Aus Donors and Foundations Networks in Europe (Dafne) und European Foundation Centre (EFC) ist die Philanthropy Europe Association – Philea geworden. Was bringt die Verbindung zweier großer Spieler auf europäischer Ebene?

An der Adresse hat sich nichts geändert: Auch die Philanthropy Europe Association hat ihren Sitz im Philanthropy House in der Rue Royale in Brüssel. Die Folgen der Fusion von Donors and Foundations Networks in Europe (Dafne) und European Foundation Centre (EFC) sollen strategischer Natur sein. Der neue Akteur wirbt auf europäischer Ebene für die Philanthropie. Es ist ein Zusammenschluss unterschiedlicher Partner: Das EFC, gegründet am Tag des Mauerfalls, am 9. November 1989, besteht aus rund 200 Organisationen und geht über die EU-Grenzen hinweg. Dafne, formal gegründet 2015 nach jahrelangem Wachstum als informelles Netzwerk, ist ein Dachverband von Dachverbänden.

Mit Philea ist nun eine Organisation entstanden, die insgesamt rund 10.000 Stiftungen und alle nationalen Stiftungsverbände in Europa vertritt. Hinter dem Zusammenschluss zu Philea stecke zum einen der politische Aspekt der Vertretungsmacht, sagt Max von Abendroth – der bisherige Dafne-Geschäftsführer ist designierter strategischer Leiter bei Philea. „Gemeinsam können wir die Interessen am wirkungsvollsten vertreten.“ Zum anderen ist die Fusion auch eine Folge der ähnlichen Arbeitsgebiete, die sich etwa in Form des gemeinsam veröffentlichten European Philanthropy Manifesto zeigte. „Es gab Bereiche, in denen EFC und Dafne drohten, in Konkurrenz zueinander zu stehen. Auch nach außen war nicht ganz klar, wie die Rollen verteilt sind.

„80 Prozent der Gesetze, die für Stiftungen relevant sind, haben in Brüssel ihren Ursprung.“

Max von Abendroth, Philea

Mit einer Stimme zu sprechen und sich zu koordinieren, ergab für uns, die wir die Verbände führten, viel Sinn.“ Eineinhalb Jahre lang habe man gemeinsam ein Konzept entwickelt. „Nun haben wir eine Lösung, die durchaus die gewünschte Wirkung entfalten kann. Der nächste Schritt ist, das Ganze mit Leben zu füllen.“

Europaweit sichtbar machen

Von Dafne zu Philea: Max von Abendroth ist strategischer Leiter des Dachverbands. Foto: Privat

Wie sich das neue Miteinander gestaltet, soll eine Governance-Struktur regeln, die beiden Parteien Rechnung trägt. Der Vorstand bestehe in einem in den Statuten verankerten Proporz aus bisherigen EFC- und Dafne-Mitgliedern. Der Vorsitz wechsle alle zwei Jahre ab. „Ganz viel liegt im Vertrauen darin, dass wir eine gemeinsame Vision haben, wie wir die Plattform entwickeln wollen. Es geht nicht darum, einander auszubooten“, sagt von Abendroth. In diesem Geist habe man zusammengearbeitet. Die Pandemie habe die Lage nicht einfacher gemacht. „Alle Sitzungen fanden online statt, gemeinsame Abendessen und Gelegenheiten zum persönlichen Austausch fehlten.“

Philea soll Philanthropie europaweit sichtbar machen und Gehör verschaffen. „Wir sind an einem interessanten Punkt angelangt“, sagt von Abendroth: „Wir haben viele Jahre darin investiert, dass Politiker verstehen, was der Philanthropiesektor eigentlich ist. Jetzt sind wir froh, dass es eine schriftliche Basis gibt: den EU-Aktionsplan für die Sozialwirtschaft.“ Auch gebe es in Mairead McGuinness, der Kommissarin für Finanzdienstleistungen, Finanzstabilität und die Kapitalmarktunion, jemanden, der sich für das Thema einsetzt. „Es ist uns gelungen, Sichtbarkeit herzustellen – in Brüssel ein langwieriger Prozess.“

Das gescheiterte EU-Stiftungsstatut, das sich für eine europäische Stiftungsform einsetzte, hätte aus Sicht von Abendroths auch heute geringe Erfolgsaussichten. „Aber es gibt viele andere europarechtliche Themen, die wir voranbringen können, wie etwa die gegenseitige Anerkennung der Gemeinnützigkeit zwischen einzelnen Mitgliedstaaten.“ Die künftige Arbeit wird auch das Werben dafür umfassen, die Rechtsform der Stiftung weniger argwöhnisch zu beäugen – etwa als Vehikel zur Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder gar Terrorfinanzierung. Diese Sicht sei in der Politik immer noch gang und gäbe – einzelne Negativbeispiele reichten aus, um den Sektor in Verruf zu bringen.

