29.05.2012 | Von Die Stiftung

“Wir schauen abseits des Weges”

DIE STIFTUNG im Gespräch mit Andreas Stehr, Fondsmanager des Warburg Stiftungsfonds, über das Anlagekonzept des Fonds sowie die Chancen im Anleihesegment

DIE STIFTUNG: Herr Stehr, was sind die Bestandteile Ihres Fondskonzepts?
Andreas Stehr: Die zentrale Rolle kommt der Systematik zu, nach der Anleihen, Aktien, Rohstoffe und Cash relativ zueinander gesteuert werden. Wir haben untersucht, wie die konjunkturelle Entwicklung und andere Parameter wie z.B. das Marktsentiment mit den Bewegungen an den Kapitalmärkten zusammenhängen und diese Überlegungen in ein Modell gegossen. Dadurch gelingt es uns, die großen Rücksetzer bei Aktien zu vermeiden.

DIE STIFTUNG: Modelle sind jedoch ein zweischneidiges Schwert
Stehr: Deshalb halten wir es für eminent wichtig, eine regelgebundene, empirisch gestützte Vorgehensweise mit dem Erfahrungswissen der Portfoliomanager zu kombinieren.

DIE STIFTUNG: Was nehmen Sie denn aktuell wahr, in den Charts bzw. in der Volkswirtschaft?
Stehr: Die auf volkswirtschaftlichen Daten basierende Teilkomponente unseres Allokationssystems signalisiert derzeit eine defensive Einstellung zu Aktien. Dieser Teil wird erfahrungsgemäß nicht sehr zügig wieder in den Markt zurückkehren. Der schneller reagierende markttechnisch orientierte Part sieht günstiger aus. Von den 30%, die der Stiftungsfonds in Aktien anlegen darf, sind aktuell rund 12 % ausgeschöpft.

DIE STIFTUNG: 30% Aktien bedeuten 70% Renten. Sind diese denn derzeit wirklich risikolos?
Stehr: Im Stiftungsfonds suchen wir stets nach einem sicheren Hafen, der noch halbwegs akzeptable Renditen liefert. Bundesanleihen allein können das nicht sein. Hier lohnt es, abseits der ausgetretenen Pfade zu schauen. So haben wir beispielsweise eine Umtauschanleihe – also eine normale Anleihe mit einem zusätzlichen Kauf-Optionsrecht auf die Aktie – der KfW (AAA-Rating) auf die Deutsche Telekom gekauft. Ohne Berücksichtigung der Optionskomponente rentiert dieses Papier höher als andere Anleihen der KfW und viel höher als ein Bundeswertpapier. Auch Unternehmensanleihen erscheinen aktuell attraktiv, ebenso Wandelanleihen.

DIE STIFTUNG: Zudem bilden Sie Ihre Aktienquote via ETF ab. Warum?
Stehr: Wir wissen, wo unsere Stärken liegen. Nach unserer Auffassung determiniert eine dynamische Allokation die Performance des Portfolios. Mittels des Einsatzes von ETFs können wir die Kongruenz zwischen unserem Allokationsmodell und der Performance des Fonds am Besten sicherstellen. Einzelwerte kaufen wir da, wo wir uns Selektionskompetenz zutrauen, bei Aktien in der Eurozone.

DIE STIFTUNG: Was verlangt denn der Fonds als maximale Leidensfähigkeit vom Anleger?
Stehr: Unser Ansatz fußt darauf, Verluste ganz eng zu begrenzen. Mehr als 5 % Abschlag erachten wir für Stiftungen als inakzeptabel. Daher setzen wir stark auf zinstragende Investments, trotz aller Verwerfungen. Im Übrigen ist mein Eindruck, dass die Politik verstanden hat, was sie unternehmen muss, um die systemischen Risiken künftig zu begrenzen. Ein Systemcrash scheint per heute deutlich unwahrscheinlicher als noch vor einigen Wochen. Aus unserer Sicht ist verdeckt die aktuelle Diskussion über Staatsschulden unglücklicherweise die Notwendigkeit der Forcierung nachhaltiger Entwicklung. Die dafür bestehende Notwendigkeit wird nach unserer Auffassung durch neueste Studien zum Thema Klimawandel und das Wachstum der Weltbevölkerung über die 7 Mrd. hinaus weiter untermauert. Hier bieten sich aus Investorensicht auch viele Chancen.

DIE STIFTUNG: Es gibt also noch welche. Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Tobias M. Karow

 

Andreas Stehr ist Portfoliomanager und seit August 2008 für die WARBURG INVEST tätig. Er ist zuständig für Volatilitätsstrategien, Derivate, Wandelanleihen sowie das Dachfondsmanagement und fondsbasierte Vermögensverwaltungskonzepte.

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