Stefan Dworschak, Autor bei DIE STIFTUNG https://www.die-stiftung.de/ueber-uns/redaktion/stefan-dworschak/ Magazin für Stiftungswesen und Philanthropie Fri, 03 Jul 2026 09:07:26 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Anstrengend, aber sinnstiftend https://www.die-stiftung.de/news/stiftungsszene/anstrengend-aber-sinnstiftend-161911/ Tue, 23 Jun 2026 14:46:18 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=161911

Die Stiftung Bürgermut hat Führungskräfte aus Stiftungen zu ihrer Situation befragt. Viele erleben diese aktuell als kritisch und sinnstiftend zugleich. Ein wichtiger Hebel ist ausreichend Zeit für strategisches Handeln.

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Die Stiftung Bürgermut hat Führungskräfte aus Stiftungen zu ihrer Situation befragt. Viele erleben diese aktuell als kritisch und sinnstiftend zugleich. Ein wichtiger Hebel ist ausreichend Zeit für strategisches Handeln.

Wie geht es den Führungskräften in Stiftungen? Damit hat sich eine aktuelle Umfrage der Stiftung Bürgermut beschäftigt. Sie hat deutschlandweit Geschäftsführer und Vorstände von gemeinnützigen Organisationen befragt. 75 Prozent der 302 Teilnehmer waren Frauen. 87 Prozent der Antwortenden arbeiten als hauptamtliche Führungskräfte.

Nur die wenigsten Führungskräfte, von denen fast alle über einen Studienabschluss verfügen und zwölf Prozent eine Promotion abgeschlossen haben, sind demnach gut auf ihre Rolle vorbereitet. „62 Prozent geben an, dass in ihrer Ausbildung Inhalte zu Führung, Organisation und Management keine Rolle spielten. Lediglich neun Prozent hatten bei der Übernahme der Führungsrolle umfassende Unterstützungsangebote oder konnten Weiterbildungsmaßnahmen nutzen“, so die Studienautoren. Die eigene Rolle empfinden 24,8 Prozent als überwiegend positiv, 18,8 Prozent nennen sie erfüllend. Als belastend ordnen 11,9 Prozent ihre Position ein. 44,6 Prozent nennen sie herausfordernd. Belastung werde dabei nicht als Scheitern, sondern als Teil einer sinnvollen Aufgabe verstanden – „vorausgesetzt, es besteht die Möglichkeit, wirksam zu handeln und Gestaltungsspielräume zu nutzen“.

Freiraum für strategische Arbeit?

Diese Freiräume entscheiden darüber, ob Führungskräfte strategisch agieren können oder in einem „dauerhaft operativen Arbeitsmodus“ verharren. „Ausreichend Zeit zu haben, ist kein Luxus, sondern eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Wirksamkeit von Führungskräften“, so die Autoren. Und stehe auch in Verbindung mit dem Aspekt langfristiger Gesundheit. Führungskräfte, die ausreichend beziehungsweise im Vergleich mehr Zeit für strategische Fragen hätten, schätzten ihre langfristige Arbeitsfähigkeit deutlich positiver ein und sähen sich seltener von einem Burnout bedroht.

81 Prozent der Führungskräfte bezeichnen ihre Arbeit auch in schwierigen Phasen als sinnstiftend. Hier zeige sich wiederum ein Zusammenhang zwischen den vorhandenen Freiräumen und der Sinnhaftigkeit: „Je mehr Zeit für strategische Fragen wahrgenommen wird, desto stärker wird die Arbeit auch in schwierigen Phasen als sinnstiftend empfunden.“

Die Studienautoren identifizieren anhand der Daten drei Führungstypen: Strategisch Verankerte sind demnach solche, die mit ausreichend Gestaltungsspielraum arbeiten, Prioritäten bewusst setzen und sich Zeit für strategische Fragen sichern – und dadurch langfristig stabil und wirksam bleiben. Sie machen 13 Prozent der Antwortgeber aus. Unter Druck Arbeitende bewältigen hingegen hohe Anforderungen, halten den Betrieb aufrecht, haben aber zu wenig Raum für strategische Arbeit – ihre Situation ist instabil und kann in beide Richtungen kippen. Dies seien 62 Prozent der Führungskräfte der Umfrage. Ein Viertel zählt zum Lager der Dauer-Reaktiven: „Sie agieren fast ausschließlich im operativen Modus, reagieren auf akute Anforderungen und haben kaum Gestaltungsspielraum – mit hohem Risiko für Überlastung und Erschöpfung.“

Aus diesen Befunden leiten die Autoren mehrere Empfehlungen ab: Radikal Prioritäten zu setzen – und Dinge auch bewusst zu streichen, Zeit für Strategie zu schaffen und sie fest einzuplanen. Das bedeutet laut Umfrage auch, Aufgaben bestmöglich zu delegieren und klare Profile zu schaffen. Gerade in kleineren Organisationen, wo Führungskräfte oft eine zu breite Aufgabenpalette erfüllen.

