Auch wenn Unternehmen und Stiftungen unterschiedlichen Logiken folgen, gibt es eine systematische Annäherung. Das zeigte sich bei der sechsten F.A.Z.-Konferenz Stiftung & Unternehmen, eine Veranstaltung von F.A.Z. Business Media und den Mitinitiatoren Bundesverband Deutscher Stiftungen und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, mehrfach. Claudia Bühler etwa wechselte bei der Otto-Group aus dem Konzern in den Vorstand der Umweltstiftung Michael Otto – und hat erlebt, dass Konzepte zur Erfolgsmessung aus der Unternehmenswelt mit angepassten Indikatoren in Stiftungen anwendbar sind. Ein zentrales Element, um solche Messkriterien oder aber auch neue Arbeitsmethoden und Organisationsstrukturen einzuführen, ist für Bühler Kommunikation. Wenn das gelinge, seien die Mitarbeiter offen und dankbar für frischen Wind.
Individuelle Anforderungen
Dass die Betrachtung von Wirkung eine individuelle Angelegenheit ist und es nicht die eine Lösung für alle Szenarien gibt, zeigte Felix Streiter. Der Geschäftsführer der Carl-Zeiss-Stiftung konnte auf Daten einer Umfrage unter 15 wissenschaftsfördernden Stiftungen zurückgreifen. Unter zehn Herausforderungen der Wirkungsmessung, die Streiter vorstellte, ist unter anderem der fehlende Marktdruck. Förderstiftungen müssten sich also ihren Erfolgsdruck selbst schaffen – was Erfolg mit Blick auf die konkrete Förderung ist, legt in manchen Fällen mitunter der Geförderte im Vorfeld selbst fest. Der Entschluss zu Erfolgsmessung ist für Streiter auch eine Kulturfrage. Schließlich könnte auch ein eher unangenehmes Ergebnis am Ende stehen.
Unerfreulich enden mitunter ganze Unternehmenshistorien, etwa aufgrund von Familienstreitigkeiten. Diese Überlegung war Grund für POCO-Gründer Peter Pohlmann, das Möbelunternehmen in eine Doppelstiftungslösung zu überführen – getragen von der Überzeugung, dass das Unternehmen nicht allein sein Eigentum sei. Ihm sei von Anfang an klar gewesen, dass viele Menschen am Erfolg des Möbelriesen mitgewirkt hätten. Auch für seine drei Kinder sei seine Entscheidung daher keine Überraschung gewesen. „Ich habe immer gesagt, sie sollen ihren eigenen Weg gehen.“
Stabilität trotz Schwankungen
Welche Folgen konjunkturelle Schwankungen stiftungsverbundener Unternehmen auf die Ausschüttung an ihre Stiftungen haben, diskutierten Christian Wriedt, Vorsitzender des Kuratoriums der Körber-Stiftung, und Markus Ziener, Geschäftsführender Vorstand Vermögen und Finanzen der Software AG Stiftung. In beiden Fällen sind die Erfahrungen auch in schwierigen Zeiten positiv. Ein Grund dafür ist die Diversifizierung. Die Körber-Stiftung besitze mit der Holding 24 Tochterunternehmen in unterschiedlichen Geschäftsfeldern, so Wriedt. Markus Ziener verweist auf die angestrebte Drittelung des Vermögens in liquide Werte, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen – durch den Verkauf an den US-Investor Silver Lake verringert sich der Anteil der Software AG in der Vermögensaufteilung auf fünf Prozent.
Keine Anteile am Unternehmen, aber doch historische Bezüge zum Unternehmen hat die gemeinnützige Wolfgang und Regina Böllhoff Stiftung. Hier hat Anja Böllhoff den Vorstandsvorsitz ihres Schwiegervaters Wolfgang Böllhoff übernommen, der die Böllhoff-Gruppe mehr als vier Jahrzehnte leitete und die Stiftung gemeinsam mit seinen vier Kindern und seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau gründete. Auch Anja Böllhoff hat sich nach ihrem Einstieg der Etablierung von Prozessen gewidmet. Wirkungsanalyse steht als nächstes großes Thema auf der Tagesordnung.
Raum für Kontroverse
Ein Werkzeug für Unternehmer soll eine neue Rechtsform sein. Gestartet als Verantwortungseigentum und nach Kritik umbenannt in GmbH mit gebundenem Vermögen, soll die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen unternehmerische Freiheit, Langfristigkeit und Nachhaltigkeit vereinen. Jan Bohl, CFO und Gesellschafter von Ableton, und Piet Mahler, Gründer und Geschäftsführer von holi, sprachen sich für die Rechtsform aus, Clara Kattein, die ihre Dissertation zum Thema verfasst hat, und Verena Staats, Leiterin Recht und Vermögen des Bundesverbands, zeigten sich in einer lebhaften Diskussion auf dem Panel und im Publikum kritisch – insbesondere, was die Frage etwaiger Steuervermeidungsmöglichkeiten anbelangt.
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https://www.faz-konferenzen.de/stiftung-unternehmen/rueckblick-2023/
