Martina Benz, Autor bei DIE STIFTUNG https://www.die-stiftung.de/ueber-uns/redaktion/martina-benz/ Magazin für Stiftungswesen und Philanthropie Tue, 09 Mar 2021 12:23:12 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.3 Genuss trifft Gemeinnützigkeit https://www.die-stiftung.de/news/kooperationen/genuss-trifft-gemeinnuetzigkeit-152741/ Tue, 09 Mar 2021 12:23:12 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/genuss-trifft-gemeinnuetzigkeit-152741/ Kaffeeanbau ist in Dano, 200 Kilometer südwestlich von Addis Abeba, nicht die einzige Maßnahme von Menschen für Menschen und Dallmayr. Der Bau einer Schule soll Bildung in der Region verbessern, Schulabgänger könnten dann von der Kaffeekooperative und den dadurch entstehenden Arbeitsplätzen profitieren, so die Hoffnung.

Dallmayr ist bei Kaffeetrinkern wohl so sehr ein Begriff wie die Stiftung Menschen für Menschen (MfM) für Teile der Bevölkerung Äthiopiens. Gemeinsam versucht man nun, aus zwei Erfolgsgeschichten eine dritte zu machen – und baut eine Kaffeekooperative auf. Ein Beispiel, wie deutsche Unternehmen nachhaltig mit Kaffeeanbauregionen kooperieren können?

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Kaffeeanbau ist in Dano, 200 Kilometer südwestlich von Addis Abeba, nicht die einzige Maßnahme von Menschen für Menschen und Dallmayr. Der Bau einer Schule soll Bildung in der Region verbessern, Schulabgänger könnten dann von der Kaffeekooperative und den dadurch entstehenden Arbeitsplätzen profitieren, so die Hoffnung.

Dallmayr ist bei Kaffeetrinkern wohl so sehr ein Begriff wie die Stiftung Menschen für Menschen (MfM) für Teile der Bevölkerung Äthiopiens. Gemeinsam versucht man nun, aus zwei Erfolgsgeschichten eine dritte zu machen – und baut eine Kaffeekooperative auf. Ein Beispiel, wie deutsche Unternehmen nachhaltig mit Kaffeeanbauregionen kooperieren können?

Wer an Kaffee denkt, dem könnte eine Marke schnell in den Sinn kommen: Dallmayr. Die Geschichte des Familienunternehmens lässt sich bis ins Jahr 1700 zurückverfolgen – doch sie begann nicht mit Kaffee. Firmengründer Christian Reitter betrieb damals ein Handelsgeschäft. 1870 erhielt es seinen heutigen Namen vom damaligen Inhaber Alois Dallmayr, der es 1895 an Anton Randlkofer verkaufte. Als dieser kurze Zeit später verstarb, übernahm seine Witwe Therese Randlkofer die Geschäfte und entwickelte Dallmayr zu einem in Europa wohlbekannten Delikatessenhaus: Dallmayr wurde königlicher Hoflieferant. Ein weiblicher Firmenchef war damals, wohlgemerkt, noch eine kleine Sensation. Auf Kaffee wurde ab 1931 verstärkt gesetzt: Die Not nach der Weltwirtschaftskrise zwang das Unternehmen, sich ein neues Standbein zu suchen.

Offenheit für Neues hat Dallmayr schon mehrfach zu Wachstumssprüngen verholfen. Die Dallmayr-Kaffeeautomaten beispielsweise waren in den 60er Jahren eine bislang unbekannte Erweiterung des Kaffeegenusses. Und der Bremer Kaffeekaufmann Konrad Werner Wille – seit 1933 bei der Firma Alois Dallmayr, seit 1963 als geschäftsführender Gesellschafter – brachte äthiopischen Kaffee unter der Marke Dallmayr auf Deutschlands Frühstückstische.

Simone Werle, jüngste Tochter des Firmenchefs Wolfgang Wille, leitet bei Dallmayr den Bereich Public Relations und die Kooperation mit Menschen für Menschen. Foto: Philip Schütz/Menschen für Menschen

„Bis heute sind wir einer der größten Verarbeiter äthiopischen Kaffees“, berichtet Simone Werle, jüngste Enkelin Konrad Werner Willes. Das Unternehmen wird heute von dessen Sohn Wolfgang Wille sowie dem Nachfolger der Randlkofer-Familie, Florian Randlkofer, geführt. Werle begann sich schon als Schülerin im Familienbetrieb zu engagieren und trat 2006 nach ihrem Journalismus-Studium in die Pressestelle bei Dallmayr ein. Heute leitet sie dort den Bereich Public Relations und ist auch für die Zusammenarbeit mit der Stiftung Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe (MfM) zuständig.

Der gemeinsame Nenner dieser Kooperation: Äthiopien. 1976 wurde Stiftungsgründer Karlheinz Böhm – als Schauspieler auch bekannt für seine Rolle als Kaiser Franz Joseph in der Sissi- Trilogie – auf einer Reise mit der Armut in Afrika konfrontiert, woraufhin er 1981 bei der Fernsehsendung „Wetten, dass …“ wettete, dass nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Mark für die afrikanische Sahelzone spenden würde. Zwar gewann er die Wette, dennoch kamen dabei mehr als eine Million D-Mark zusammen. Er gründete MfM und begann, sich nach dem Prinzip Hilfe zur Selbstentwicklung in Äthiopien zu engagieren.

Heute lebt Böhm nicht mehr, die Arbeit von MfM aber geht in seinem Sinne weiter – und wird seit 2008 mit Spenden von Dallmayr unterstützt. Seitdem hat das Unternehmen eine Schule und über 50 Millionen Baumsetzlinge im ostafrikanischen Land finanziert, erbaut und gepflanzt von MfM-Mitarbeitern.

„Reine Charity – also Almosen – ist weder nachhaltig noch zielführend, wenn man Menschen wirklich die Chance auf eine eigene Entwicklung ermöglichen möchte.“ Sebastian Brandis, Vorstand von Menschen für Menschen

Für ein Engagement in Äthiopien habe die Zusammenarbeit mit MfM „auf der Hand“ gelegen, erklärt Volker Meyer-Lücke, Chefeinkäufer für Rohkaffee bei Dallmayr und seit 20 Jahren im Unternehmen. „Keine andere Organisation ist so gut im Land verankert und akzeptiert.“ Selbst als Statue in der Mitte eines Kreisverkehrs der Hauptstadt Addis Abeba ist Gründer Karlheinz Böhm präsent. Und da MfM hauptsächlich lokale Mitarbeiter beschäftigt, ist die Stiftung inzwischen eine wichtige Arbeitgeberin im Land am Horn von Afrika.

Vernichtetes Potential

2019 begann man, die Zusammenarbeit der beiden Institutionen weiterzuentwickeln und 200 Kilometer südwestlich von Addis Abeba, im MfM-Projektgebiet Dano, gemeinsam eine Kaffeekooperative aufzubauen. Finanziert wird das Projekt derzeit etwa zu zwei Drittel von Dallmayr, zu einem Drittel von der Bayerischen Staatskanzlei. Ziel ist aber, dass es sich in drei Jahren durch den Verkauf des vor Ort produzierten Kaffees selbst trägt.

Derzeit leben die Einwohner des Hochplateaus überwiegend von Ackerbau und Viehzucht. Ursprünglich aber handelte es sich um ein Kaffeeanbaugebiet – bis Abholzung und Überweidung dieses Potential vernichteten. Nur geringe Teile der Bevölkerung haben dort heute Zugang zu sauberem Trinkwasser. Magen- und Darmerkrankungen sind die Folge, medizinische Behandlungsmöglichkeiten sind stark begrenzt.

Volker Meyer-Lücke, Chefeinkäufer für Rohkaffee bei Dallmayr (links), und Sebastian Brandis, Vorstand von Menschen für Menschen Foto: Philip Schütz/Menschen für Menschen

Durch Anpflanzung und Aufforstung wollen MfM und Dallmayr die Anbaufläche für Kaffee mindestens verdreifachen. Gemäß dem MfM-Ansatz wird dort aber nicht nur Kaffeeanbau vorangetrieben, sondern die gesamte Region in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Bildung, Gesundheit und Einkommen gefördert, um langfristige Perspektiven zu schaffen.

Ein formeller Vertrag legt fest, wer welche Verantwortlichkeiten trägt. „Wir sind der Implementierer, der die Bevölkerung vor Ort vom Nutzen des Projekts überzeugt und trainiert, Setzlinge züchtet und die Infrastruktur ermöglicht“, definiert MfM-Vorstand Sebastian Brandis die Rolle seiner Organisation. Dallmayr begleite die komplette Lieferkette mit Expertise, Qualitätssicherung, Exportkontakten und Vermarktung. Dafür habe das Unternehmen ein Vorkaufsrecht auf den dort produzierten Kaffee für den Export. Noch spricht Meyer-Lücke zwar von „homöopathischen Mengen“, die regional in Äthiopien vermarktet werden. Der nächste Schritt aber soll der Export nach Deutschland sein.