ZU DEN UMFRAGEERGEBNISSEN

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Was zählt, ist neben dem Platz https://www.die-stiftung.de/news/stiftungsszene/was-zaehlt-ist-neben-dem-platz-161849/ Wed, 17 Jun 2026 14:10:37 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=161849 WM als Randnotiz: Ohne Fußball gäbe es sie nicht – und dennoch stehen etablierte Organisationen wie Manuel Neuer Kids Foundation und Agapedia-Stiftung längst für sich. Foto: by-studio/stock.adobe.com

Die Fußballweltmeisterschaft gilt als größtes Sportereignis der Welt. Was bedeutet sie für Stiftungen, die von Fußballern gegründet wurden? Können sie damit mehr Öffentlichkeit für ihre Arbeit herstellen? Und wollen sie das überhaupt?

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WM als Randnotiz: Ohne Fußball gäbe es sie nicht – und dennoch stehen etablierte Organisationen wie Manuel Neuer Kids Foundation und Agapedia-Stiftung längst für sich. Foto: by-studio/stock.adobe.com

Die Fußballweltmeisterschaft gilt als größtes Sportereignis der Welt. Was bedeutet sie für Stiftungen, die von Fußballern gegründet wurden? Können sie damit mehr Öffentlichkeit für ihre Arbeit herstellen? Und wollen sie das überhaupt?

Vor genau 40 Jahren, bei der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko, entstand die Mexico-Hilfe des Deutschen Fußballbundes (DFB). Seit 2001 ist sie ein Arbeitsbereich der DFB-Stiftung Egidius Braun. 2026 findet die WM in den USA, Kanada und in Mexiko statt. Eine Gelegenheit, auf die Arbeit der Hilfe aufmerksam zu machen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler, die beide auch dem Kuratorium der Stif- tung angehören, haben angekündigt, in Mexiko-Stadt eine Einrichtung zu besuchen, die die Stiftung unterstützt. Der Gründung war 1986 der Besuch eines Waisenhauses vorausgegangen.

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Wie Stiftungsgeschichte geschrieben wird https://www.die-stiftung.de/news/stiftungsszene/wie-stiftungsgeschichte-geschrieben-wird-161776/ Fri, 05 Jun 2026 13:52:45 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=161776 Je nach Organisation reicht die Geschichte viele Jahre zurück – die Auswertung erfordert von Historikern entsprechend klassische analoge Recherchearbeit. Foto: Zerbor – stock.adobe.com

Stiftungen haben eine mal längere, mal kürzere Vorgeschichte – mindestens die des Stifters selbst, die eines Unternehmens oder auch die einer ganzen Familie. Wie nähern sich Historiker bei der Aufarbeitung den Organisationen an? Auf welche Besonderheiten stoßen sie? Und wie fallen die Reaktionen aus?

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Je nach Organisation reicht die Geschichte viele Jahre zurück – die Auswertung erfordert von Historikern entsprechend klassische analoge Recherchearbeit. Foto: Zerbor – stock.adobe.com

Stiftungen haben eine mal längere, mal kürzere Vorgeschichte – mindestens die des Stifters selbst, die eines Unternehmens oder auch die einer ganzen Familie. Wie nähern sich Historiker bei der Aufarbeitung den Organisationen an? Auf welche Besonderheiten stoßen sie? Und wie fallen die Reaktionen aus?

Dass Gremien immer wieder medienwirksam entscheiden, den Namen einer Stiftung zu ändern, ist das vielleicht deutlichste Anzeichen dafür, welche Rolle die Biographie des Stifters für die Rechtsform spielt. 2023 wurde etwa aus der Bischof-Stein-Stiftung die Stiftung Glauben leben im Bistum Trier. Hintergrund war der Umgang des 1993 verstorbenen Trierer Geistlichen mit dem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche in seiner Amtszeit. Im Januar dieses Jahres legte die Theodor-Pfizer-Stiftung ihren Namen ab und heißt seither „Zukunft Studienstiftung“. Zu schwer wogen die Vorwürfe gegen den früheren Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Richter am baden-württembergischen Staatsgerichtshof und Vorstandsvorsitzenden der Studienstiftung des Deutschen Volkes zu dessen Verhalten im Nationalsozialismus.

Die Geschichte der Stiftungen und der Menschen dahinter ist das Arbeitsgebiet von Historikern wie Michael Kamp. Der Schwerpunkt des Inhabers einer Geschichtsagentur mit Hauptsitz in München liegt auf Unternehmensgeschichten, doch seit 2007 die ersten Stiftungen anklopften, beschäftigt ihn, die NS-Expertin Ina Deppe und weitere Kollegen bei Neumann und Kamp Historische Projekte auch die auf Ewigkeit angelegte Rechtsform. Die erste Stiftungsgeschichte war die zur Else-Kröner-Fresenius-Stiftung. „Daraus folgte dann sogar eine Biographie über Else Kröner, die Stifterin“, sagt der promovierte Historiker Kamp. Auf 250 Seiten stellen die Historiker das Wirken der 1925 geborenen gebürtigen Frankfurterin dar, die zum Ziehkind der Unternehmerfamilie Fresenius und für die Entwicklung des Unternehmens so wichtig werden sollte.

