19.06.2012 | Von Die Stiftung

Wenn nur noch Tod und Steuern sicher sind

Maßgeschneiderte Spezialfonds können sich nur große Stiftungen leisten. Kleinere Organisationen müssen meist auf standardisierte Produkte zurückgreifen, deren Ausschüttungen weniger planbar geworden sind. Um ihren Stiftungszweck weiterhin voll erfüllen zu können, sollten kleinere Stiftungen daher ihre Anlagestrategie überprüfen.

Von Michael Heimrich

Quelle: panthermedia/Wawrzyniec Korona„Die Masse der kleinen Stiftungen mit einem Vermögen unter einer Million Euro ist kaum oder gar nicht in Aktien investiert und bei der Wiederanlage immer weniger in der Lage, mit ihrer an Sicherheit orientierten Vermögensanlage Erträge deutlich über der Inflationsrate zu erzielen“, weiß Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Die Investmentbranche hat darauf schon vor Jahren reagiert und mit Stiftungsfonds spezielle Anlageinstrumente für diese Klientel aufgelegt.

Dabei handelt es sich meist um ausschüttende Mischfonds. Investiert wird in der Regel in Anleihen, aber auch in Aktien, Immobilien und liquide Geldmarktpapiere. Die Aktienquote wird häufig auf maximal 30% des Fondsvermögens begrenzt.

Mit dieser vorsichtigen Strategie konnte zwar die Mehrzahl der Stiftungsfonds in den vergangenen Jahren Verluste vermeiden. Auch haben die Spezialprodukte den Anteilseignern im Durchschnitt jährlich eine Ausschüttung von 3 bis 5% gebracht und ihren Anspruch des Substanzerhalts und konstanter Ausschüttungen durchaus eingelöst.

Allerdings kann sich eine sehr defensive Aufstellung auch negativ auswirken. So waren im Jahr 2009 viele Manager nach dem Ausbruch der Finanzkrise zu vorsichtig und hielten zu viele Staatsanleihen, aber zu wenige Aktien und Corporate Bonds. Dies zeigt: Die Anlagestrategie von Stiftungen muss zwar konservativ ausgerichtet sein, sollte aber bei kontrollierbarem Risiko auch Chancen nutzen.

„Die an eine Kapitalanlage von Stiftungen gestellten Anforderungen lassen sich mit Hilfe einer Total Return-Strategie – kurz TRS – erfüllen, die das Risiko der Vermögensanlage zu jeder Zeit begrenzt und mittelfristig die Erzielung einer positiven Gesamtrendite ermöglicht“, sagt Dr. Kirsten Teegen, Leiterin Asset Management bei der National-Bank in Essen. Wichtig für eine erfolgreiche TRS seien ein klar strukturiertes und transparentes Risikomanagement, die Definition eines Risikobudgets sowie eine hohe Flexibilität in der Investitionsauswahl.

Nach Einschätzung der Expertin empfiehlt sich die Aufteilung des Anlagevermögens in einen risikoarmen Kern (z.B. Anleihen hoher Bonität, Geldmarktpapiere, Liquidität) und einen risikobehafteten Teil, der etwa in Unternehmensanleihen, ETFs auf Aktienindizes oder in solide Value-Aktien investiert. Dabei müssten nach den Worten von Teegen alle relevanten Risiken der Teilportfolios permanent und exakt erfasst werden, um Verluste zu begrenzen.

Wer zu konservativ investiert, riskiert, dass womöglich nicht genügend Rücklagen für einen realen Vermögenserhalt gebildet werden können. Von den Ausschüttungen können Stiftungen im Regelfall nur ein Drittel einer Rücklage zuführen.

Lars Dannheim, Leiter Private Banking Firmenkunden bei der Braunschweigischen Landessparkasse, empfiehlt daher, bei der Fondsanlage auch Kursgewinne zu generieren. Denn diese gelten als sogenannte außerordentliche Erträge, die komplett in die Rücklage eingestellt oder für den Stiftungszweck verwendet werde können. Dannheim: „Der Vorteil ist also, dass Stiftungen bei außerordentlichen Erträgen wählen können, ob ausgeschüttet werden soll oder nicht.“

Anbieter von Publikumsfonds wollen Stiftungen inzwischen immer häufiger über Produkte ansprechen, die eine feste Ausschüttung versprechen. Oberflächlich betrachtet scheint dies angesichts schwacher Renditen und zunehmender Risiken bei Staatsanleihen auch für Stiftungen ein verlockender Ansatz zu sein, da er in turbulenten Zeiten eine hohe Planungssicherheit verspricht.

Das Konzept hat jedoch einen großen Haken. Denn wenn ein Fondsmanager nicht genügend Rendite erwirtschaftet, muss er auf die Substanz zurückgreifen, um seine Auszahlungen vornehmen zu können. Er muss also zu einer Zeit, in der er ohnehin Verlust macht, Titel verkaufen, von denen er sich in guten Zeiten nicht getrennt hätte. In der Folgezeit hat es der Manager umso schwerer, den Wertverlust des Fonds auszugleichen.

Für Stiftungen bedeutet dies, dass sie bei garantierten stetigen Ausschüttungen ungewisse Risiken eingehen müssten. Auch benötigen sie in solchen Fällen eine verbindliche Auskunft, ob die geschilderte Auszahlungspolitik nicht dem Gebot des Kapitalerhalts widerspricht.

Eine Lösung für die Anlageprobleme kleinerer Stiftungen können unabhängige Vermögensverwalter sein. Performance-Nachweise belegen, dass Fonds mit vermögensverwaltendem Ansatz sowohl beim Kapitalerhalt als auch bei der Rendite punkten können (siehe auch den Artikel auf den nächsten Seiten).

Auf diese Fondsmerkmale kommt es an

Um für Stiftungen geeignet zu sein, sollten Investmentfonds im Wesentlichen folgende Charakteristika aufweisen:

Aktives Risikomanagement
Hohe Kursverluste wiegen schwer. Sie sollten strikt vermieden werden, um positive Renditen erzielen zu können.

Stetige Erträge bei hoher Sicherheit
Der Asset-Allokation sollte eine im Kern defensive Strategie zugrunde liegen, durch die auch in Krisenzeiten das Portfolio nicht oder nur geringfügig beschädigt wird. Nur so sind regelmäßige Ausschüttungen möglich.

Flexible Vermögensaufteilung
Die Portfoliostruktur muss aktuelle Marktbewegungen berücksichtigen. Die Auswahl der Anlageinstrumente sollte flexibel sein. Zusätzliche Investments in risikobehaftete Anlagen müssen bei einer geschickten Mischung nicht unbedingt mit zusätzlichen Risiken verbunden sein.

Niedrige Verwaltungskosten
Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio/TER) sollte auch bei einem komplexen Allokationsmodell 1,5% nicht überschreiten. Andernfalls müsste ein Fonds überdurchschnittliche Erträge erwirtschaften – in Krisenzeiten häufig ein Wunschtraum.


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