Die Tatsache, dass Kaffee in Äthiopien einen hohen Stellenwert genießt spielt der Kooperation dabei in die Hände. Kaffee-Zeremonien sind kulturell, der Kaffeehandel wirtschaftlich zentrale Bestandteile der Gesellschaft. „Der Teufel aber liegt im Detail“, so Meyer-Lücke. Denn Kaffee ist eine sensible Pflanze und braucht besondere Voraussetzungen, um zu gedeihen. „Je höher das Anbaugebiet gelegen, desto qualitativ hochwertiger der Kaffee“, erklärt der Experte. Außerdem sei Kaffee ertragreicher, wenn er im Schatten wachse. Aufforstung, Erosionsschutz, Schattenpflanzen, Mischbepflanzung – all das spiele beim Kaffeeanbau eine große Rolle und setze Akzeptanz in der Bevölkerung voraus, die Bewirtschaftung ihres Landes umzustellen.

Zwar harmonieren diese Anbaubedingungen mit ökologischen und sozialen Zielsetzungen. Neben dem sozialen Engagement geht es Dallmayr aber auch aus wirtschaftlicher Sicht darum, die Wiege des Arabica-Kaffees zu stärken. Denn: Äthiopien ist eines der strategisch wichtigsten Kaffee-Ursprungsländer im Hause Dallmayr. Auch deshalb investiert das Unternehmen in die Menschen vor Ort. „Um nachhaltig die Qualität des Kaffees zu sichern, müssen die Menschen entsprechend ausgebildet sein“, bestätigt Meyer-Lücke. In Schulungen geben Dallmayr-Experten hierfür mehrmals im Jahr Wissen im Bereich Anbau und Verarbeitung sowie Produktion und Vermarktung von Kaffee an MfM-Mitarbeiter weiter. „Nur guter Kaffee hat langfristig Chancen, auf dem deutschen Markt rentable Preise zu erzielen“, weiß Meyer-Lücke.

Wirklich faire Zusammenarbeit?

Aber stehen wirtschaftliche Ziele nicht im Widerspruch zur Arbeit von MfM? Keineswegs, findet Brandis: „Reine Charity – also Almosen – ist weder nachhaltig noch zielführend, wenn man Menschen wirklich die Chance auf eine eigene Entwicklung ermöglichen möchte.“ Er sieht in der Kooperative ein Beispiel für faire und nachhaltige Zusammenarbeit von deutscher Industrie mit Kaffeeanbauregionen oder anderen Lieferketten. Aber auch für die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit. „Wir brauchen Investitionen und menschenwürdige Wirtschaftskooperationen, um für gute Einkommen und eine gute wirtschaftliche Entwicklung zu sorgen.“ Rund 50 neue Arbeitsplätze sollen durch die Kaffeekooperative langfristig entstehen.

Kaffeeernte in Dano: Im Projektgebiet der Stiftung Menschen für Menschen in Äthiopien soll die Kaffeeanbau-fläche verdreifacht werden. Foto: Philip Schütz/Menschen für Menschen

Hier in Deutschland äußert sich „faire und nachhaltige Zusammenarbeit“ meist in Labeln und Siegeln auf den Produktverpackungen. Geht es also in Wahrheit vor allem darum, den Umsatz zu steigern? Mit Labeln gehe man dem Wunsch der Verbraucher nach, sich zu orientieren, so Meyer-Lücke. Und der Forderung von Supermärkten, die sowas gerne in ihren Regalen haben. Er selbst halte jedoch mehr davon, soziale und ökologische Standards unabhängig von irgendwelchen Siegeln zu entwickeln und umzusetzen.

Und doch: Auch Dallmayr scheint auf den positiven PR-Effekt nachhaltiger Bemühungen nicht gänzlich verzichten zu wollen. Auch auf Dallmayr-Produkten sind Label wie Dallmayr Via Verde, Fairtrade, Rainforest Alliance, Jane Goodall oder das Logo von MfM zu finden. „Als eine Art Abkürzung in der Kundenkommunikation können Siegel durchaus sinnvoll sein“, gibt Meyer-Lücke zu. Die gesamte Geschichte hinter einem Produkt auf einer Kaffeepackung darzustellen, sei schlichtweg unmöglich. In den sozialen Medien berichte man dann ausführlicher, was hinter jedem Kaffee stecke.

Der Kaffee aus Dano wird zwar nicht so schnell in Supermärkten, dafür aber voraussichtlich noch in diesem Jahr im Laden des Stammhauses Dallmayr in München zu finden sein. Auf einer Banderole wolle man dann so gut wie möglich die Geschichte hinter dem Kaffee erzählen, verrät Meyer-Lücke. Und wer mehr wissen möchte, kann sich dort vertrauensvoll an die Dallmayr-Mitarbeiter wenden. Denn die wahre Geschichte hinter dem Kaffee reicht doch eigentlich bis ins Jahr 1700 zurück – und passt nun wirklich auf keine Kaffeepackung.

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„Erst Kooperationen garantieren Nachhaltigkeit“ https://www.die-stiftung.de/news/entwicklungszusammenarbeit/erst-kooperationen-garantieren-nachhaltigkeit-152675/ Thu, 21 Jan 2021 11:48:53 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/erst-kooperationen-garantieren-nachhaltigkeit-152675/ Um die Hygiene und den Zugang zu sauberem Trinkwasser im Land zu verbessern, arbeiten World Vision und die Regierung Ruandas zusammen. Das Bild zeigt Ruandas Gesundheitsminister Daniel Ngamije (Mitte) und National Director World Vision Ruanda Sean Kerrigan bei der Einweihung einer Handwaschstation.

Ruanda durchlebte 1994 einen Völkermord, der das Land von Grund auf zerstörte. Um es wieder aufzurichten, setzte die Regierung sich damals klare Maßstäbe und hohe Ziele. World Vision packt seitdem mit an, nicht zuletzt beim 2018 formulierten Ziel, dass jeder Bürger im Land bis 2024 Zugang zu sauberem Trinkwasser haben soll. World Visions National Director Ruanda Sean Kerrigan berichtet.

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Um die Hygiene und den Zugang zu sauberem Trinkwasser im Land zu verbessern, arbeiten World Vision und die Regierung Ruandas zusammen. Das Bild zeigt Ruandas Gesundheitsminister Daniel Ngamije (Mitte) und National Director World Vision Ruanda Sean Kerrigan bei der Einweihung einer Handwaschstation.

Ruanda durchlebte 1994 einen Völkermord, der das Land von Grund auf zerstörte. Um es wieder aufzurichten, setzte die Regierung sich damals klare Maßstäbe und hohe Ziele. World Vision packt seitdem mit an, nicht zuletzt beim 2018 formulierten Ziel, dass jeder Bürger im Land bis 2024 Zugang zu sauberem Trinkwasser haben soll. World Visions National Director Ruanda Sean Kerrigan berichtet.

Ihr ehrgeiziges Ziel in Ruanda ist es, alle Menschen mit sauberem Wasser zu versorgen, richtig?
Sean Kerrigan: Das ist ein bisschen differenzierter zu betrachten. Wir orientieren uns bei unserer Arbeit am UN-Nachhaltigkeitsziel Nummer sechs – sauberes Wasser für alle. Dieses Ziel möchten wir in unseren Programmländern, wo möglich, noch vor 2030 erreichen. Und in Ruanda ist das möglich, denn auch die Regierung strebt dieses Ziel in einer nationalen Strategie an. Gemäß dieser soll bis 2024 jeder Mensch in Ruanda Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das sind sechs Millionen Menschen, die am dringendsten versorgt werden müssen. Einer Million davon, verteilt auf 2.000 Gemeinden, wollen wir, World Vision Ruanda, schon bis 2022 diesen Zugang verschaffen – das ist unser nächstes konkretes Ziel.

Ist das machbar?
Kerrigan: Wir haben 2018 damit begonnen, dieses Ziel zu verfolgen, und es läuft sehr gut bislang. 390.000 Menschen konnten wir bereits Zugang zu sauberem Wasser verschaffen, wir befinden uns damit auf einem guten Weg, das Ziel bis 2022 vollständig zu erreichen. Hierfür arbeiten wir eng mit der Regierung von Ruanda zusammen, die selbst einen großen Teil zur Zielerreichung beiträgt.

Wie sieht diese Zusammenarbeit aus?
Kerrigan: Ruanda ist aufgeteilt in 30 Bezirke, und jeder Bezirksbürgermeister hat mit der Regierung einen Leistungsvertrag abgeschlossen, in dem er oder sie sich zu gewissen Zielen verpflichtet – die verbesserte Wasserversorgung ist eines davon. Jedes Jahr kontrolliert die Regierung, ob die Ziele ausreichend verfolgt und erfüllt werden. Ist das nicht der Fall, werden die jeweiligen Ansprechpartner in den Gemeinden zur Verantwortung gezogen. An diese Leistungsverträge knüpfen wir mit unserer Arbeit an: Wir kooperieren mit den Bürgermeistern, die uns wissen lassen, wo und wie noch Hilfe benötigt wird, und wir treffen klare Vereinbarungen, auch zur Finanzierung der Projekte, die wir dann gemeinsam angehen. Vertragliche Absprachen haben wir außerdem auf nationaler Ebene mit dem Finanzministerium und dem Ministerium für Regionalverwaltung. Genau genommen sind das schriftliche Absichtserklärungen, in denen konkrete Projekte festgehalten und jährlich aktualisiert werden.

