Die Geschäftsführerin von Licht für die Welt Österreich, Johanna Mang, kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn sie über die Kooperation ihrer Organisation mit der liechtensteinischen Medicor Foundation spricht: „Die Missionen passen zusammen, die Themen passen zusammen, und die Projektländer und Regionen passen auch zusammen.“ Der 1988 gegründete Verein mit dem Schwerpunkt Blindheitsverhütung und Rehabilitation ist heute eine führende europäische Hilfsorganisation im Bereich Entwicklungszusammenarbeit und Inklusion von Menschen mit Behinderung und die sechstgrößte Non-Profit-Organisation (NPO) in Österreich. Die angesammelte Expertise sowie der Fokus auf fünf Hauptländer sind es, was die Medicor Foundation besonders an der Zusammenarbeit schätzt.
Ziel der Stiftung wiederum ist es, die Lebensumstände bedürftiger Menschen in Südosteuropa, Lateinamerika und Afrika südlich der Sahara durch die Unterstützung überzeugender Projekte zu verbessern. Die Kooperation zwischen den beiden philanthropischen Einrichtungen besteht seit 2007.
Überzeugende Projektarbeit
In der Regel beginnt eine konkrete Unterstützung durch die Stiftung mit einem Pilotprojekt. Es werden Bedingungen der Zusammenarbeit vereinbart, Medicor-Mitarbeiter besuchen die Projekte vor Ort, man lernt sich kennen – und kann die Zusammenarbeit auch vor Ende der Projektphase wieder beenden, falls notwendig. Die von beiden Organisationen gemeinsam formulierte Absprache beinhaltet immer mindestens diese zwei Elemente: eine Vereinbarung über eine Ratenzahlung von Seiten Medicors sowie eine klare Zielsetzung und regelmäßige Berichterstattung durch Licht für die Welt. „Transparenz und ein regelmäßiger Austausch sind uns wichtig. Aber auch eine pragmatische Herangehensweise“, erklärt Fortunat Walther, der Geschäftsführer der Medicor Foundation.

Effizienzgründe sind es auch, welche die Stiftung dazu bewegen, Projekte zu unterstützen, statt eigene in die Welt zu rufen. „Implementierungsorganisationen gibt es zur Genüge“, ist Walthers klare Meinung. „Wir bauen lieber auf deren Erfahrung, Wissen und Können.“ Hierfür werden immer abgegrenzte Phasen eines größeren Projektes mit Summen zwischen 100.000 und 250.000 Euro über zwei bis drei Jahre gefördert – durchaus auch mehrere aufeinanderfolgende. Alleiniger Finanzier möchte Medicor allerdings nie sein. „Um eine gewisse Unabhängigkeit auf Seiten der Organisationen zu bewahren erklärt Walther. Außerdem sei es immer gut, wenn die Organisationen mehrere Förderer von ihrem Vorhaben überzeugen müssten. „Das Projekt soll schließlich nicht für uns umgesetzt werden. Die Organisation soll voll und ganz dahinterstehen und auch andere davon überzeugen können.“
Wirkung braucht Zeit
Kooperationen wie diese bestehen momentan rund 80 zwischen der liechtensteinischen Stiftung und gemeinnützigen Einrichtungen ganz unterschiedlicher Größe. „Vor zehn Jahren gingen wir noch aktiv auf die Organisationen zu. Inzwischen sind wir damit eher zurückhaltend, da bereits ein großer Stamm an bewährten Partnerorganisationen besteht“, berichtet Walther. Die langfristige Unterstützung von Projekten ist wichtig, um eine nachhaltige Veränderung zu erzielen. „Mit zuverlässigen Partnern, die vor Ort ernst genommen werden.“ Medicor weiß, dass die Organisationen Zeit brauchen, um Netzwerke und Vertrauen aufzubauen – auch zur lokalen Regierungsvertretung.