„Man kommt in sehr persönliche Bereiche der betreffenden Personen.“

Michael Kamp, Historiker

Stiftungen haben oftmals Unternehmensbezug, und gerade ältere deutsche Unternehmen in der Regel auch eine NS-Geschichte. Auch wenn Transparenz 2026 als selbstverständlich angenommen wird: Wissenschaftliche Erarbeitung der Geschichte kann negative Informationen zutage fördern, mit denen eine Organisation erst einmal umgehen muss. In ihrer Arbeit spiele das keine besonders problematische Rolle, sagt Kamp. Auch wenn es keine vertraglich fixierte Zusicherung seitens der Auftraggeber gebe, dass die Ergebnisse in jedem Fall veröffentlicht werden. „Bislang bestand dazu nicht die Notwendigkeit. Wenn uns jemand beauftragt hat, ein Buch zu schreiben, das veröffentlicht werden soll, dann ist es auch veröffentlicht worden.“ Mitunter komme es vor, dass Auftraggeber versuchten, steuernd einzugreifen, sie ließen sich dann in der Regel aber davon überzeugen, dass das keine gute Idee ist. „Dagegen steht unsere wissenschaftliche Objektivität und Ethik. Wir erklären dann, dass das nicht geht“, sagt Kamp. „Es ist einmal in rund 150 Projekten passiert, dass wir es abgelehnt haben, als Autoren aufzutreten. Das war aber nicht im Stiftungszusammenhang. Auftragsgeschichte ist keine Gefälligkeitsgeschichte.“

Herantasten an die Historie

Dazu, dass es nicht zu einem solchen radikalen Schritt kommt, kann ein stufenartiger Prozess beitragen. „Wir fangen häufig mit einem kürzeren Gutachten oder Exposé an, das dann auch intern ist“, sagt Ina Deppe. Die Ausgangsposition ist sehr unterschiedlich. Mitunter würden sich Stiftungen an die Historiker wenden, um überhaupt eine erste Ahnung davon zu bekommen, was in der Vergangenheit passiert ist. „Die handelnden Personen wissen selbst nicht unbedingt, was der Stifter oder die Stifterin in der NS-Zeit getan hatte – oder wie es sich mit dem Vermögen verhält, das später in die Stiftung floss. Vielleicht gibt es schon einen Anfangsverdacht, aber in solchen Fällen geht es erst einmal um die Sicherung von Wissen und eine Einschätzung.“

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„Nicht jeder muss eine rechts­fähige Stiftung gründen“ https://www.die-stiftung.de/news/zivilgesellschaft/nicht-jeder-muss-eine-rechtsfaehige-stiftung-gruenden-161656/ Mon, 18 May 2026 12:43:49 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=161656 Austausch über Stiftungsarbeit, ihre Spielarten und genossenschaftliche Werte: Tobias Müller (Die Stiftung), Fabian Müller (DZ Privatbank), Hans-Dieter Meisberger (DZ Privat­bank), Stefan Nährlich (Stiftung Aktive Bürgerschaft), Steffen Müller (Stiftung Geste) und Stefan Dworschak (Die Stiftung, von links) Foto: Bernd Roselieb

Stiftungsarbeit hat viele Facetten. Welche Rolle die Varianten spielen können, welche Probleme sie lösen und wie sich der genossenschaftliche Gedanke hierzu verhält, waren Themen beim Roundtable der DZ Privatbank.

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Austausch über Stiftungsarbeit, ihre Spielarten und genossenschaftliche Werte: Tobias Müller (Die Stiftung), Fabian Müller (DZ Privatbank), Hans-Dieter Meisberger (DZ Privat­bank), Stefan Nährlich (Stiftung Aktive Bürgerschaft), Steffen Müller (Stiftung Geste) und Stefan Dworschak (Die Stiftung, von links) Foto: Bernd Roselieb

Stiftungsarbeit hat viele Facetten. Welche Rolle die Varianten spielen können, welche Probleme sie lösen und wie sich der genossenschaftliche Gedanke hierzu verhält, waren Themen beim Roundtable der DZ Privatbank.

Wir sprechen heute über Stiftungen im genossenschaftlichen Kontext. Herr Müller, die Stiftung Geste kennt im Sektor vielleicht noch nicht jeder. Was macht sie, und was ist Ihre Aufgabe dabei?

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„Entwicklungszusammenarbeit ist auch für uns in Deutschland wichtig“ https://www.die-stiftung.de/news/entwicklungszusammenarbeit/entwicklungszusammenarbeit-ist-auch-fuer-uns-in-deutschland-wichtig-160543/ Tue, 16 Dec 2025 08:36:46 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=160543 Diskutierten über den Umgang mit den Folgen der Mittelkürzungen: Ottilie Bälz (Robert-Bosch-Stiftung), Ilonka Boltze (Karl-Kübel-Stiftung), Tobias Kahler (Gates Foundation), Magdalena Kirchner (Stiftung Mercator) und Claudia Straßer (Child Invest Foundation, SOS-Kinderdörfer weltweit). Fotos: Robert-Bosch-Stiftung, Steffen Herbrechtsmeier-Kauffmann, Michael Danner, Peter Gwiadza, SOS-Kinderdörfer weltweit

Die Kürzungen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit treffen auch deutsche Stiftungen und Non-Profit-Organisationen. Wie sie die Situation bewerten, welche Möglichkeiten sie sehen und welche Maßnahmen sie und andere Akteure ergreifen, war Thema beim Roundtable in Kooperation mit Engagement Global.