„Wenn eine Gemeinde kein Wasser hat, so ist das ein lösbares Problem.“ Sean Kerrigan

Welche Rolle spielt World Vision in der Umsetzung, und welche Aufgaben übernimmt die Regierung?
Kerrigan: Die Finanzierung der Wasserprojekte wird aufgeteilt: Einen Teil bezahlt die lokale Regierung, einen Teil World Vision. Die Regierung kümmert sich außerdem darum, die richtigen Orte für die Wasserprojekte ausfindig zu machen, stellt sicher, dass (Umwelt-)Vorschriften beachtet werden, besorgt notwendige Papiere und stellt technische Ingenieure bereit, die die Arbeit überwachen. Damit ein Projekt aber langfristig und nachhaltig Erfolg hat, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Hier bringt sich World Vision ein: In einer Partnerschaft mit der Sesamstraße entwickeln wir Konzepte, um Kindern den Umgang mit Hygiene und Wasser näherzubringen, wir klären die Menschen auf, organisieren Gremien und Ausschüsse, die dafür verantwortlich sind, installierte Infrastruktur aufrechtzuerhalten, oder stellen einen langfristigen Finanzierungsplan auf. Außerdem prüfen und begleiten auch unsere Ingenieure die geplanten Konstrukte.

Begegnen Sie auf Ihrem Weg zum Ziel auch Schwierigkeiten oder Herausforderungen?
Kerrigan: Schwierigkeiten gibt es immer, dieses Jahr sahen diese aufgrund der Covid-19-Pandemie aber anders aus als erwartet. Was das angeht, hat die Zusammenarbeit mit der Regierung sehr gut funktioniert. Beispielsweise brauchten wir deren Erlaubnis, um unsere Arbeit trotz Corona fortführen zu dürfen. Mit den Themen Wasser und Hygiene waren wir in dieser Krise natürlich in genau dem richtigen Bereich aktiv. Auf Anfrage des Gesundheitsministeriums haben wir inzwischen 1.000 feste Handwaschstationen an Schulen, Kirchen, Krankenhäusern oder Gesundheitsstationen errichtet. Das waren Zusatzprojekte in diesem Jahr, die so nicht geplant gewesen waren.

Hat es auch schon Probleme in der Zusammenarbeit mit der Regierung gegeben?
Kerrigan: Eher gab es Probleme, als wir noch nicht kooperierten. Wir mussten erstmal die Erfahrung machen, dass Projekte oft nicht nachhaltig funktionsfähig sind, wenn sie nicht eng mit Regierung und Bevölkerung abgestimmt werden. Auf dem Weg zu einer Wasserpumpe beispielsweise gibt es so viele kleine Entscheidungen zu treffen: Welche Technik möchte man verwenden, wer bezahlt was, wer ist verantwortlich für die Instandhaltung? Wenn da nicht alle Betroffenen an Bord sind, kann es leicht passieren, dass die Pumpe nachher nicht langfristig in Betrieb ist. Erst Kooperationen garantieren Nachhaltigkeit. Dadurch, dass wir die Projekte gemeinsam umsetzen und klare Absprachen treffen, sind die Verantwortlichkeiten geklärt, und jeder kommt diesen auch nach. Manchmal aber sind die Leute von genau diesen Absprachen frustriert, denn sie kosten Zeit und erfordern Geduld. In Ruanda gibt es hierzu ein sehr passendes Sprichwort: „Wenn du schnell vorankommen willst, geh alleine. Wenn du weit kommen willst, gehe gemeinsam.“ Das Schöne aber an Wasserprojekten ist, dass sie schnell direkte Wirkung zeigen. Wenn eine Gemeinde kein Wasser hat, so ist das ein lösbares Problem – vor allem in Ruanda, dem Land der tausend Hügel, wie es auch genannt wird, wo immer eine Wasserquelle gefunden und das Wasser bergab transportiert werden kann.

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Der gemeinsame Nenner beim Gesprächskreis https://www.die-stiftung.de/news/stiftungsprojekte/der-gemeinsame-nenner-beim-gespraechskreis-152672/ Mon, 18 Jan 2021 17:19:27 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/der-gemeinsame-nenner-beim-gespraechskreis-152672/ Am 8. Dezember fand der erste digitale Gesprächskreis Stiftungen und Projekte statt.

Sport als Hebel für nachhaltige Veränderung. Eine App für augenmedizinische Diagnosen. Solarenergie als Schlüsselelement im Klimaschutz. So vielfältig waren die Themen beim digitalen Gesprächskreis Stiftungen und Projekte, in die der Verein Anpfiff ins Leben, die Christoffel Blindenmission Deutschland und die CDW-Stiftung am 8. Dezember Einblick gaben. Und doch gab es Gemeinsamkeiten.

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Am 8. Dezember fand der erste digitale Gesprächskreis Stiftungen und Projekte statt.

Sport als Hebel für nachhaltige Veränderung. Eine App für augenmedizinische Diagnosen. Solarenergie als Schlüsselelement im Klimaschutz. So vielfältig waren die Themen beim digitalen Gesprächskreis Stiftungen und Projekte, in die der Verein Anpfiff ins Leben, die Christoffel Blindenmission Deutschland und die CDW-Stiftung am 8. Dezember Einblick gaben. Und doch gab es Gemeinsamkeiten.

Thomas Flügge, Geschäftsführer der CDW-Stiftung, nutzte den ersten Gesprächskreis Stiftungen und Projekte, um sich für Solarenergie stark zu machen. „Weg von fossilen Brennträgern und hin zu Erneuerbaren Energien“, lautet die Devise seiner Stiftung. Und zwar durch den Ausbau der Photovoltaik (PV) auf lokaler Ebene. Was das mit Stiftungen zu tun hat? Die CDW-Stiftung hat einen Ansatz entwickelt, wie der Zubau von PV-Anlagen gemeinnützig im Einklang mit den Stiftungszwecken von fast jeder Organisation umzusetzen sei, erklärte Flügge den Teilnehmern. Auch für Universitäten, Museen, Schulen und Sporthallen sei der Ansatz geeignet.

Also auch für Anpfiff ins Leben. Erst einmal ging es Stefanie Kunzelnick, zuständig für Marketing und Kommunikation des Vereins, in Vortrag und Diskussion jedoch darum, das hauseigene 360-Grad-Förderkonzept greifbar zu machen, mit dem er Sportvereine zu ganzheitlichen Bildungsstätten macht. Besser gesagt: Er möchte andere dabei unterstützen, dem eigenen Beispiel zu folgen. Denn bei den eigenen Partnervereinen vereint Anpfiff ins Leben bereits erfolgreich Sport, Schule, Beruf und Soziales, nicht zuletzt auch in Zusammenarbeit mit Stiftungen und Unternehmen.

Eine andere Art der strategischen Partnerschaft stellte Peter Schießl, Vorstand der Christoffel-Blindenmission Deutschland, beim Gesprächskreis vor. Der Verein kooperiert auf wirtschaftlicher Ebene mit „Peak Vision“ – einem Sozialunternehmen, das Sehtests per Smartphone möglich macht – und sieht hierin eine zukunftsweisende Errungenschaft für die Augenmedizin in Entwicklungsländern. Geringe Kosten, niedrige bis keine Anforderungen an medizinisches Know-how sowie gute Diagnosemöglichkeiten verspricht Schießl. Und hofft, dass Zusammenarbeit und Verbreitung der Technik weiter ausgebaut werden können.

Darum geht es bei den Gesprächskreisen Stiftungen und Projekte: Austausch und Kooperationen zu fördern sowie eine Plattform zu schaffen, auf der Stiftungen, Vereine, Unternehmen und weitere Akteure sich austauschen können. Um Brücken zu bauen – in den Stiftungssektor hinein und aus ihm hinaus.

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Erinnern und zurückgeben https://www.die-stiftung.de/news/stiftungsszene/erinnern-und-zurueckgeben-152666/ Fri, 15 Jan 2021 17:40:02 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/erinnern-und-zurueckgeben-152666/ Für das Projekt „Interaktive Biographien von Überlebenden des Holocaust“ beantwortete Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch vor einem Green Screen mehr als 1.000 Fragen zu ihrem Leben. Die Antworten sollen im interaktiven digitalen Format mit Schülern geteilt werden.

Ist die NS-Vergangenheit Geschichte? Nein, sind sich die Stiftung Zurückgeben und die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) einig. Sie ist Teil der Gesellschaft, wo sie sich jedoch nicht in Ausprägungen von Antisemitismus, sondern in einer neuen Erinnerungskultur äußern sollte. Dafür machen sich beide Stiftungen stark.

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Für das Projekt „Interaktive Biographien von Überlebenden des Holocaust“ beantwortete Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch vor einem Green Screen mehr als 1.000 Fragen zu ihrem Leben. Die Antworten sollen im interaktiven digitalen Format mit Schülern geteilt werden.

Ist die NS-Vergangenheit Geschichte? Nein, sind sich die Stiftung Zurückgeben und die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) einig. Sie ist Teil der Gesellschaft, wo sie sich jedoch nicht in Ausprägungen von Antisemitismus, sondern in einer neuen Erinnerungskultur äußern sollte. Dafür machen sich beide Stiftungen stark.