Dass dabei Verwaltungskosten unvermeidlich sind, ist der Stiftung bewusst. „Solange diese in einem vernünftigen Rahmen zu den Projektkosten stehen, ist das völlig in Ordnung“, erklärt Walther. „Unsere Partner dürfen die Gelder vollkommen frei verwenden. Doch wir bestehen auf eine detaillierte Budget- und Kostenaufstellung.“
Diesen Aufwand nimmt Licht für die Welt für ihren wichtigsten Unterstützer gerne in Kauf. Und für weitere Förderer. Zwölf Prozent aller Gelder des Vereins stammen von Stiftungen. Doch diese bringen der NPO nicht nur finanzielle Unterstützung. „Durch den Austausch und die Diskussion entsteht eine inhaltliche Auseinandersetzung, durch die auch wir uns weiterentwickeln“, berichtet Sabine Rehbichler, Programmdirektorin von Licht für die Welt. Und noch einen weiteren Aspekt hebt sie hervor: „Um Veränderung zu bewirken, benötigt es der Zusammenarbeit vieler. Und dabei sind die Kontakte, die Stiftungen mitbringen, sowie ihre Positionierung in der Gesellschaft nicht zu unterschätzen. Stiftungen können helfen, dass sich die Menschen mit sozialen Themen auseinandersetzen.“

Den richtigen Partner finden
Beziehungsaufbau und Dialog sind zentrale Punkte in der Kooperation mit Stiftungen. Und die Übereinstimmung der Missionen, wie Johanna Mang ergänzt: „Stiftungen haben eigene Schwerpunkte und Vorstellungen. Und die müssen zur kooperierenden Organisation passen. Es reicht nicht aus, dass sich beide ein grobes Thema wie Gesundheit auf die Fahnen geschrieben haben.“ Deshalb sei es wichtig, bei der Recherche nach Kooperationspartnern nicht nur frei zugängliche Informationen wie etwa die der Webseite zu beachten, sondern den direkten Kontakt herzustellen, im Netzwerk Meinungen einzuholen, nach den wirklichen Überlappungen in der Arbeit zu suchen – und diese dann auszutesten. Eine ausdrückliche Warnung hat die Geschäftsführerin auch parat: „Man sollte niemals in einen Bereich einsteigen, in dem man keine Erfahrung mitbringt, nur um Fördergelder zu erhalten.“ Vielmehr sei es wichtig zu reflektieren, wo die eigene Expertise bestehe und wohin man sich entwickeln wolle. Auch die fördernde Stiftung sollte Experte im zu bearbeitenden Thema sein. „Man muss seiner Mission treu bleiben“, fügt Rehbichler hinzu. „Das ist wie mit jeder Partnerschaft: Man kommt zusammen, weil beide Seiten etwas zu bieten haben. Es ist wichtig, sich gemeinsam zu entwickeln, niemals aber die eigenen Grundsätze aus den Augen zu verlieren. So kann das viele Jahre gutgehen.“
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Funktionierende Partnerschaft
Die Medicor Foundation ist Mitglied der Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen (VLGS) und fördert Projekte implementierender Organisationen in den Regionen Südosteuropa, Lateinamerika und Afrika südlich der Sahara. Licht für die Welt und seine lokalen Partner unterstützt die Stiftung in Mosambik, Äthiopien, Burkina Faso und Bosnien-Herzegowina in den Bereichen Augengesundheit, inklusive Bildung und gemeindenahe Rehabilitation. Aus Bosnien-Herzegowina zieht Licht für die Welt sich momentan zurück, da die lokalen Partner inzwischen stark genug sind, selbst Mittel für die Projekte zu generieren. Diese würden nun gerne direkt mit der Medicor Foundation kooperieren.
www.medicor.li
Dieser Beitrag ist Teil der Themenwoche „Kooperationen“ von DIE STIFTUNG und dem Jahrespartner „Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen (VLGS)“.
Martina Benz ist Redakteurin von DIE STIFTUNG und verantwortliche Redakteurin von DIE STIFTUNG Schweiz. Die studierte Kulturwirtin mit dem Schwerpunkt Lateinamerika hat ihren Weg zurück nach Deutschland gefunden und ihr Volontariat bei DIE STIFTUNG absolviert. Derzeit befindet sie sich in Elternzeit.