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Diskutierten über den Umgang mit den Folgen der Mittelkürzungen: Ottilie Bälz (Robert-Bosch-Stiftung), Ilonka Boltze (Karl-Kübel-Stiftung), Tobias Kahler (Gates Foundation), Magdalena Kirchner (Stiftung Mercator) und Claudia Straßer (Child Invest Foundation, SOS-Kinderdörfer weltweit). Fotos: Robert-Bosch-Stiftung, Steffen Herbrechtsmeier-Kauffmann, Michael Danner, Peter Gwiadza, SOS-Kinderdörfer weltweit

Die Kürzungen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit treffen auch deutsche Stiftungen und Non-Profit-Organisationen. Wie sie die Situation bewerten, welche Möglichkeiten sie sehen und welche Maßnahmen sie und andere Akteure ergreifen, war Thema beim Roundtable in Kooperation mit Engagement Global.

Lassen Sie uns zum Einstieg einen kurzen Blick auf Ihre Organisationen werfen und darauf, wie Sie von den Kürzungen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit betroffen sind.

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Die Hamburg-Datenbank https://www.die-stiftung.de/news/kooperationen/die-hamburg-datenbank-160340/ Tue, 11 Nov 2025 10:53:25 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=160340 Wachstumsprojekt: Die Hamburger Datenbank umfasst mehr als 200 Stiftungen. Screenshot: DIE STIFTUNG

Eine neue Plattform soll für mehr Orientierung und Transparenz in der Hamburger Stiftungslandschaft sorgen – und damit die Vernetzung zwischen Förderern und Geförderten verbessern.

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Wachstumsprojekt: Die Hamburger Datenbank umfasst mehr als 200 Stiftungen. Screenshot: DIE STIFTUNG

Eine neue Plattform soll für mehr Orientierung und Transparenz in der Hamburger Stiftungslandschaft sorgen – und damit die Vernetzung zwischen Förderern und Geförderten verbessern.

Insgesamt gibt es in Hamburg mehr als 1.500 selbständige Stiftungen. In Verbindung mit potentiellen Kooperationspartnern inner- und außerhalb des Non-Profit-Sektors entsteht eine Vielzahl an möglichen Kombinationen. Doch damit diese zum Tragen kommen können, braucht es die entsprechende Vernetzung. Sie ist das Ziel einer Stiftungsdatenbank, die am 1. Oktober mit 200 Stiftungen und 300 Förderangeboten gestartet ist. „Das Problem, das wir angehen wollen, besteht seit jeher“, sagt Rüdiger Ratsch-Heitmann, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Hamburg und des Stiftungsbüros Hamburg. „Organisationen, die Fördermittel suchen, sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.“ Dieses „Matchingproblem von beiden Seiten“, wie Ratsch-Heitmann es nennt, soll das Gemeinschaftsprojekt von Bürgerstiftung, dem dort angesiedelten Stiftungsbüro, dem Förderberatungsprojekt Engagement Dock und der University of Hamburg Business School beheben.

Rüdiger Ratsch-Heitmann ist Geschäftsführer der Bürgerstiftung Hamburg und des Stiftungsbüros Hamburg. Foto: Michael Taterka

Die Suchfunktion lässt sich auf Stiftungen oder Angebote einstellen und nach Engagementfeld und Form der Förderung zuschneiden, sodass sie möglichst passgenaue Ergebnisse ausspuckt. Die Suche verrate, welche Stiftung welche Themen unterstützt, gebe Übersicht über Stipendien, Preise, Weiterbildungs- und Unterstützungsangebote, so Ratsch-Heitmann. „Wir wollen ein nützliches Tool zur Hand geben für Praktiker, die etwas brauchen oder zu geben haben. Im Stiftungsbüro merken wir schon seit Längerem, dass viele personell schmal aufgestellte Stiftungen Schwierigkeiten haben, passende Förderpartner zu finden.“

„Wir wollen ein nützliches Tool zur Hand geben für Praktiker, die etwas brauchen oder zu geben haben.“
Rüdiger Ratsch-Heitmann

Impuls aus der Universität

Den Anstoß zur Umsetzung habe die Begegnung mit Michel Clement, Professor für Marketing und Medien an der Universität Hamburg, gegeben. „Er hatte Vorerfahrungen im Bereich Start-up-Förderung. Wir waren uns ziemlich schnell einig, dass es interessant sein könnte, ein solches Projekt wissenschaftlich aufzuziehen und die Vorerfahrungen einzubringen”, so Ratsch-Heitmann. „Bei uns geht es viel um die Vermarktung von Musik, Büchern und Spielfilmen“, sagt der Professor. „Wir haben daher immer relativ viel Industriekontakte, hören viele Gründungsideen – die aber eben noch Mittel brauchen.“ Und so habe man sich schon vor fünf, sechs Jahren daran gemacht, den Prozess zu optimieren, kapitalsuchende Start-ups und kapitalgebende Investoren zu vermitteln, sagt Clement. Das Ergebnis war eine preisgekrönte Datenbank, die nun das Vorbild für das Stiftungspendant wurde.