Es war die Tochter von „Hitlers Architekten“ und Rüstungsminister Albert Speer, die die „Stiftung Zurückgeben. Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft“ mit ins Leben rief. Denn als Hilde Schramm drei Gemälde erbte, die – wie sie vermutete – aus jüdischem Besitz stammten, wollte sie die Erbschaft nicht annehmen. Also verkaufte sie die Kunstwerke und spendete den Erlös für die Gründung der Stiftung. Das war 1994. Seitdem appelliert die Stiftung Zurückgeben an die nichtjüdische deutsche Bevölkerung, einen Teil des geschehenen Unrechts symbolisch wieder auszugleichen, und fördert jüdische Frauen in Kunst und Wissenschaft.

Stiftung Zurückgeben spricht von allgegenwärtigem Völkermord

„Für jüdische Menschen ist die Vergangenheit nicht vergangen“, so Vorstandsvorsitzende Sharon Adler, selbst Jüdin. Man denke nur an die vielen Menschen Mitte 30, die ihre Groß- oder Urgroßeltern nie kennenlernen durften, weil Zweige der Familie ermordet wurden. „Die leeren Stellen in den Biographien bleiben für immer bestehen“, so Adler. „Das Sprechen darüber begann oft sehr spät. Über die erste Generation herrschte ein Schweigen.“ Dieses Verstummen in den Familien, die Traumata, die Scham, überlebt zu haben, – all das begleite die Menschen bis heute.

Jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, die heute das Schweigen brechen möchten, können sich bei der Stiftung Zurückgeben um ein Stipendium bewerben. Unterstützt werden zum Beispiel Recherche-, Tanz- oder Buchprojekte, Gemälde, Multimediainstallationen oder Filmvorhaben. Irgendwo finde sich in den meisten unterstützten Projekte ein Bezugspunkt zur Shoa, dem nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas. „Auch dort, wo es eigentlich um ein ganz anderes Thema geht“, beobachtet Adler.

Sharon Adler ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zurückgeben. Foto: Mara Noomi Adler

Wo möglich, unterstützt die Stiftung Zurückgeben außerdem dabei, überlebende Verwandte für eine Übergabe ausfindig zu machen, wenn einst jüdische Besitztümer in Familien auftauchen. Das hatte auch Hilde Schramm versucht, bevor sie ihr Erbe veräußerte – erfolglos. „Ich rechne Hilde Schramm hoch an, dass sie mit dem Familienerbe offen umgegangen ist“, lobt Adler die damalige Spende, mit der alles begann.

Sie ist enttäuscht, dass viele Menschen – auch Politiker – das nicht tun. Überhaupt spricht sie mit Enttäuschung vom Umgang der deutschen Gesellschaft mit der NS-Geschichte. „Es herrscht Desinteresse, das kann man nicht schönreden“, so ihre Meinung. Spenden würden oft Menschen, die bewusst Verstrickungen der eigenen Familie mit der Geschichte aufarbeiten wollten. Doch davon gebe es viel zu wenige. „Eine Spende an die Stiftung Zurückgeben wird immer auch als Schuldeingeständnis gedeutet“, gibt Adler zu bedenken. Und damit tun sich viele schwer.

Auch Unternehmen, die durch die Enteignung von Juden in der NS-Zeit an Nichtjüdische gingen, seien kaum davon zu überzeugen, eine Spende zu tätigen. Die Resonanz sei „erschreckend niedrig“. Anders sah das bei den knapp 6.000 deutschen Unternehmen aus, die sich im Jahr 2000 zusammenschlossen und fünf Milliarden D-Mark in die Gründung der „Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ)“ einbrachten. Der Bund gab noch mal fünf Milliarden D-Mark hinzu. Die erste große Stiftungsaufgabe: individuelle Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter und andere Opfer des NS-Regimes. Dieses Vorhaben war 2007 – nach der Auszahlung von rund 4,4 Milliarden Euro an 1,6 Millionen Menschen – abgeschlossen. Seitdem widmet man den restlichen Kapitalstock, rund 360 Millionen Euro, dem zweiten Stiftungszweck: der Förderung von Projekten, die den Nachkommen sowie der Erinnerungskultur dienen. Bis heute ist das Stiftungskapital auf rund 570 Millionen Euro angewachsen.

Unter den jährlich rund 300 geförderten Projekten befand sich 2012–2015 auch das Stipendien-Programm „Jüdische weibliche Identitäten heute“ der Stiftung Zurückgeben, die sich mit 210.000 Euro Stiftungskapital in ganz anderen finanziellen Sphären bewegt. Auch der Hintergrund – die Stiftung EVZ eine Initiative der deutschen Politik und Wirtschaft, die Stiftung Zurückgeben von betroffenen Privatpersonen – ist ein ganz anderer. Und doch gibt es klare Parallelen in der Stiftungsarbeit beider Organisationen.

Erinnern, um sich zu wehren

Das Schaffen einer neuen Erinnerungskultur beispielsweise. Denn in den Projekten der Stipendiatinnen der Stiftung Zurückgeben geht es nicht nur um jüdische Kultur. „Die Theaterstücke, Tanzperformances oder Installationen transferieren Erinnerung in eine neue Form künstlerischer oder literarischer Perspektive der vierten Generation“, so Adler.

Erinnern ist auch ein Kernaspekt in der Arbeit der Stiftung EVZ. Denn zwar gibt es noch Überlebende des Holocaust – „insgesamt geht man weltweit heute noch von über 240.000 Überlebenden aus, allein in Israel von 180.000“, so Vorstandsvorsitzende Andrea Despot – und die Stiftung EVZ unterstützt diese auch durch Begegnungsmöglichkeiten und psychosoziale Dienste.

Doch es geht auch darum, die jüngere Generation in Deutschland zu ermutigen, sich der moralischen Verantwortung zu stellen. Bewusst ist die Rede von Verantwortung, nicht von Schuld. „Wenn wir mit jungen Menschen arbeiten, geht es nicht um Schuld. Es geht um Verantwortungsgefühl. Es geht darum zu verstehen, was damals passiert ist, statt mit Zahlen zu erdrücken. Wir wollen das Erinnern und die Geschichte nutzen, um im Hier und Jetzt wache, widerstandsfähige Menschen zu prägen, die sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung starkmachen“, erklärt Despot. Erinnern sei das Wachhalten des durch Vertreibung, Verfolgung und Vernichtung entstandenen Unrechts. „Aus Erinnerung entsteht Orientierung für die Gegenwart. Nur so können wir uns alle in Zukunft gut für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.“

Andrea Despot ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ). Foto: Raum11 / Amélie Losier

Das Potential und Interesse in der Gesellschaft bewertet sie, im Gegensatz zu Sharon Adler, als groß. Und das, obwohl der „Multidimensionale Erinnerungsmonitor“, den die Stiftung EVZ 2019 mit der Uni Bielefeld durchführte, ein heterogenes Bild zeichnet. Die repräsentative empirische Umfrage untersuchte, ob und wie sich die Erinnerungskultur der deutschen Gesellschaft verändert. Einige der zentralen Ergebnisse: Das Faktenwissen über den Nationalsozialismus nimmt ab. Ein Erinnerungskonsens, den man in Deutschland als gesichert angesehen hatte, wird durch das Aufkommen von rechten Kräften in Frage gestellt. Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, in der Schule „eher viel“ oder „sehr viel“ über die NS-Zeit erfahren zu haben, 35 Prozent hätten „eher wenig“ oder „überhaupt nichts“ gelernt. Knapp jeder dritte Teilnehmer hat noch kein Sachbuch zur NS-Zeit gelesen. Aber: Drei von vier haben Dokumentarfilme zum Thema gesehen, 70 Prozent Spielfilme.

Geschichte ein Gesicht geben

Die Schlussfolgerung, die die Stiftung EVZ aus den Ergebnissen zieht: „Wir werden unsere Bildungsaktivitäten ausbauen und digitale Lernformate etablieren“, so Despot. Es gehe darum, Geschichte lebendig zu gestalten und auf die Gegenwart zu übertragen. „Schüler müssen verstehen, dass Geschichte aus Geschichten besteht. Und was Diskriminierung und Ausgrenzung heute, in ihrem Alltag, bedeuten.“

Konkret verfolgt die Stiftung EVZ diese Ziele zum Beispiel mit „Interaktiven Biographien von Überlebenden des Holocaust“, die die Zeitzeugenschaft ins Digitale versetzen. Gemeinsam mit der USC Shoah Foundation – 1994 von Steven Spielberg in den USA gegründet – rief man den deutschen Ableger des Projekts ins Leben, der sich momentan in der Testphase befindet: Anita Lasker-Wallfisch, eine Auschwitz-Überlebende, hat hierfür mehr als 1.000 Fragen zu ihrem Leben vor, während und nach dem Holocaust beantwortet. Eine Art lernende Software verknüpft die Antworten unterschiedlich, wodurch ein interaktives Zeitzeugnis entsteht und Schüler direkt Fragen stellen können. Später soll das Projekt auf andere Zeitzeugen ausgeweitet werden. Auch Jugendaustausche und andere Programme sollen junge Menschen und Holocaustüberlebende zusammenbringen, solange das noch möglich ist.

Denn die Zeit drängt, will man die Erfahrungen dieser Menschen für Folgegenerationen konservieren, um Traumata und Sprachlosigkeit, die sich in jüdischen wie nichtjüdischen Familien tradiert haben, weiter aufzulösen.

