23.04.2012 | Von Die Stiftung

“Solidität hat Vorrang“

DIE STIFTUNG: Wie kamen Sie als unabhängiger Vermögensverwalter dazu, einen Stiftungsfonds aufzulegen?
Christian Gruben: Wir betreuen direkte Stiftungsmandate im höheren zweistelligen Millionenbereich. Die Befindlichkeiten von Stiftungen sind uns somit bekannt. Da vielen kleineren Stiftungen häufig der Zugang zu vermögensverwaltenden Anlagekonzepten fehlt, kam uns die Idee, einen Fonds zu initiieren.

DIE STIFTUNG: Was macht den Fonds auf seine Weise unique?
Gruben: Hier würde ich die extrem niedrige Volatilität bzw. die sehr geringen Kursrückgänge anführen wollen. Seit Auflage haben wir maximal 0,3% verloren. Das Konzept ist extrem konservativ angelegt, für Stiftungen oder Kunden mit einer minimalen Risikotoleranz. Im Fonds werden sämtliche defensiven Vermögensklassen gemanagt. Zeitgemäß wird der Fonds dadurch, dass diese defensiven Bestandteile aktiv gemanagt werden.

DIE STIFTUNG: Also kann der Fonds als Komplettlösung für vor allem kleinere Stiftungen angesehen werden?
Gruben: Ja, das erkennen Sie auch an den beiden Tranchen. Die ausschüttende Tranche ist für Stiftungen gedacht, die den Fonds als Gesamtportfoliolösung sehen. Andererseits ist die thesaurierende Tranche für jene gedacht, die über den Fonds einen defensiven Baustein in ihre Portfolioallokation einbauen wollen.

DIE STIFTUNG: Apropos Baustein. Offene Immobilienfonds sind ja auch im Fonds enthalten. Keine Angst, dass bald mal wieder einer geschlossen wird?
Gruben (lacht): Die Probleme der offenen Immobilienfonds nehmen wir ernst, und zwar dergestalt, dass zwei Drittel der Immobilienfonds-Position in Produkten steckt, die erst nach der Finanzkrise im Jahr 2008 aufgelegt wurden. Diese haben die teils günstigen Preise bei Immobilien zum Einstieg nutzen können. Mit 15% sind die Immobilienfonds aber keine dominante Position.

DIE STIFTUNG: Einen kleinen Anteil macht auch Wald aus. Wie setzen Sie das um?
Gruben: Wir waren schon früh überzeugt, dass es richtig ist, in Wald zu investieren. Im Jahr 2008 haben wir den ersten offenen Waldfonds in Europa aufgelegt, einen Spezialfonds, der nur juristischen Personen offen steht. Dieser ist mittlerweile gut 70 Mio. EUR groß und hat in Waldflächen in Nordeuropa sowie Nord- und Südamerika investiert. Damit aber Anleger oder auch der Stiftungsfonds hier Anteile erwerben können, mussten wir noch den Umweg über ein Luxemburger Sondervermögen gehen. Dieses hat nur die Funktion, einerseits den Waldfonds zu halten und auf der anderen Seite das Geld dafür einzusammeln. Dieses sogenannte Compartment haben wir verbrieft, also ein Wertpapier daraus gemacht, das dann von Anlegern ganz normal gekauft werden konnte. Also auch vom Stiftungsfonds.

DIE STIFTUNG: Bei Anleihen fällt ein deutliches Übergewicht von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen ins Auge. Warum?
Gruben: Die Staaten haben noch 2008 versucht, die deflationistischen Effekte der Krise zu überkompensieren, was auch ganz gut gelungen ist. Die Folge ist jedoch, dass viele Staaten jetzt selbst in der Bredouille sind und ihre Bonität gelitten hat. Früher mussten in so einem Fall hohe Zinsen gezahlt werden, das ist heute anders. Viele Unternehmen dagegen haben den 2008er Schock genutzt, sich entschuldet und verfügen heute über zumeist starke Bilanzen – so stark wie vielleicht seit 60 Jahren nicht mehr. Solidität hat hier Vorrang, wodurch die Ausfallrisiken sinken. Das ist gut für Unternehmensanleihen, und deshalb haben wir sie so stark gewichtet.

DIE STIFTUNG: Das ist nachvollziehbar. Haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch.


Das Interview führte Tobias M. Karow.

 
Diplom-Kaufmann Christian Gruben begann seine Karriere im Portfoliomanagement der Neue Vermögen AG. Seit 2007 ist er als Geschäftsführer bei der Neue Vermögen Asset Management GmbH tätig.

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