02.03.2012 | Von Die Stiftung

„Wir setzen auf breite Diversifikation“

DIE STIFTUNG: Erläutern Sie uns doch zunächst die Anlagestrategie des MEAG Fair Return.
Andreas Grassl: Grundsätzlich setzen wir auf eine breite Diversifikation im Portfolio. Die aktuellen politischen Unsicherheiten zwingen uns förmlich dazu, das Hauptaugenmerk auf das Risikomanagement zu legen. Entsprechend halten wir die durchschnittliche Restlaufzeit bei den Anleihen mit 2,5 bis 3 Jahren relativ gering. Parallel haben wir die Aktienquote deutlich reduziert – auf derzeit kaum mehr 10%.

DIE STIFTUNG: Wie begründen Sie Ihre aktuelle Vorsicht?
Grassl: Die öffentliche Diskussion um die europäische Verschuldungskrise führt zu hoher Volatilität an den Märkten – sowohl bei Aktien als auch bei den Anleihen. Die Börse ist momentan sehr Event-getrieben und mit fundamentalen Fakten kaum zu greifen. Entsprechend haben wir im Fonds auf der Anleiheseite größtmögliche Qualität gekauft. Hierzu zählen Titel aus Deutschland, Österreich oder beispielsweise auch Pfandbriefe aus den skandinavischen Ländern. Auch bei Floatern, also variabel verzinsten Anleihen, haben wir zugekauft, weil diese Papiere bei Zinserhöhungen zu den Outperformern gehören. Dazu sind Unternehmensanleihen im Fonds enthalten, mit einem Anteil von 18%.

DIE STIFTUNG: Haben Sie keine Angst, dass Unternehmensanleihen im Falle einer konjunkturellen Eintrübung überproportional leiden?
Grassl: Nein, im Moment nicht. Bislang verhalten sich die Renditeaufschläge zu den Staatsanleihen „sehr ruhig“. Insgesamt sind wir extrem risikoavers unterwegs und arbeiten konsequent mit Risikobudgets. Gerade in einer Phase wie im Augenblick müssen Risiken eng begrenzt werden. In den vergangenen Monaten kamen außergewöhnliche Ereignisse ja fast schon quartalsweise vor. Wer in einem solchen Umfeld zuerst an Performance denkt, der dürfte rasch auf dem falschen Fuß erwischt werden.

DIE STIFTUNG: Risikoaversion plus breite Diversifikation also. Ergänzt um Nachhaltigkeit in der Anlagepolitik. Was verstehen Sie hierunter?
Grassl: Wir wollen nur Unternehmen im Depot haben, die sich auch einem ethischen Code unterworfen haben. Nachhaltigkeit ist für uns keine Mode, sondern ein Konzept, ja fast schon eine Haltung. Ausgeschlossen werden Firmen, die in der Produktion von Tabak, Alkohol, Rüstung und Waffen sowie im Bereich Glücksspiel tätig sind.

DIE STIFTUNG: Aber Total, ein Ölkonzern, oder die Banken, die im Portfolio sind, haben doch keinen nachhaltigen Charakter?
Grassl: Das lässt sich diskutieren. Wenn ich aber ganz streng bin, worin kann ich dann noch investieren? Es ist nicht alles perfekt, aber es wird vieles besser, etwa durch Investitionen in Technologien zur Vermeidung von Schadstoffausstößen oder aber verbesserte Arbeitsbedingungen. Wir können diesen Prozess begleiten, indem wir die nachhaltig besten Unternehmen für unseren Fonds selektieren.

DIE STIFTUNG: Wie schaffen Sie es nun, diesen komplexen Ansatz mit nur 0,6% Verwaltungsgebühr zu bepreisen?
Grassl: Hier wird der Fonds seinem Namen gerecht, das ist schlichtweg fair. In einem Niedrigzinsumfeld wie derzeit sind manche Anbieter einfach zu teuer. Mit 0,6% an Gebühren sind 4% Rendite nach Kosten zu realisieren, womit die Stiftungen dann auch ihre Ziele erreichen können. Mit 1,5 oder 2% Verwaltungspauschale geht das eher nicht.

DIE STIFTUNG: Haben Sie vielen Dank für Ihre offenen Worte.

Das Gespräch führte Tobias M. Karow.

 
Andreas Grassl ist stellvertretender Leiter Renten, Geld und Devisen bei der MEAG und in dieser Funktion für das Fondsmanagement des MEAG Fair Return verantwortlich. Das als nachhaltiger Mischfonds deklarierte Produkt hat ein Volumen von aktuell 113 Mio. EUR (per 1.7.2011). Die MEAG in München ist Vermögensverwalter der Versicherungen Munich Re und ERGO und verwaltet Kapitalanlagen im Wert von derzeit rund 202 Mrd. EUR.

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