29.05.2012 | Von Die Stiftung

“Wir vertrauen unserem Modell”

DIE STIFTUNG im Gespräch mit Dr. Heiko Opfer, Fondsmanager des Deka-Stiftungen Balance, über die Vorteile eines ausgewogenen Portfolios und die stabile Entwicklung des quantitativ gesteuerten Fonds

DIE STIFTUNG: Herr Dr. Opfer, was genau bedeutet das “Balance” im Fondsnamen Ihres Stiftungsfonds?
Dr. Heiko Opfer: Balance steht für ein ausgewogenes Portfolio, das Aktien und Anleihen berücksichtigt. Die Staatsanleihen sorgen für Wertstabilität und die Aktien bieten eine Chance auf einen zusätzlichen Mehrertrag. Das ist die ideale Ausgangslage für die Vermögensstruktur einer Stiftung. Ein gemischtes Portfolio sollte aus unserer Sicht aktiv gemanagt werden, um Verluste in Phasen ausgeprägter Marktverwerfungen zu begrenzen. Dazu nutzen wir einen Investmentansatz, der auf unserem mathematischen Anlagekonzept “Sigma Plus” basiert. Das Modell ermittelt im monatlichen Rhythmus eine optimale Mischung aus Aktien, Renten und Liquidität. Auf mittlere Sicht wird dabei ein Risikoprofil angestrebt, das demjenigen einer Daueranlage in europäischen Staatsanleihen entspricht.

DIE STIFTUNG: Wie sehen denn die Quoten für Aktien und Anleihen im Fonds aus?
Opfer: Beim Deka-Stiftungen Balance können wir bis zu 30% in Aktien oder auch bis zu 100% in Anleihen oder Liquidität investieren. Während der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 hat unser zugrunde liegendes Modell die Aktienquote beispielsweise auf fast null zurückgefahren. 2011 lagen wir im Frühjahr kurzzeitig auf der Maximalquote. Seit Anfang Mai positioniert sich unser Modell deutlich vorsichtiger und hat die Aktienquote sukzessive auf etwa 16% reduziert. Die Entwicklung an den Börsen in der ersten Augusthälfte zeigt, dass dies die richtige Entscheidung war.

DIE STIFTUNG: Haben Sie während des Absturzes in das Modell eingegriffen?
Opfer: Nein, das haben wir nicht. Wir vertrauen dem von unserem Team entwickelten Modell. Eingebaute “Stabilisatoren” sorgen dafür, dass die Vorgehensweise nicht geändert werden muss, sobald es zu stärkeren Marktbewegungen kommt. Wir haben den Stiftungsfonds im April 2003 aufgelegt. Die jetzigen Marktschwankungen sind also nicht die ersten, die der Fonds bewältigt hat. Neben 2008 war zum Beispiel das Jahr 2006 extrem holprig. Damals sackten die Aktienmärkte im Frühsommer, aus Sorge vor einer konjunkturellen Eintrübung sowie anziehenden Zinsen, zeitweise um mehr als 13% ab. Überhaupt hat der Fonds in sämtlichen Phasen seit seiner Auflegung gezeigt, dass er sich sehr stabil entwickelt und die Anleger ruhig schlafen lässt. Egal was bislang am Kapitalmarkt geschehen ist.

DIE STIFTUNG: Wenn nun die Zinsen für die zehnjährige Bundesanleihe auf 5% stiegen, hätten Sie dann nicht ein Problem?
Opfer: Ich gehe davon aus, dass ein solcher signifikanter Anstieg mit einer gewissen Vorlaufzeit vonstatten geht. Unser Modell hätte dann einen gewissen Zeitraum, um sich darauf einzustellen. Außerdem haben wir unser Rentenuniversum von Anfang an sehr vorsichtig gewählt – Basis sind deutsche Staatsanleihen plus Beimischungen. Ratingherabstufungen und die Schuldenkrise treffen uns im Vergleich zu anderen Fonds damit nur marginal.

DIE STIFTUNG: Könnten Sie abschließend noch kurz die Ausschüttungspraxis im Fonds erklären?
Opfer: Der Fonds schüttet quartalsweise aus: In den ersten drei Quartalen sind es jeweils 30 Cent pro Anteil. Im vierten Quartal folgt dann eine der Ertragslage angepasste, flexible Ausschüttung. Aufgrund des geringeren Zinsniveaus war die Ausschüttung im vierten Quartal zuletzt rückläufig, was an den geringeren ordentlichen Erträgen lag. Insgesamt ist der Fonds aufgrund der flexiblen Steuerung der Anlagepositionen und der regelmäßigen Ausschüttungen vor allem für kleinere und mittelgroße Stiftungen sehr gut geeignet.

DIE STIFTUNG: Dem würden wir uns anschließen. Haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Tobias M. Karow.

 
Dr. Heiko Opfer leitet bei der Deka Investment GmbH das Team Risk Management & Global Tactical Asset Allocation. Dort verantwortet er die Entwicklung von quantitativen Anlagestrategien und Risikomanagementsystemen.

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