12.07.2012 | Von Die Stiftung

Vermögenserhalt bei Stiftungen

Unternehmensanleihen scheinen für konservative Anleger wie Stiftungen, die auf regelmäßige Erträge angewiesen sind, das ideale Investment zu sein. Denn die Alternativen sind rar. Selbst Bundesanleihen mit langer Restlaufzeit werfen weniger als zwei Prozent ab. Das ist weniger als die Inflationsrate in den vergangenen Jahren, damit wird real Kapital vernichtet. Offene Immobilienfonds, lange Zeit ein Renditegarant, haben derzeit massive Probleme. Viele Anleger kommen seit Jahren nicht mehr an ihr Geld. Es sieht nicht danach aus, dass sich die Situation in diesem Segment ändern wird. Gerade Stiftungen leiden massiv unter der Niedrigzinsphase, teilweise sind sogar die Ausschüttungen gemäß dem Stiftungszweck gefährdet.

von Dr. Max Schott

So sprechen eine Menge Argumente für Anleihen, die von soliden deutschen Unternehmen emittiert wurden. Denn diese weisen oft eine niedrige Verschuldung und eine gesunde Bilanzstruktur auf. Zudem existiert oft ein hoher Cash-Flow für die Bedienung der Anleihen, die attraktiven Kupons weisen zum Teil mehr als fünf Prozent auf. Sehr wichtig ist auch der Effekt, den Unternehmensanleihen auf das Portfolio insgesamt haben können: Historisch entwickeln sie sich weitgehend unabhängig von anderen Anlageklassen wie Staatsanleihen, Aktien und Immobilien.

Damit tragen sie zur Risikostreuung und einer gleichmäßigen Entwicklung in einem Portfolio bei. Allerdings gilt auch für Unternehmensanleihen, es gibt kein „free lunch“, keine risikofreie Rendite. Wo die Risiken liegen, hat man deutlich an hoch verzinslichen Anleihen von Solarzellen-Produzenten gesehen: Einige Unternehmen haben schon Insolvenz angemeldet, andere haben Zahlungsschwierigkeiten. Die Anleihekurse sind entsprechend am Wanken, bei einigen droht sogar der Totalausfall. Man muss dringend davor warnen, eine Anleihe nur aufgrund einer attraktiven Rendite und eines bekannten Firmennamens zu kaufen. Besonders riskante Emissionen erinnern an die Verhältnisse am Neuen Markt zu Zeiten der Technologieblase.

Um Unternehmensanleihen als Renditestütze in einem Portfolio zu nutzen, und die Risiken gleichzeitig im Griff zu behalten, empfiehlt sich daher eine systematische Vorgehensweise.

Quelle: panthermedia/Sven MichalczakEin gutes Beispiel für eine Anleihe, die aufgrund eines gründlichen Auswahlprozesses in ein Anleiheportfolio gekauft werden könnte, wurde von dem Chemiespezialisten Symrise AG emittiert. Auf den ersten Blick ein Sitz aus der Provinz in Südniedersachsen, verbirgt sich doch dahinter ein weltweit agierender Konzern mit 5500 Mitarbeitern in 35 Ländern. Zwei Argumente machen die Symrise-Anleihe attraktiv: Das Unternehmen ist in seinem Sektor Duft- und Geschmacksstoffe einer der klaren Marktführer und wächst stärker als der Marktdurchschnitt. Fast noch wichtiger: Die hergestellten Stoffe werden stark in Kosmetika und hochwertigen Nahrungsmitteln verwendet. Diese Konsumgüter-Segmente entwickeln sich nicht nur stabil, sondern profitieren sogar von übergeordneten Trends wie Wellness und Gesundheit.

Auch die fundamentalen Daten stimmen bei Symrise: die Eigenkapitalquote wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert, die Profitabilität gesteigert. Der freie Cash-Flow ist bei weitem hoch genug, um die ausstehende Anleihe zu bedienen. Aus diesen Gründen wurde die im Jahr 2010 emittierte Symrise-Anleihe mit einem Kupon von 4,125 % im September 2011 von vielen gekauft. Seitdem ist der Kurs der Anleihe von 99,5 auf 106 gestiegen, was sich positiv auf die Wertentwicklung eines ganzen Portfolios auswirkt.

Um eine breite Streuung zu erreichen, könnten nach intensiver Analyse auch beispielsweise Anleihen des Automobil-Zulieferers Albert Reiff, des Telekom-Dienstleisters Freenet und des Verpackungsspezialisten Gerresheimer gekauft werden. Das Ziel sollte lauten, einen Mix aus Anleihen verschiedener Restlaufzeiten, Branchen und Bonitätseinstufungen zusammenzustellen, um eine gleichmäßige Wertentwicklung zu erreichen. Wichtig ist auch: Das Portfolio sollte über mehrere Marktphasen hinweg aufgebaut werden, um zu verhindern, dass in einem überkauften Umfeld überteuert eingekauft wird.

Doch mit dem Kauf der Anleihe ist die Arbeit noch lange nicht erledigt. Die im Portfolio befindlichen Unternehmen müssen laufend beobachtet werden: Am 21. Juni meldete der Datendienstleister Markit, dass der Einkaufsmanager-Index der Industrie in Deutschland gesunken ist, da sich die Exportnachfrage abschwächt. Noch zeichnet sich nicht ab, dass die aktuell betrachteten Unternehmen unter dem Konjunktureinbruch leiden. Sollte es soweit kommen, müssten die Anleihen neu analysiert werden.

Der studierte Diplom-Kaufmann Dr. Max Schott ist Geschäftsführer der Sand und Schott GmbH sowie der smart-invest GmbH. Er ist Fondsmanager des smart-invest LINDOS AR und des smart-invest PROTEUS AR.

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