Michel Clement ist Professor für Marketing und Medien an der Universität Hamburg. Foto: UHH/Rostami-Rabet

„Stiftungsdatenbanken und Suchplattformen gibt es bereits einige, unter anderem vom Bundesverband oder hier in Hamburg auch von der Stiftungsaufsicht in der Justizbehörde. Sie umfassen aber in der Regel lediglich die Satzungszwecke oder die relevanten und aktuellen Informationen zu Antragsmöglichkeiten sind hinter einer Bezahlschranke“, sagt Ratsch-Heitmann. „Bei unserer Datenbank sind die Basis real existierende Förderangebote und Stiftungsinformationen, die wir kostenfrei abrufbar zur Verfügung stellen. KI-generierte Datenpools reichen für ein solches Angebot daher auch nicht aus. Es muss gut kuratiert, sortiert und geprüft werden – im Dialog und Einvernehmen mit beteiligten Stiftungen. Denn nicht alle wollen eine größere Bühne für ihre Förderprogramme.“

Im Projekt Stiftungsdatenbank steckt für ihn auch das Thema Gerechtigkeit. „Zugänge zu Fördermitteln sind sehr unterschiedlich gestaltet. Seit Jahren beraten wir kleine Organisationen bei der Akquise von Fördermitteln. Wir haben gemerkt, wie unterschiedlich hoch die Hürden sind, wenn es darum geht, an Fördermittel zu kommen. Migrantischen Organisationen oder auch marginalisierten Personen, die Organisationen prägen, fehlt oft das Netzwerk. Für sie ist diese kostenfreie Datenbank ein wichtiges Werkzeug.“

Sparring mit 30 Stiftungen

Der Start des Projekts ging mit 30 Stiftungen als Sparringspartner vonstatten, erklärt Morten Jendryschik, Stiftungsbüro Hamburg. „Das waren Organisationen mit ganz verschiedenen Themen und Volumina aus dem Netzwerk des Hamburger Stiftungsbüros.“ An dieses Sample habe man Fragebögen geschickt, um in Erfahrung zu bringen, was Hamburger Stiftungen von einer Datenbank erwarten. „Auch in Experteninterviews mit gemeinnützigen Organisationen, die regelmäßig Unterstützung suchen, haben wir evaluiert, was abzufragen ist – was die suchende und die gebende Seite betrifft. Dann haben wir einen finalen Fragebogen an rund 225 Stiftungen verschickt, die an den Hamburger Stiftungstagen mitgewirkt haben.“ Aus diesen Rückläufern und weiteren Stiftungen sei der jetzige Datenpool entstanden.

Morten Jendryschik ist Projektleiter im Stiftungsbüro Hamburg. Foto: Michael Taterka

Er soll Jahr für Jahr weiterwachsen. Das Stiftungsbüro arbeite mit 380 bis 400 Stiftungen regelmäßig zusammen. „Aus diesem Pool ergibt sich die nächste Ausbaustufe“, so Ratsch-Heitmann. Eine Datenbank sei allerdings immer nur so gut, wie sie aktuell gehalten werde. Wer sich aufnehmen lässt, hat also die Möglichkeit, die Daten auf Stand zu halten. „Sie werden freundlich daran erinnert. Wie gut das funktioniert, müssen wir aber noch weiter verproben.“

Neben der Unterstützung bei der Implementierung haben Clement und seine Studierenden eine weitere Rolle: Sie zeichnen ein Bild der entstehenden Netzwerklandschaft. „Wir können zum Beispiel auswerten, was gefördert wird, wie der Anteil an operativen und fördernden Organisationen ist, die Bereiche in einer Wortwolke darstellen“, sagt Clement. „Damit lässt sich das Ökosystem in Hamburg visualisieren und zeigen, wie Angebot und Bedarf sich zueinander verhalten.“ Und das in einem bislang wenig erforschten Bereich. „Stiftungen sind sehr aktiv, halten sich aber eher im Hintergrund. Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Hamburg sind bereits zwei Master- und zwei Bachelorarbeiten entstanden.“ Stiftung und Hochschule haben im Sommersemester 2025 zum zweiten Mal die interdisziplinäre Vorlesungsreihe „Management von Stiftungen“ umgesetzt.

Die Datenbank ist zwar ein Hamburger Produkt, der Ansatz aber natürlich nicht darauf beschränkt. „Theoretisch ließe es sich auch in anderen Bundesländern ausrollen“, sagt Clement. „Aber man muss natürlich irgendwo anfangen und schauen, wie es sich entwickelt.“ Man habe sich erst mal auf den Start konzentriert, sagt Ratsch-Heitmann und erinnert daran, dass es im Non-Profit-Sektor auch entsprechende kommerzielle Angebote gibt. „Alles andere überlegen wir uns noch.“

Hamburger Stiftungsdatenbank

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„Stiftungsarbeit hat den Auftrag, auch mal ins Risiko zu gehen“ https://www.die-stiftung.de/news/gemeinnuetzige-stiftung/stiftungsarbeit-hat-den-auftrag-auch-mal-ins-risiko-zu-gehen-160226/ Thu, 30 Oct 2025 10:23:11 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=160226 Vorstand der Joachim-Herz-Stiftung: Ulrich Müller und Sabine Kunst Foto: Joachim-Herz-Stiftung

Die Joachim-Herz-Stiftung zählt zu den größten Stiftungen Deutschlands. Die Hamburger Organisation steht vor dem Abschluss eines Transformationsprozesses hin zu mehr Praxisnähe und Wirkung. Über die Beweggründe, Feedback und Widerstände sprechen im Interview die Vorstandsvorsitzende Sabine Kunst und ihr Stellvertreter Ulrich Müller.