Auf den EU-Institutionen wird ein Augenmerk der Arbeit liegen, allerdings wird der geographische Raum vom Europarat vorgegeben, wie von Abendroth betont: jener 1949 gegründeten Organisation, deren 49 Mitgliedstaaten für rund 820 Millionen Menschen stehen – das EFC hat zudem Mitgliedsstiftungen aus den USA, die in Europa tätig sind. „Aber auch wenn bei der politischen Arbeit England, Norwegen und die Schweiz etwas außen vor sein werden, ist das, was in Brüssel geschieht, auch für die dortigen Stiftungen relevant.“

Konzentration auf Europa

Philea verstehe sich dezidiert als Interessenvertretung der europäischen Philanthropie – auf Ebene der Vereinten Nationen besteht mit Wings bereits ein etablierter Akteur. Und auch der europäische Anspruch unterliegt Einschränkungen: „Natürlich können wir am Ende nur für den organisierten Teil der Philanthropie sprechen“, so von Abendroth mit Blick auf rund 140.000 Stiftungen im Einzugsgebiet von Philea. „Aber das, was wir tun, hat auch Auswirkungen auf die Stiftungen, die nicht organisiert sind. Wir wollen uns kein größeres Mandat geben, als uns zusteht – aber es ist wichtig, auf EU-Ebene zu zeigen, was Philanthropie alles umfasst.“

Das sind eben nicht nur Stiftungen. „Wir haben uns entschieden, für die Philanthropie insgesamt zu stehen. Das ist ein Unterschied zum EFC, das stark auf Stiftungen konzentriert war.“ Eine gemeinnützige Organisation sei laut Statuten ein privater Akteur, der Mittel zur Verfügung habe, die er unabhängig vom Staate einsetzen könne – und das über einen längeren Zeitraum. Diese beiden Hauptkriterien müssten nicht eigenes Stiftungskapital sein. „In vielen Ländern gibt es das Modell der deutschen Stiftung so gar nicht. In Spanien sind die meisten Stiftungen Fundraisingstiftungen.“

„In Brüssel sind ungezählte Verbandsvertreter aktiv. Da bemerkt zu werden und sich Anerkennung zu verschaffen, ist eine ständige Herausforderung.“

Rupert Graf Strachwitz, Maecenata-Stiftung

Jenseits der Förderung des Images der Philanthropie wird Philea drei Querschnittsthemen angehen: Klima, Demokratie und Gleichberechtigung. „Am liebsten möchten wir Philanthropie inhaltlich sichtbar machen. Dort, wo Stiftungen besonders stark sind, gelingt es, ihre Rolle und Wirkung am besten zu kommunizieren: Soziale Gerechtigkeit ist vielen Stiftungen wichtig, ebenso der Klimaschutz. Hierzu lassen sich viele Geschichten erzählen, die den Sektor greifbar und konkret machen.“

Von Abendroth wird die Strategie verantworten, neue Geschäftsführerin von Philea wird seine bisherige EFC-Amtskollegin Delphine Moralis. Eine personelle Verkleinerung sei nicht geplant. Philea starte mit der vollen Belegschaft aus beiden Organisationen, rund 30 Personen, in das als Übergangsjahr definierte 2022. „Eine wirtschaftliche Konsolidierung ist nicht das Ziel“, sagt von Abendroth. Philea verfüge über ein Jahresbudget von knapp unter vier Millionen Euro. „Das ist schon ein gutes Budget, mit dem Philea als europäischer Verband die gewünschte Wirkung entfalten kann.“

Kein exklusiver Zirkel

Apropos Budget und finanzielle Hürden: Philea will hier offen sein für Kooperation nach außen: Mitunter sei das EFC als exklusiver Verband wahrgenommen worden, sagt von Abendroth. Das solle sich ändern. „Wir wollen auch Zusammenarbeit mit Stiftungen und Verbänden, die nicht Mitglieder sind. Es wird sicherlich unterschiedliche Angebote geben für Mitglieder und Nichtmitglieder, aber grundsätzlich ist es wichtig, dass wir offen und inklusiv arbeiten.“

Rupert Graf Strachwitz, als Gründer der Maecenata- Stiftung bislang Mitglied des European Foundation Centre, sieht die neuen europäischen Impulse positiv – aber auch die Herausforderungen: „Philea ist in Brüssel sehr gut aufgestellt. Im eigenen Haus mitten im Zentrum können Veranstaltungen stattfinden, kann man Präsenz zeigen – was vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen nicht möglich ist.“ Eine Herausforderung sei das Selbstverständnis als Teil der Zivilgesellschaft. „Hiermit hat man sich in der Vergangenheit schwergetan. Das passt nicht mehr in die Landschaft. Ich hoffe, dass es hier, wie angestrebt, mehr Austausch mit anderen zivilgesellschaftlichen Verbänden geben wird. Gerade in einer Zeit, in der Stiftungen und ihre Macht international immer wieder in der Kritik stehen. Ganz allgemein dürfen Stiftungen nicht einfach die Philanthropie kapern.“

Ein Nebeneffekt der neuen Verbindung könnte auch sein, dass deutsche Stiftungen mehr auf die europäische Ebene blicken. „Eine Hoffnung ist, dass wir bei Philea eine starke Stimme des Bundesverbands Deutscher Stiftungen haben“, sagt von Abendroth. Auch das EFC hatte deutsche Mitglieder, „aber bei den meisten deutschen Stiftungen stelle ich fest, dass das Interesse an europäischer Arbeit nicht ganz so groß ist wie etwa bei den anderen europäischen Stiftungen“.

 

 

 

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