Die digitale Medienkompetenz der Deutschen ist in vielen Bereichen mangelhaft. Das fand die Stiftung Neue Verantwortung heraus. Mittels Online-Interviews wurden bundesweit 4.191 deutschsprachige Internetnutzer ab 18 Jahren befragt.

In fast allen Kompetenzbereichen der Untersuchung schnitten die Teilnehmer mittelmäßig bis schlecht ab. So fiel es ihnen mehrheitlich schwer, zwischen Werbung, Information, Desinformation und Meinung zu unterscheiden. Relativ gut waren die Befragten hingegen darin, die Neutralität oder Vertrauenswürdigkeit von Quellen einzuschätzen. Die Stiftung Neue Verantwortung hält diese Ergebnisse für kritisch, da Bürgerinnen und Bürger ohne Nachrichten- und Informationskompetenz anfälliger seien, populistischer Meinungsmache zu verfallen und Vertrauen in Institutionen zu verlieren. Die Studienautoren fordern Journalisten auf, ihre Rolle als „Gatekeeper“ wieder aktiver und transparenter zu erfüllen. Zudem müssten Social-Media-Plattformen ihre Nutzer bei der kompetenten Informationsbeschaffung unterstützen, indem sie Werbung und eindeutige Falschmeldungen plausibel kennzeichnen. Der Nachrichtenkompetenz-Test ist einer der ersten seiner Art weltweit. Er wurde unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt.

Zu den Ergebnissen gehören:

  1. Unterschiede zwischen Desinformation, Information, Werbung und Meinung werden zum Teil nur schwer erkannt
    Den Befragten fällt es zum Teil schwer, zwischen verschiedenen Kommunikationsabsichten, das heißt zwischen Werbung, Information, Desinformation und Meinung zu unterscheiden. So hielten 56 Prozent der Befragten ein Advertorial – trotz Werbekennzeichnung – fälschlicherweise für eine Information. 23 Prozent hätten richtig erkannt, dass es sich um Werbung handelt.
  2. Ob eine Quelle vertrauenswürdig ist, wird oft richtig eingeschätzt, Interessenskonflikte werden seltener erkannt
    Die Neutralität oder Vertrauenswürdigkeit von Quellen schätzten die Teilnehmer in verschiedenen Fragen zu mindestens 59 Prozent richtig ein. Allerdings fällt es – trotz weiterführender Informationen – oft schwer, die konkreten Interessenskonflikte zu benennen. Demnach erkannten 65 Prozent der Befragten, dass der Geschäftsführer eines Flugreisenportals als Autor eines Beitrags zum Thema Fliegen keine neutrale Quelle ist. Doch nur die Hälfte der Befragten konnten auch den konkreten Interessenskonflikt benennen.
  3. Menschen zweifeln an Unabhängigkeit des Journalismus von der Politik
    Der Gedanke, es gäbe gemeinsamen Machenschaften zwischen Medien und Politik, ist weit verbreitet: Ein Viertel der Bevölkerung teilt „Lügenpresse“-Vorwürfe. 25 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Medien und Politik Hand in Hand arbeiten, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren (weitere 28 Prozent sagen teils/teils). 24 Prozent glauben, dass die Bevölkerung in Deutschland von den Medien systematisch belogen wird (weitere 30 Prozent sagen teils/teils). Nur die Hälfte der Befragten weiß zudem, dass Nachrichten über einen Bundesminister ohne die Genehmigung des Ministeriums veröffentlicht werden dürfen. Insbesondere die journalistische Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird falsch eingeschätzt. Nur gut die Hälfte der Befragten konnte korrekt beantworten, dass Bundestagsabgeordnete nicht darüber entscheiden können, worüber der Rundfunk berichtet. Immerhin 22 Prozent glauben hier an eine politische Einflussnahme, weitere 24 Prozent geben hier „ich weiß nicht“ an. 35 Prozent der Befragten denken zudem, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Staatsministerin für Kultur und Medien unterstellt sei (40 Prozent geben hier „ich weiß nicht“ an).
  4. Jüngere Generationen kompetenter als Ältere – allerdings abhängig vom Bildungsabschluss
    Mit dem Alter sinkt die digitale Nachrichtenkompetenz, so ein Ergebnis. Doch daneben spielt auch Schulbildung eine zentrale Rolle. Betrachtet man beides zusammen, zeigt sich laut den Studienautoren besonders bei den 18- bis 39-Jährigen, die Relevanz des Bildungsgrads für die Nachrichtenkompetenz ist: Besonders nachrichtenkompetent sind die hochgebildeten Befragten zwischen 18 und 39 Jahren, während die am wenigsten nachrichtenkompetenten Befragten Menschen unter 40 mit niedriger Schulbildung sind. Generell zeige sich quer durch alle Altersgruppen: Je höher die formale Schulbildung, desto höher die Kompetenzwerte und desto höher auch das Vertrauen in Journalismus und Politik.
  5. Digitale Nachrichtenkompetenz hängt auch mit demokratischer Grundhaltung zusammen
    Neben Bildung und Alter steht laut Untersuchung auch die demokratische Grundhaltung der Befragten in Zusammenhang mit digitaler Nachrichten- und Informationskompetenz. Zu dieser demokratischen Grundhaltung zählen die Autoren die Bereitschaft von Bürgern, „sich über Politik zu informieren, die Wertschätzung für unabhängigen Journalismus, ein gewisses Grundvertrauen in Demokratie und Medien sowie die Fähigkeit, auch andere Meinungen zu tolerieren. Menschen, die diesen Einstellungen eher ablehnend gegenüber stehen, zeigen auch eine geringere Nachrichten- und Informationskompetenz“.

 

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