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Vorstand der Joachim-Herz-Stiftung: Ulrich Müller und Sabine Kunst Foto: Joachim-Herz-Stiftung

Die Joachim-Herz-Stiftung zählt zu den größten Stiftungen Deutschlands. Die Hamburger Organisation steht vor dem Abschluss eines Transformationsprozesses hin zu mehr Praxisnähe und Wirkung. Über die Beweggründe, Feedback und Widerstände sprechen im Interview die Vorstandsvorsitzende Sabine Kunst und ihr Stellvertreter Ulrich Müller.

Die Joachim-Herz-Stiftung hat die bisherigen Fachbereiche aufgelöst und bearbeitet nunmehr vier Themencluster: „Neue Materialien und Ressourcen der Zukunft“, „Unternehmerisch denken und handeln“, „Berufliche Bildung und digitale Transformation“ und das Querschnittscluster „Transatlantische Stiftungsaktivitäten“. Was war der Impuls für die Veränderung?

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Europa auf dem Rückzug? https://www.die-stiftung.de/news/entwicklungszusammenarbeit/europa-auf-dem-rueckzug-160120/ Fri, 17 Oct 2025 08:26:55 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=160120 Nicht nur die USA, auch europäische Staaten reduzieren ihren Einsatz im Bereich Entwicklungszuammenarbeit in Afrika und andernorts. Foto: Martin/stock.adobe.com

Nicht nur die USA, sondern auch Europa verringert das Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit. Dem Trend, Mittel zu reduzieren, schließt sich neben mehreren EU-Ländern auch die Schweiz an. 

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Nicht nur die USA, auch europäische Staaten reduzieren ihren Einsatz im Bereich Entwicklungszuammenarbeit in Afrika und andernorts. Foto: Martin/stock.adobe.com

Nicht nur die USA, sondern auch Europa verringert das Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit. Dem Trend, Mittel zu reduzieren, schließt sich neben mehreren EU-Ländern auch die Schweiz an. 

Seitdem die US-Regierung kurz nach Amtsantritt im Januar angekündigt hat, die meisten Gelder einzufrieren, hat sich die Lage der Entwicklungszusammenarbeit international bekanntlich deutlich verschärft. Im März war klar, dass mehr als 80 Prozent der Verträge von USAID beendet würden. Am 1. Juli stellte die US-Behörde ihre Arbeit ein. Die wie im Zeitraffer umgesetzte Abkehr von der bisherigen Politik fügt sich in eine breitere Entwicklung ein.

Nicht nur jenseits des Atlantiks regiert in der Entwicklungszusammenarbeit der Rotstift. Deutschland etwa senkt, wie in DIE STIFTUNG 4/2025 berichtet, im Bundeshaushalt 2025 die Mittel für humanitäre Hilfe im Etat des Auswärtigen Amtes um 53 Prozent auf eine Milliarde Euro. Das Budget des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) geht ebenfalls zurück – um acht Prozent auf 10,28 Milliarden Euro, was rund eine Milliarde Euro Verlust für das BMZ bedeutet, so der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (Venro). „Der Anteil des BMZ am Gesamthaushalt sinkt auf ein Zehnjahrestief.“ Die standardisierte internationale Kennzahl, die Official Development Assistance (ODA), umfasst noch weitere Mittel. Sie vermittelt einen Eindruck von den Größenverhältnissen. In absoluten Zahlen lag Deutschland 2024 international auf Platz zwei, relativ zur Wirtschaftskraft mit 0,67 Prozent auf Platz fünf hinter Norwegen (1,02), Luxemburg (1), Schweden (0,79) und Dänemark (0,71).

Trend der reichen Länder

„Der Trend zieht sich durch alle reichen Länder“, sagt Patrik Berlinger, Verantwortlicher für politische Kommunikation bei der schweizerischen Organisation Helvetas, und verweist auf Kürzungen auch in Schweden, den Niederlanden und jetzt auch der Schweiz. „Klimaschutz und ökologische Landwirtschaft, gute Regierungsführung und soziale Sicherung, humanitäre Hilfe und nachhaltige Entwicklung – alles kommt unter Druck.“

Das Schweizer Budget für Entwicklungszusammenarbeit beträgt 2025 rund 110 Millionen Franken weniger als im Vorjahr, bis 2028 sollen mindestens weitere 300 Millionen gekürzt werden. „Die Schweiz lag in der Vergangenheit bei rund 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit und rutscht bis 2028 auf unter 0,35 Prozent (ohne Anrechnung von Asylkosten im Inland). Das UN-Ziel von 0,7 Prozent erreicht sie seit Jahren nicht.“ Die offizielle Schweizer Entwicklungszusammenarbeit ziehe sich unter dem finanziellen Druck aus ausgewählten Ländern zurück, darunter Bangladesch, Albanien und Sambia. Auch bei wichtigen UN-Organisationen – zum Beispiel bei UNAids, Unicef und dem UN-Entwicklungsprogramm – werde teils stark gekürzt.