 

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Schweizer Stiftungstag wagt den Schritt ins Digitale https://www.die-stiftung.de/news/schweiz/schweizer-stiftungstag-wagt-den-schritt-ins-digitale-152615/ Tue, 01 Dec 2020 13:11:03 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/schweizer-stiftungstag-wagt-den-schritt-ins-digitale-152615/ Beim diesjährigen digitalen Schweizer Stiftungstag präsentierte DIE STIFTUNG die Ergebnisse des ersten Schweizer Stiftungsbarometers.

Pro Fonds hat sich der digitalen Herausforderung gestellt: Am 20. November kamen mehr als 300 Teilnehmer online beim Schweizer Stiftungstag zusammen. Auch DIE STIFTUNG nahm teil und stellte die Ergebnisse des ersten Schweizer Stiftungsbarometers vor. Digitalisierung machte das trotz Corona möglich – und war auch in den Programmpunkten immer wieder Thema.

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Beim diesjährigen digitalen Schweizer Stiftungstag präsentierte DIE STIFTUNG die Ergebnisse des ersten Schweizer Stiftungsbarometers.

Pro Fonds hat sich der digitalen Herausforderung gestellt: Am 20. November kamen mehr als 300 Teilnehmer online beim Schweizer Stiftungstag zusammen. Auch DIE STIFTUNG nahm teil und stellte die Ergebnisse des ersten Schweizer Stiftungsbarometers vor. Digitalisierung machte das trotz Corona möglich – und war auch in den Programmpunkten immer wieder Thema.

„Was nicht online gefunden wird, das gibt es nicht“ – so beschreibt Peter Buss, Gründer und Geschäftsführer von Stiftungschweiz.ch und der Philanthropy Services AG, die neue Realität. Den Schweizer Stiftungstag von Pro Fonds, dem Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz, gab es dieses Jahr trotz Corona, in abgewandelter Form. Der Beweis: Er war online zu finden.

Am Vormittag des 20. November stellte Buss in diesem Rahmen digitale Kommunikationskanäle wie benevol-jobs.ch oder fiveup-org vor. Beide bringen Freiwillige und Organisationen zusammen. Hilf-jetzt.de entstand neu im Rahmen der Corona-Krise: Hier wird Nachbarschaftshilfe digital organisiert. Und stiftungsratsmandat.ch widmet sich der Vermittlung von Stiftungsräten. All das sind Beispiele des digitalen Fortschritts. Ein Fortschritt, der im Bereich Fundraising noch wenig zu spüren ist, wie einige von Buss vorgestellte Zahlen zeigen: Nur 15 Prozent der Schweizer Förderstiftungen haben eine eigene Website. Fünf Prozent der Fördergesuche werden online gestellt. Und gerade Mal drei Prozent der Privatspenden werden online getätigt.

Schweizer Stiftungsbarometer: Wie digital sind Schweizer Stiftungen?

Diese Zahlen entsprechen auch den Ergebnissen des ersten Schweizer Stiftungsbarometers – eine Online-Umfrage, die DIE STIFTUNG und Stiftungschweiz.ch in Kooperation mit der Zürcher Kantonalbank dieses Jahr erstmalig durchgeführt haben. Dort gaben 16 Prozent der 205 teilnehmenden Stiftungsvertreter aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz an, keine eigene Website zu besitzen – und nur knapp die Hälfte nutzt soziale Medien. Diejenigen jedoch, die sich in diesem Bereich bewegen, nutzen neben Facebook durchaus diverse Kanäle wie Instagram, Twitter oder Linkedin.

Befragt wurden Umfrageteilnehmer auch zum Fundraising in der Corona-Krise. Etwa ein Drittel der 82 fundraisenden Stiftungen berichtete diesbezüglich von einem konstanten Spendenvolumen, etwa gleich viele aber auch von einem leichten (22 Prozent) bis massiven Rückgang (13 Prozent) an Spenden. Eine Zunahme an Spenden erlebten knapp 20 Prozent (weitere Ergebnisse des Schweizer Stiftungsbarometers finden Sie hier).

Mit der Frage nach der Entwicklung von Spendengeldern im Zuge von Corona beschäftigte sich beim Schweizer Stiftungstag auch der Vortrag von Sibylle Spengler, Präsidentin des Berufsverbands Swissfundraising, unter dem Titel „Der große Wandel und die Solidarität als Konstante“. Als „grösstes Experiment der Menscheitsgeschichte“ bezeichnete Spengler den Corona-Lockdown. Ein Experiment, das in unterschiedlichsten Bereichen Auswirkungen gezeigt habe – auch im Fundraising.

Während in einer Umfrage von Swissfundraising im März 80 Prozent der Teilnehmer angegeben hätten, einen Spendenrückgang zu befürchten, sah die Realität nicht gar so düster aus. Das habe eine Umfrage der Stiftung Zewo vom Juni dieses Jahres gezeigt: 70 Prozent der teilnehmenden Hilfswerke gaben darin an, gleich viel oder sogar mehr Spenden generiert zu haben.

Schweizer Stiftungstag: Resilienz in Gesellschaft und Stiftungssektor

Um solch positive Entwicklungen zu stärken, müsse das langfristige Ziel eine resiliente Gesellschaft sein, und hierfür unter anderem die Zivilgesellschaft gestärkt werden, so Spengler. Dies voranzutreiben sieht sie als eine der Aufgaben von NPO – und nimmt Stiftungen in die Pflicht, diese dabei zu unterstützen.

Doch damit Stiftungen selbst nachhaltig arbeiten können, brauchen sie die richtigen (rechtlichen) Rahmenbedingungen. Die Initiative Luginbühl hatte acht konkrete Lösungsansätze hierfür in den Ring geworfen. Der daraufhin entstandene Vorentwurf des Bundesgesetzes zur Stärkung des Stiftungsstandorts Schweiz wurde jedoch im September 2020 stark gekürzt (mehr dazu hier). Enttäuschung bei Pro Fonds, die beim Schweizer Stiftungstag im Vortrag von Christoph Degen, Geschäftsführer des gastgebenden Dachverbands, nicht zu übersehen war: „Die Kantone sagen nein zu allem, was den Stiftungssektor weiterbringen könnte. Sie haben auch zu Good-Governance-Kriterien nein gesagt.“ Eine der ersatzlos gestrichenen Massnahmen, die er hervorhob, war eine Regelung über die Honorierung von Stiftungsräten und Vorständen. „Diese sah vor, dass eine angemessene Honorierung nicht mehr zu Verweigerung oder Entzug der Steuerbefreiung führen darf“, schrieb Degen dazu in DIE STIFTUNG Schweiz Ausgabe 2/2020, wo auch weitere aktuelle Entwicklungen im Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsrecht nachzulesen sind.

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Schöck-Familien-Stiftung fördert Projekte der Entwicklungszusammenarbeit https://www.die-stiftung.de/news/ausschreibungen/schoeck-familien-stiftung-foerdert-projekte-der-entwicklungszusammenarbeit-152591/ Mon, 09 Nov 2020 17:35:50 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/schoeck-familien-stiftung-foerdert-projekte-der-entwicklungszusammenarbeit-152591/

25.000 Euro pro Projektjahr stellt die Schöck-Familien-Stiftung für Entwicklungszusammenarbeitsprojekte in Indien, Sri Lanka und Nepal zur Verfügung. Bewerbungen sind bis 15. Dezember möglich.

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25.000 Euro pro Projektjahr stellt die Schöck-Familien-Stiftung für Entwicklungszusammenarbeitsprojekte in Indien, Sri Lanka und Nepal zur Verfügung. Bewerbungen sind bis 15. Dezember möglich.

Die Ausschreibung der Schöck-Familien-Stiftung fördert Projekte der Entwicklungszusammenarbeit in Indien, Sri Lanka und Nepal in folgenden Bereichen: Projekte zur Aus-/Weiterbildung, zur Schaffung einer nachhaltigen Lebensgrundlage, zur Selbstversorgung im Handwerk oder in der ökologischen Landwirtschaft bzw. Gärtnerei.

Gefördert werden nur Projekte, wenn sie eindeutig auf Initiativen der lokalen Projektpartner/Begünstigten beruhen. Antragsteller können Körperschaften (z.B. Vereine, Stiftungen oder gGmbHs) mit Sitz in Deutschland, Österreich und der Schweiz sein, die vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt sind, sowie Kommunen, Kirchengemeinden und Bildungseinrichtungen.

Der Förderzeitraum beträgt zwei Jahre. Anschlussförderungen und längerfristige Partnerschaften sind grundsätzlich möglich. Die Fördersumme beträgt maximal 25.000 Euro pro Projektjahr. Mit dieser Summe können auch erforderliche Eigenmittel für BMZ-geförderte Projekte gedeckt werden.

Antragsfrist ist der 15.12.2020

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Leah Missbach Day: Mit Rad und Tat https://www.die-stiftung.de/news/stiftungsprojekte/leah-missbach-day-mit-rad-und-tat-152467/ Tue, 25 Aug 2020 06:48:30 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/leah-missbach-day-mit-rad-und-tat-152467/ Missbach

Serie „Stifter & Anstifter“: Scheu und Unsicherheit prägten die Kindheit von Leah Missbach Day, Co-Gründerin von World Bicycle Relief. Heute ist davon nur noch wenig zu sehen. Schritt für Schritt hat sie sich Selbstbewusstsein und eine Stimme erkämpft – und schenkt diese nun Menschen in Entwicklungsländern. Ebenso wie Mobilität auf zwei Rädern.

