtsstunde des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen.

DIE STIFTUNG: Was zeichnet diesen nun aus?
Fischer: Wir betreiben im Fonds Value Investing und folgen hier vier Aspekten. Einer ist die Sicherheitsmarge. Für uns muss der Preis einer Aktie um mindestens 40% unter dem von uns errechneten Wert einer Unternehmung liegen, dann greifen wir zu. Wichtig ist uns auch, dass das Unternehmen über strukturelle Wettbewerbsvorteile verfügt und das Management selbst signifikant an der Gesellschaft beteiligt ist. Nur so vertreten die Unternehmenslenker auch die Interessen der Eigentümer, also der Aktionäre.

Zudem erkennen wir „Mister Market“ als unseren Freund. Wenn er depressiv ist, dann helfen wir ihm und nehmen ihm Aktien zu günstigen Preisen ab; umgekehrt, wenn er also euphorisch ist, verkaufen wir gerne auch unsere Titel. Um herauszufinden, in welcher Stimmung dieser gerade ist, nutzen wir die Erkenntnisse der Behavioral Finance. Damit erhalten wir Erwartungen für vier Wochen und auch für sechs Monate und können so das Portfolio entsprechend grundsätzlich aufstellen. Momentan halten wir 30% in Bargeld, die Verhaltensanalyse der Marktteilnehmer rät uns folglich aktuell zur Vorsicht.

DIE STIFTUNG: Geht es also bald wieder bergab mit den Aktien?
Fischer: Das ist vielleicht die falsche Frage. Aktien schwanken, also bekommt der Investor jeden Tag von „Mister Market“ ein Angebot, was das Papier kostet. Davon muss sich ein Anleger aber freimachen, und erst recht eine Stiftung mit ihrem hoffentlich langfristigen Anlagekonzept.

DIE STIFTUNG: Was sagen Sie nun als „Aktienmann“ zu Stiftungen, die 80 oder 90% Renten im Portfolio haben?
Fischer: Die Risikowahrnehmung bei Anleihen hat sich in den vergangenen Jahren im Zuge der Subprime-Krise gewandelt. Jetzt kam noch die Diskussion um die Staatsfinanzen hinzu. Stiftungen fragen mittlerweile nach der Werthaltigkeit ihrer Rentenportfolios. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist damit aktuell nur Geld zu verlieren. Die Renditen sind historisch niedrig, und die Inflation höhlt dazu schon ganz erheblich die Vermögensbasis aus. Nur werden die Renditen nicht so niedrig bleiben, denn die 30 Jahre währende Anleihehausse ist für mich vorbei. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Zinsen – wie nach dem Zweiten Weltkrieg schon einmal passiert – deutlich ansteigen. Sämtliche Rentenpapiere in den Stiftungsdepots dürften dann deutliche Kursverluste erfahren. Aber sind Stiftungen darauf vorbereitet? Vermutlich eher nicht.

DIE STIFTUNG: Dem ist nichts hinzuzufügen. Haben Sie herzlichen Dank.

Das Gespräch führte Tobias M. Karow.

 

Frank Fischer ist ausgebildeter Bankkaufmann und studierte in Frankfurt Betriebswirtschaftslehre. Er ist Vorstand der ebenfalls in der Mainmetropole ansässigen Shareholder Value Management AG und Manager des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen.

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