„Viele Auswirkungen werden wir erst über die nächsten Jahre erleben.“ Patrik Berlinger, Helvetas

Die Auflösung von USAID spielt in einer eigenen Liga. Mit rund 62 Milliarden US-Dollar jährlich leisteten die USA bislang über ein Viertel der weltweiten Entwicklungshilfe. Die Folgen für NGOs und UN-Organisationen, für den weltweiten Klimaschutz, für Impfprogramme und die Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose, und für humanitäre Hilfe bei Kriegen und Klimakatastrophen sind entsprechend einschneidend. „Auch Schweizer NGOs sind vom USAID-Stopp betroffen – insgesamt fallen rund 100 Millionen allein im aktuellen Jahr weg“, so Berlinger. „Das lässt sich nicht schnell kompensieren.“ Einzelne Organisationen hätten schon Programme gekürzt oder eingestellt. Helvetas selbst sei weniger stark betroffen wie andere Schweizer Organisationen. „Bei uns machten die Gelder von USAID weniger als ein Prozent vom Umsatz aus.“

Patrik Berlinger verantwortet die politische Kommunikation bei der schweizerischen Organisation Helvetas. Foto: Helvetas

Im Juli veröffentlichte das medizinische Fachmagazin The Lancet eine Studie, die davon ausgeht, dass durch die Kürzungen bei USAID bis 2030 rund 14 Millionen Menschen sterben werden, die andernfalls überlebt hätten, darunter 4,5 Millionen Kinder. Ursachen seien Krankheiten wie HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hätten die Programme von USAID das Überleben von mehr als 91 Millionen Menschen ermöglicht.

„Viele Auswirkungen werden wir erst über die nächsten Jahre erleben.“ Wenn sich eine NGO zurückzieht, kann sich das negativ auf lokale Akteure und die Zivilgesellschaft auswirken“, sagt Berlinger. „Wir steigen aus Sri Lanka aus, beenden Projekte in Kirgistan und Bangladesch. Damit erhalten weniger Menschen humanitäre Hilfe, eine Ausbildung und die Aussicht auf einen Job oder Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel.

Verteidigung vs. Entwicklungszusammenarbeit?

Die Kürzungen in Europa geschehen vor dem Hintergrund knapper Kassen, wachsender Ungleichheit und neuer Kosten. „Das Fünf-Prozentziel der Nato hat Konsequenzen“, sagt Berlinger mit Blick auf die neue Sicherheitslage seit Beginn der Vollinvasion der Ukraine durch Russland. Der Mechanismus, der die Entwicklungszusammenarbeit trifft, ist allzu bekannt: „Es ist natürlich am leichtesten, bei der Auslandshilfe zu kürzen. Sie betrifft die eigenen Bürger unmittelbar am wenigsten. In so einem Zusammenhang ist es schwierig, für internationale Projekte und Solidarität zu lobbyieren.“ Im aktuellen Umfeld umso mehr. „Die Wahrnehmung der Sicherheit ändert sich. Das kann man verstehen. Überall Krisen und Kriege. Da ist es naheliegend, dass man das Militär aufrüstet. Wir als Helvetas sagen aber: Wir brauchen eine umfassende Sicherheit, eine Balance zwischen militärischer Wehrhaftigkeit und anderen strategischen Zielen.“

Man versuche seit Jahren das Verständnis dafür zu wecken, dass internationale Zusammenarbeit zentral für Stabilität und Sicherheit sei. „Entwicklungszusammenarbeit stärkt Demokratie, Mitsprache und Meinungsäußerungsfreiheit, und unterstützt internationalen Klimaschutz und zivile Friedensförderung. Wenn gekürzt wird, kommt all dies unter Druck, ebenso die Watchdog-Funktion der Zivilgesellschaft“, sagt Berlinger. „Wenn westliche Länder kürzen, schafft das ein Vakuum. Andere Länder sind zur Stelle, und nutzen das geschickt aus. Wobei sie oftmals nicht auf eine freie Zivilgesellschaft und demokratisch-rechtsstaatliche Strukturen setzen.

„Wir sind wohl der Bereich, der am stärksten evaluiert ist.“ Patrik Berlinger

Die Debatte leidet Berlingers Einschätzung nach auch unter den Vorstellungen darüber, wie Entwicklungszusammenarbeit funktioniert. „Es gibt da oft das vereinfachte Bild des Brunnenbauens, der Finanzierung einzelner Schulen. Hinzu kommt aber, dass wir uns für Demokratie und Menschenrechte, und für bessere politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen einsetzen. So wirkt sich Entwicklungszusammenarbeit systemisch auf die Lebensbedingungen der Menschen aus“, sagt Berlinger. „Damit gibt es auch ein wirtschaftliches Argument, wenn Märkte stabilisiert werden und Kooperationen mit dem Privatsektor entstehen, wenn Gesellschaften freier sind und Wertschöpfungsketten nachhaltiger werden.“

Zwischen den Interessen

Doch bei bürgerlichen Politikern verfange das oft nicht. Entsprechend verlaufen die Konfliktlinien. „Im Schweizer Parlament kann man oft den Vorwurf hören, dass die Entwicklungszusammenarbeit keine große Wirkung habe“, sagt Berlinger. „Dabei sind wir wohl der Bereich, der am stärksten evaluiert ist. Und es zeigt sich: Unser Impact ist groß.“

Für ihn stellt sich die Frage, wo die Bundesfinanzen am besten allokiert sind: „Die Schweiz beherbergt große internationale Organisationen, ist diplomatisch stark aufgestellt und besitzt eine hohe Glaubwürdigkeit in der Unterstützung von Demokratisierung und Menschenrechtsfragen. Wir müssten daher eher mehr in Entwicklungszusammenarbeit und humanitäres Engagement, in internationale Klimadiplomatie und Friedensvermittlung investieren.“