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Serie „Stifter & Anstifter“: Scheu und Unsicherheit prägten die Kindheit von Leah Missbach Day, Co-Gründerin von World Bicycle Relief. Heute ist davon nur noch wenig zu sehen. Schritt für Schritt hat sie sich Selbstbewusstsein und eine Stimme erkämpft – und schenkt diese nun Menschen in Entwicklungsländern. Ebenso wie Mobilität auf zwei Rädern.

Zu Fuß wird der Schulweg in Simbabwe schnell zur gefährlichen Falle. Das weiß Leah Missbach Day heute. Denn wenn ein Mädchen alleine viele Kilometer durch abgelegene Gebiete gehen muss, sind sexuelle Belästigungen oder Vergewaltigungen nicht selten. Und: Zu Fuß ist man langsamer. Wer es nicht rechtzeitig zur Schule schafft, wird oftmals den langen Weg wieder nach Hause geschickt, geschlagen oder anderweitig bestraft.

Doch all das wusste Missbach Day noch nicht, als ihr Engagement 2004 begann. Damals ging es ihr und ihrem Ehemann F.K. Day darum, den Tsunami- Opfern in Sri Lanka zu helfen. Sie reisten hin, sprachen mit Hilfsorganisationen vor Ort, boten Unterstützung an. Und zwar in Form von Fahrrädern.

23.351 Fahrräder

Fahrräder nach einem Tsunami? Genau. F.K. Days Fahrradunternehmen Sram war der Auslöser. Die Verknüpfung lag nahe. Man wollte die Menschen beim Wiederaufbau unterstützen und hatte in der Heimat – Chicago, USA – Spenden gesammelt. Dann reisten die beiden nach Sri Lanka und nahmen Kontakt mit Hilfsorganisationen auf, die ihnen zu verstehen gaben: Die Menschen brauchen Mobilität. Wieso also nicht die Spenden in Form von Fahrrädern unter die Leute bringen?

Doch sie stießen mit ihrer Fahrradidee erstmal auf viele taube Ohren. Bis das internationale Kinderhilfswerk World Vision sie ernst nahm. 23.351 Fahrräder – wenn man das liefern könne, wäre wirklich geholfen, erhielt das Ehepaar Day die Info. „Das war dann doch mehr, als wir vorgehabt hatten“, lacht Missbach Day heute bei der Erinnerung. Eine schnelle Entscheidung musste her. Die Days reisten zurück in die USA, sammelten mehr Gelder, organisierten den Kauf der Fahrräder von einer lokalen Fahrradmarke in Sri Lanka – Lumala – und: Zwölf Wochen später warteten 24.000 Fahrräder in dem südasiatischen Land darauf, verteilt zu werden.

„Die Rückmeldungen waren überwältigend positiv“, erinnert Missbach Day sich. „Phase eins nach einer Katastrophe, so lernten wir, besteht darin, medizinische Nothilfe zu leisten, Menschen aus den Trümmern zu retten, Notunterkünfte und Nahrungsmittel bereitzustellen“, erklärt die 62-Jährige. In Phase zwei gehe es dann um den Wiederaufbau. „Und da sind die Fahrräder Gold wert“, strahlt sie. „Menschen konnten dank den Fahrrädern

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Missbach Day liebt die Arbeit vor Ort. Ihr Notizbuch ist dabei ihr ständiger Begleiter. Foto: World Bicycle Relief

wieder zur Schule gehen, zu ihren Jobs zurückkehren oder Material für den Aufbau von Häusern transportieren.“

Doch dabei blieb es nicht. Es blieb weder beim einmaligen Engagement in Sri Lanka noch bei der Katastrophenhilfe. Und es blieb auch nicht beim Aufkaufen und Verteilen von Fahrrädern anderer Marken, die qualitativ nicht den Vorstellungen der Days entsprachen. 2005 gründeten die beiden deshalb World Bicycle Relief (WBR), Anfang 2008 wurde das hauseigene Buffalo Bike entwickelt – extra stabil, um langfristig gute Dienste zu leisten und schwere Lasten zu tragen –, und nach und nach ist ein Netz an Zulieferern und von WBR ausgebildeten Mechanikern entstanden, wodurch die Fahrräder vor Ort in Schuss gehalten werden können.

„Das Bauen qualitativer Fahrräder mit einer effizienten Supply-Chain – das sind genau F.K. Days Themen“, berichtet Missbach Day. Bei Fahrrädern wisse er ganz genau, was er tue, weshalb er auch oft im Zentrum der Aufmerksamkeit stünde. Aber die Geschichten hinter den Fahrrädern nach außen tragen, fernab von technischen Details, und Menschen damit berühren – „das kann er nicht so gut“.

Missbach Day: Versagensängste überwinden

Das wurde zu Missbach Days Aufgabenbereich. Als Dokumentarfotografin hielt sie von Beginn an die Erfahrungen und Aktivitäten per Kamera fest. „Ich erzähle Geschichten mit meinen Bildern“, sagt sie. Selbst im Mittelpunkt zu stehen und mit diesen Geschichten nach außen an potentielle Unterstützer heranzutreten, fiel aber auch ihr lange Zeit schwer.

Von Versagensängsten und Perfektionismus geplagt, war sie im Laufe ihres Lebens immer mal wieder vor Herausforderungen zurückgeschreckt. Als kleines Mädchen sei sie so schüchtern gewesen, dass es ihr sogar schwerfiel, andere Menschen zu grüßen. Ein Tipp ihrer Mutter hat die Wende gebracht und sie wohl bis heute geprägt: „Sei neugierig und stell Fragen“, habe diese ihr geraten. „Lass die Menschen von sich selbst erzählen.“ Also begann die junge Missbach Day Fragen zu stellen – und überwand so ihre Scheu.

Bis heute ist das ihr wichtigstes Werkzeug: neugierig sein und Fragen stellen. Und die Menschen öffnen sich ihr, vertrauen sich ihr an. So baut sie enge Bindungen mit den Leuten vor Ort auf, erfährt von deren Sorgen, Ängsten, Hoffnungen und Glücksmomenten. Diese Geschichten und Informationen sind wertvoll – nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit von WBR, sondern auch für die gesamte weitere Arbeit der Organisation.

Nur so weiß man, was die Menschen wirklich brauchen. Zum Beispiel, dass die Fahrräder für die Sicherheit der Mädchen wichtig sind. Oder dass die Männervariante des Buffalo Bikes beliebter ist, weil stabiler als das Damen-Modell. Und nur so kann man auf Bedürfnisse reagieren. Heute gibt es ein stabiles Unisex-Buffalo-Fahrrad – beliebt bei allen.

Missbach Day will Mädchen eine Stimme geben

Ihr Talent, Momente und Geschichten zu sehen und einzufangen, hat Missbach Day im Jahr 1994 in ein Fotografie-Studium gegossen. Sie war damals mit F.K. Day nach San Diego, Kalifornien, gezogen, um bei ihm zu sein. Aber auch, weil – nach einem Erststudium in Marketing, Selbständigkeit als Stylistin und Näherin und eine

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Kolumbien, 2020: Vor laufender Kamera entspannt zu bleiben, musste Missbach Day erst lernen. Foto: Lena Kleine Kalmer

m Job in der Werbeindustrie – etwas in ihr sich nach mehr Sinnhaftigkeit in der Arbeit sehnte. Die Arbeit in der Werbeindustrie habe zwar viel Spaß gemacht, aber: „Da fließen unglaubliche Summen Geld, Kreativität und Aufmerksamkeit in einen Werbespot. Und letztendlich geht es nur darum, Pommes zu verkaufen.“ Das passte nicht in ihr Weltbild.

Die Geschichten, die sie als Dokumentarfotografin erzählt, sind andere. Da ist Mary aus Kenia, die dank ihrem Buffalo Bike keinen Esel mehr mieten muss, um Wasser für die Familie zu holen, und somit Unmengen Geld spart. Oder junge Mädchen, die sich endlich trauen, eigene Wünsche und Vorstellungen zu entwickeln und zu äußern. „Und weißt du, was diese Mädchen sich wünschen? Erst ein paar Jahre später zu heiraten oder Kinder zu kriegen. Die Schule zu beenden. Oder am Wochenende Lerngruppen zu besuchen.“

Missbach Days Herz schlägt für die Arbeit vor Ort. „Dort kann ich wirklich sehen, was unsere Fahrräder bewirken“, sagt sie. 2015/16 lebte sie mit F.K. Day und ihrem gemeinsamen, damals zehnjährigen Sohn sogar eine Zeitlang in Kenia, einem von inzwischen sechs Programmländern in Afrika und Lateinamerika. „In dieser Zeit konnte ich noch mal ganz anders mit den Menschen in Verbindung treten“, erinnert sie sich. Nach sieben Monaten zog die kleine Familie zurück in die USA, mindestens einmal im Jahr aber reist Missbach Day weiterhin in die Programmländer.

Social Enterprise inklusive

Obwohl F.K. Day und sie heute nicht mehr verheiratet sind, geht das gemeinsame Engagement weiter. Und sie sind inzwischen längst nicht mehr allein. 176 Mitarbeiter zählt WBR heute. 2.341 Mechaniker sind ausgebildet, mehr als 519.500 Fahrräder ausgegeben worden – im Rahmen eines Bildungsprogramms an Schülerinnen und Schüler, im Gesundheitsbereich an Pflegerinnen und Pfleger. Fahrräder, die nicht nur Transportmittel, sondern auch Botschafter sind. Sie sollen Menschen dazu motivieren, mobil zu werden, und dazu beitragen, dass das Fahrrad hierfür als Chance wahrgenommen wird.

WBR ist inzwischen keine reine Non-Profit-Organisation mehr. Im Jahr 2008 kam ein sozialunternehmerischer Ansatz dazu, weil die Nachfrage nach den Rädern vor Ort immer größer wurde: Das Social Enterprise „Buffalo Bicycles Ltd.“ – eine hundertprozentige Tochter von WBR – ermöglicht es heute Unternehmen, Privatpersonen, NGOs oder lokalen Regierungen, Buffalo Bikes käuflich zu erwerben. Der Gewinn fließt in WBR zurück. Und das wiederum fördert das gesamte Netzwerk an Mechanikern und den Verkauf von Ersatzteilen vor Ort.

Um an diesen Punkt zu gelangen, waren Ausdauer, Mut und ein fester Glaube an sich selbst und die Organisation notwendig. Raum für die schüchterne Leah Missbach Day von früher gab es da kaum. „Ich habe gelernt, mir klare Ziele zu setzen und Unsicherheiten oder negative Emotionen – wenn sie doch zwischendurch wieder hochkommen – beiseitezuschieben. Ich trenne das heute voneinander und mache einfach weiter“, verrät Missbach Day ihr Geheimnis. „Viel zu viele Menschen lassen sich von Ängsten aufhalten.“ Sie aber weiß inzwischen: „Wenn ich etwas nicht ausprobiere, fühlt sich das schlimmer an als die Angst zu versagen. Also tue ich es einfach.“

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Terkessidis: „Vielfalt kann gehörig auf die Nerven gehen“ https://www.die-stiftung.de/news/stiftungsprojekte/terkessidis-vielfalt-kann-gehoerig-auf-die-nerven-gehen-152455/ Tue, 18 Aug 2020 11:35:19 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/terkessidis-vielfalt-kann-gehoerig-auf-die-nerven-gehen-152455/

Der Psychologe Mark Terkessidis beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Rassismus und weiß: Menschen kategorisieren Menschen. Probleme entstehen, wenn gesellschaftliche Strukturen das Ausschließen bestimmter Kategorien legitimieren.

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Der Psychologe Mark Terkessidis beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Rassismus und weiß: Menschen kategorisieren Menschen. Probleme entstehen, wenn gesellschaftliche Strukturen das Ausschließen bestimmter Kategorien legitimieren.

Herr Terkessidis, die „Black Lives Matter“-Bewegung entstand in den USA. Was halten Sie davon, dass sie auch in Deutschland angekommen ist?

Mark Terkessidis: Ich finde es gut, wenn die Bewegung auch hier erfolgreich ist, plädiere aber dafür, mehr zu differenzieren. Das Schwarz/Weiß-Modell aus den USA kann man nicht eins zu eins übertragen. Ich muss, wenn ich über Rassismus spreche, immer die jeweilige Gesellschaft im Blick haben.

Wie also sieht Rassismus in der deutschen Gesellschaft aus?

Terkessidis: Der Begriff des Rassismus wird in Deutschland oft mit Gewalt und Rechtsextremismus assoziiert. Rassismus ist aber auch ein Alltagsphänomen, das sich manchmal viel dezenter äußert. Hinter Sätzen wie „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber …“ stecken oft rassistische Einstellungen.

Rassistische Einstellungen, Rassismus: Können Sie genauer erläutern, was darunter zu verstehen ist?

Psychologe Mark Terkessidis ist freier Autor und Migrationsforscher und hat seine Promotion in Pädagogik zum Thema Rassismus abgeschlossen. Sein neuestes Buch „Wessen Erinnerung zählt – Koloniale Vergangenheit und Rassismus heute“ ist 2019 erschienen. Foto: Andreas Langen

Terkessidis: Ich sehe Rassismus als eine illegitime Spaltung zwischen „uns“ und „ihnen“. Wenn Menschen andere Menschen „rassifizieren“, legen sie Gruppen fest und treffen Aussagen über sie. In der Psychologie sprechen wir von Stereotypisierung – also dem Ordnen nach Kategorien. Das ist menschlich und gar nicht zu vermeiden. Es geht darum, wen und wie wir stereotypisieren. Theorien über Rassismus sagen nicht, es gebe keine Unterschiede. Bei Rassismus spielen aber Unterschiede eine Rolle, die gar nicht existieren oder nicht von Bedeutung sind. Dass rassistische Wissensbestände in der Gesellschaft existieren, ist letztendlich ein hunderte Jahre altes Phänomen. Ich spreche bewusst nicht von Vorurteilen, um klarzumachen, dass es kein Problem von verirrten Einzelnen ist. Rassismus hat immer auch eine strukturelle Seite: Menschen werden in ein System einbezogen und gleichzeitig ausgeschlossen oder benachteiligt, sei es bei der Zuteilung von Gütern oder beim Zugang zu Bildung oder Gesundheitsversorgung.

Können Sie das an einem Beispiel veranschaulichen?

Terkessidis: Beispielsweise sind in den 60er Jahren sogenannte Gastarbeiter angeworben worden, um unqualifizierte Industriearbeit zu leisten. Sie hatten nur zu bestimmten Segmenten des Arbeitsmarkts Zutritt. Sehr schnell hat sich der Begriff „Ausländerjobs“ im Sprachgebrauch etabliert. Die Eigenschaften der Arbeit – einfach und zweitrangig – wurden dann den Personen zugeschrieben, die sie verrichteten, griechischen oder türkischen Einwanderern etwa. Der Ausschluss ging aber noch weiter: Die „Gastarbeiter“ durften auch nach langem Aufenthalt keine deutschen Bürger werden, also nicht mitbestimmen. Solche Ausgrenzungen darf es in einer Demokratie nicht geben. Alle Einwohner sollten alles machen können und auch alle Rechte haben.

Sollte es im Kampf gegen Rassismus also vor allem um strukturelle Veränderungen gehen?

Terkessidis: Genau. Nehmen wir als Beispiel Racial Profiling bei der Polizei – also das Ermitteln und Agieren auf Grundlage äußerlicher Merkmale statt wirklicher Verdachtsmomente: Mir ist egal, was jeder einzelne Polizist denkt. Mir ist wichtig, dass die Handlungs- und Wahrnehmungsroutinen so organisiert sind, dass es kein Racial Profiling mehr gibt. Denn: Was sind Hautfarbe oder Herkunft bitteschön für Ermittlungskriterien?

Manche sagen, hinter Rassismus stecke Angst vor dem Fremden. Sehen Sie das auch so?

Terkessidis: Die Angst vor dem Fremden erklärt in meinen Augen gar nichts. Im Gegenteil: Das Problem ist, dass wir glauben, wir würden über die anderen viel wissen, doch dieses Wissen speist sich aus kolonialistischem Gedankengut oder Stimmen aus Politik und Medien, die die Migration unentwegt als Problem darstellen. Erstmal geht es also darum zu verlernen, um dann Leute als Individuen sehen zu können, nicht als Exemplare von Herkunftsgruppen.

Sie sind Beirat des Netzwerks „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“. Kann es das wirklich geben: eine Schule oder eine Welt ohne Rassismus?

Terkessidis: Ich werde die Abschaffung von Rassismus nicht erleben. Dafür ist er zu tief in den Strukturen der Gesellschaft verankert. Wir können aber versuchen, Ungleichheitsverhältnisse und Diskriminierungen zu mildern. Und da stehen Schulen im Vordergrund. Es ist wichtig, dass dort darüber gesprochen wird. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es zum Beispiel, wenn Mehmet oder Nadia nicht mehr durch Stereotypisierungen benachteiligt würden und dieselben Chancen hätten, für das Gymnasium empfohlen zu werden, wie Anna oder Paul.

Wie können Stiftungen solche Entwicklungen unterstützen?

Terkessidis: Ich glaube, dass eine Organisationsveränderung in einer Stiftung am nachhaltigsten ist. Ich würde deshalb mit der Umstrukturierung des eigenen Betriebs anfangen. Eine Stiftung sollte sich fragen, ob die aktuelle Zusammensetzung der Gesellschaft in ihren Strukturen wiederzufinden ist, wie die Rekrutierungsprozesse von Mitarbeitern ablaufen, ob Menschen mit Migrationshintergrund dieselben Chancen haben, zu Bewerbungsgesprächen eingeladen zu werden, oder was man selbst tut, um im eigenen Betrieb Gleichbehandlung umzusetzen.

In Ihrem Buch „Nach der Flucht. Neue Ideen für die Einwanderungsgesellschaft“ sprechen Sie von einem „Vielheitsplan“ – können Sie diesen erläutern?

Terkessidis: Den Vielheitsplan habe ich entwickelt, weil ich den Begriff „Integration“ absolut kontraproduktiv und überhaupt nicht zeitgemäß finde. Bei Integration gibt es immer ein „Wir“ und ein „Sie“, es gibt angeblich die „Richtigen“, die schon immer da waren, und die „Dazugekommenen“, die noch Schwierigkeiten haben und Defizite aufweisen. Integration heißt dann: Wir machen allerlei Sondermaßnahmen für die, die angeblich Probleme machen. Ich finde aber, wir brauchen einen Perspektivwechsel und sollten uns eher fragen, ob unsere Institutionen fit sind für die neue Vielheit der Gesellschaft. Ich nenne es bewusst „Vielheit“, denn der Begriff betont die neue Zusammensetzung der Bevölkerung, die neue Realität. In Stuttgart haben Dreiviertel der Kinder, die bald zur Schule gehen, mindestens einen Elternteil, der eingewandert ist. Die Frage ist also: Wie stelle ich mich darauf ein?