Politisch scheint kurzfristig wenig Hoffnung auf einen Kurswechsel zu bestehen. Im Non-Profit-Sektor laufen angesichts der europäischen Rückzugstendenzen Bemühungen, sich anzupassen. „Man geht vermehrt auf Stiftungen zu, setzt auf Philanthropie, hofft auf Vermächtnisse“, sagt Berlinger. Insgesamt versuche man sich breiter aufzustellen, weniger abhängig von öffentlicher Finanzierung zu werden. „Der Privatsektor wird wichtiger, auch auf Unternehmensseite.“

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Bayern prüft Start-up-Finanzierung durch Stiftungen https://www.die-stiftung.de/news/kapitalanlage/bayern-prueft-start-up-finanzierung-durch-stiftungen-159505/ Mon, 28 Jul 2025 15:13:42 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=159505 Landtag in München Foto: Christian Schwier/stock.adobe.com

Wie können landeseigene Einrichtungen und vom Freistaat (mit-)gegründete Stiftungen in Bayern in Start-ups investieren? Dieser Frage muss sich die Staatsregierung nach einem Beschluss des Landtags stellen.

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Landtag in München Foto: Christian Schwier/stock.adobe.com

Wie können landeseigene Einrichtungen und vom Freistaat (mit-)gegründete Stiftungen in Bayern in Start-ups investieren? Dieser Frage muss sich die Staatsregierung nach einem Beschluss des Landtags stellen.

Der Bayerische Landtag hat die Staatsregierung damit beauftragt, die Finanzierung von Start-ups „landeseigene Einrichtungen, insbesondere vom Freistaat (mit-)gegründete Stiftungen“ zu prüfen. Das geht aus dem Protokoll der Plenarsitzung von 23. Juli 2025 hervor. Der Landtag nahm den Antrag der Regierungskoalition von CSU und Freien Wählern einstimmig an. Die Staatsregierung hat nun den Auftrag zu klären, „wie dazu Anlagevorschriften für Kapitalsammelstellen und Stiftungen so geändert werden können, dass Anlagen in Start-ups möglich werden“.

Ziel des angenommenen Antrags ist es, diese Organisationen „durch die Staatsregierung“ dazu zu bewegen, „einen Teil ihres Kapitals in Venture-Capital-Fonds oder in Venture-Capital-Dachfonds zu investieren“. Um das Risiko zu minimieren, solle eine breite Streuung über verschiedene Fonds und Dachfonds erfolgen. Bei der Auswahl der Fonds solle zudem sichergestellt werden, dass es deutsche bzw. europäische Fonds sind und dabei bayerische Start-ups ausreichend berücksichtigt sind.

Die Brücke zu privaten Stiftungen schlägt die Antragsbegründung. Sie spricht auch davon, dass „ein niedriger einstelliger Prozentsatz (1 bis 5 Prozent) des Stiftungskapitals verwendet werden“ sollte, „um dem Risikoprofil von Stiftungen gerecht zu werden“.

Start-up-Investitionen sind auf der Kapitalanlageseite grundsätzlich bereits möglich. Das im BGB vereinheitlichte Stiftungsrecht macht hierzu keine Vorgaben. Gerade manche kapitalstarke Stiftungen mischen diesen Anlagetyp bereits in kleinen Mengen bei.

Zum Antrag

Zur Protokollübersicht (Sitzung vom 23. Juli 2025)

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Vergangene Ideale? https://www.die-stiftung.de/news/nachhaltige-kapitalanlage/vergangene-ideale-159360/ Mon, 07 Jul 2025 14:53:16 +0000 https://www.die-stiftung.de/?p=159360 Farbenlehre: Der Blick auf die Nachhaltigkeit hängt mitunter auch an Rahmenbedingungen. Foto: DIE STIFTUNG, generiert mit Sora

Lange Zeit schien die Entwicklung nur eine Richtung zu kennen: Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage wird wichtiger. Zinswende, Rüstungsdiskussion sowie zum Teil auch steigender politischer Druck haben die Situation verändert und skeptische Stimmen verstärkt. Blick auf eine mitunter emotional geführte Debatte.

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Farbenlehre: Der Blick auf die Nachhaltigkeit hängt mitunter auch an Rahmenbedingungen. Foto: DIE STIFTUNG, generiert mit Sora

Lange Zeit schien die Entwicklung nur eine Richtung zu kennen: Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage wird wichtiger. Zinswende, Rüstungsdiskussion sowie zum Teil auch steigender politischer Druck haben die Situation verändert und skeptische Stimmen verstärkt. Blick auf eine mitunter emotional geführte Debatte.

Als Anfang 2022 die EU-Taxonomie in Kraft trat, gab es wenig Zweifel daran, dass nachhaltige Investitionen immer wichtiger werden. Regulierung und Debatten gingen in dieselbe Richtung, unterstützt von einer Niedrigzinslage, die die Preise an den Aktienbörsen unterstützte. Drei Jahre später stellen die Sicherheitslage, die veränderte Zinssituation, wirtschaftliche Sorgen und auch politischer Druck neue Fragen. Zum Bild passt, dass in der vergangenen Bundestagswahl der Klimawandel kaum eine Rolle gespielt hat.

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