Ist Vielheit gleichzusetzen mit Vielfalt?

Terkessidis: Nein. Vielfalt ist eine Verniedlichung. Wir – die guten „Nicht-Rassisten“ – erklären immer, dass Vielfalt bereichernd ist. Eine Quelle von Austausch und Kreativität. Aber jemand, der plötzlich neben 500 neuen Flüchtlingen wohnt, erlebt dadurch erstmal keine Bereicherung, sondern einen Vertrauensverlust. Dabei ist es egal, ob die Leute aus Syrien kommen – sie könnten auch aus einem anderen Bundesland sein. Vielfalt kann gehörig auf die Nerven gehen. Aber die neue Realität ist wie sie ist, und darauf müssen wir uns einstellen. Da sehe ich einen großen Mangel in Deutschland, eine große Angst vor Veränderung. Oft führt in der Verwaltung zum Beispiel mangelndes Wissen über Bedingungen in den Herkunftsländern von Migranten zu Störungen, wenn dadurch Dokumente verlangt werden, die es gar nicht gibt. Im Vielheitsplan geht es darum, Regelbetriebe strategisch anzupassen und innovative Antworten zu finden. Wir dürften uns ruhig mal an größere Reformen wagen.

 

 

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Stiftung Sucht hat neue Geschäftsführung https://www.die-stiftung.de/news/schweiz/stiftung-sucht-hat-neue-geschaeftsfuehrung-152402/ Thu, 02 Jul 2020 10:52:10 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/stiftung-sucht-hat-neue-geschaeftsfuehrung-152402/

Der neue Geschäftsführer der Stiftung Sucht heisst Niggi Rechsteiner. Der Stiftungsrat wird ergänzt durch Patrick Griesser und Thomas Leu.

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Der neue Geschäftsführer der Stiftung Sucht heisst Niggi Rechsteiner. Der Stiftungsrat wird ergänzt durch Patrick Griesser und Thomas Leu.

Niggi Rechsteiner hat heute die Geschäftsführung der Stiftung Sucht übernommen. Er folgt auf Francesco Castelli, der die Stiftung neun Jahre lang geführt hat. Niggi Rechsteiner „bringt – ausgestattet mit Berufsabschlüssen in Krankenpflege, Sozialarbeit und Betriebswirtschaft – umfangreiche Berufserfahrung in der operativen Leitung von Unternehmen, im Sozial- und Gesundheitswesen, der Verwaltung und der Arbeitsintegration mit“, heisst es auf presseportal-schweiz.ch. Er sei immer wieder im Suchtbereich tätig gewesen, zum Beispiel im Haus Gilgamesch, im Gassenzimmer und in den universitären psychiatrischen Kliniken. Francesco Castelli tritt am 1. August 2020 eine neue Stelle als Direktor des Massnahmenzentrums für junge Erwachsene Arxhof an.

Weitere Änderungen

Auch im Stiftungsrat finden Wechsel statt. Nach vierjähriger Mitarbeit verabschiedet sich Ursula Hellmüller aus dem strategischen Gremium und ist ab dem 1. August Leiterin der Suchthilfe Ost GmbH Olten.

Neu konnten Patrick Griesser und Thomas Leu für den Stiftungsrat gewonnen werden. Patrick Griesser arbeitet als Senior Communications Manager der Schweizerischen Bankiervereinigung, Treuhänder und Wirtschaftsprüfer Thomas Leu ist zurzeit als Controller bei den Helvetia Versicherungen tätig.

Zur Stiftung

Die Stiftung Sucht in Basel hilft suchtkranken Menschen, ihren Platz in der Gesellschaft wiederzufinden und ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu führen. 1972 gegründet führt sie heute das Tageshaus für Obdachlose und die Werkstatt Jobshop sowie die stationären Einrichtungen Chratten und Haus Gilgamesch. Insgesamt betreut die Stiftung somit in den Bereichen Therapie und Überlebenshilfe etwa 120 Personen.

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Philanthrop – was ist das? Definition und Wortherkunft https://www.die-stiftung.de/news/philanthrop/philanthrop-was-ist-das-152386/ Thu, 18 Jun 2020 06:11:45 +0000 https://stage01.die-stiftung.de/stiftungsszene/philanthrop-was-ist-das-152386/ Philanthrop Sankt Martin

Der Begriff Philanthrop fällt immer wieder im Zusammenhang mit Unternehmern, die gewaltige Summen spenden oder in eigene Stiftungen investieren. Muss man also reich sein, um ein Philanthrop zu sein? Oder reicht auch eine vergleichsweise kleine Spende oder Geste?

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Philanthrop Sankt Martin

Der Begriff Philanthrop fällt immer wieder im Zusammenhang mit Unternehmern, die gewaltige Summen spenden oder in eigene Stiftungen investieren. Muss man also reich sein, um ein Philanthrop zu sein? Oder reicht auch eine vergleichsweise kleine Spende oder Geste?

Microsoftgründer Bill Gates ist wohl der bekannteste Philanthrop. Doch er ist nicht der einzige, der den Weg der Philanthropie eingeschlagen hat. „Unter den größten Philanthropen der Welt dominieren Unternehmer aus der IT- und Finanzindustrie“, schreibt welt.de und nennt die Top acht, darunter Bill Gates und seine Frau Melinda, Warren Buffett oder auch den weniger bekannten Immobilien- und Versicherungsunternehmer Eli Broad. Aber was ist das überhaupt, ein Philanthrop beziehungsweise eine Philanthropin? Und muss ein Mensch vermögend sein, um Philanthrop zu sein?

Ein Philanthrop ist ein Menschenfreund, …

Das Wort Philanthropie stammt aus dem Altgriechischen von den Wörtern philos – freundlich, Freund – und anthropos – Mensch – ab. Somit ist ein Philanthrop ein Menschenfreund. Oder anders gesagt, ein Mensch, der freiwillig und gerne Gutes für andere tut.

Info

Warum manche Menschen eher als andere bereit sind, ihr privates Vermögen in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen, erklärt Psychologieprofessor Stephan Dickert im Interview.

Wie aber bringt sich ein Philanthrop, ein „Menschenfreund“, ein? Bei den größten Philanthropen der Welt steht vor allem das Geben von Geldern im Vordergrund – seit es in Form von Spenden oder durch das Gründen einer Stiftung. „Microsoft-Mitbegründer Bill Gates und seine Frau Melinda haben bislang bereits 27 Milliarden Dollar für den Aufbau ihrer eigenen Stiftung und andere philanthropische Zwecke gespendet“, schrieb welt.de 2015. Bei Börsenguru Buffett seien es bis zu diesem Zeitpunkt 20 Milliarden gewesen.

… der sich vielfältig engagiert

Die Einsatzbereiche können unterschiedlichster Art sein. Bei Ehepaar Gates stehen Gesundheitsvorsorge, Armutsbekämpfung und Bildung im Vordergrund, bei SAP-Mitgründer Hasso Plattner die Förderung von Wissenschaft und Forschung. Der IT-Unternehmer Azim Premji fördert mit seiner Stiftung Schulbildung in Indien.

In Deutschland sind gemeinnützige Ziele durch das Gemeinnützigkeitsrecht definiert. Ob diese rechtlich festgelegten Zwecke sich immer mit „guten“ Handlungen decken, bleibt wohl eine philosophische Frage. Sicher ist: Eine philanthropischer Akt muss nicht notwendig mit einer Geldspende verbunden sein. Auch ein Mensch, der sich durch Taten für andere Menschen einbringt, ist ein Philanthrop.

Flexibel, familiär oder hingebungsvoll?

Die Plattform neues-stiften.de hat in einer Studie drei Typen von Philanthropen ausgemacht: Der flexible Philanthrop, der sich „durch Bekannte und Freunde von unterstützungswürdigen Projekten überzeugen“ lässt oder „auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen reagiert“, der familienorientierte Philanthrop, der „stark in das Familienunternehmen und/oder das Engagement der Familie“ eingebunden ist, und der hingebungsvolle Philanthrop, der die Philanthropie zu Beruf beziehungsweise zur Berufung gemacht hat. Geführt worden waren Interviews mit 23 jungen vermögenden Erben mit einem zu erwartenden Erbe von mindestens einer Million Euro und einem Geburtsjahr nach 1961.

Das Gegenteil von Philanthrop?

Der Gegenbegriff zu Philanthrop ist der Misanthrop, also ein Menschenfeind. Ein Begriff, der vor allem durch Molières gleichnamigen Komödie aus dem Jahr 1666 bekannt sein dürfte, in welcher der Protagonist Alceste proklamiert: „Wer jedermanns Freund sein will, ist der meine nicht.“

Info

Über eine spezifische Form der Philanthropie, den sogenannten „Philanthrokapitalismus“, hat DIE STIFTUNG im Interview mit Prof. Frank Adloff von der Universität Hamburg gesprochen.

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